Neustadt Schwarz-Rot-Gold Hambach: Feiern unter den Farben der Demokratie

In den Höfen der Schlossstraße treffen regionale Weine auf historische Kulisse.
In den Höfen der Schlossstraße treffen regionale Weine auf historische Kulisse.

Von 12. bis 14. Juni treffen in Hambach stimmungsvolle Höfe auf gewichtiges Erbe: Das Fest Schwarz-Rot-Gold entlang der Schlossstraße setzt auf mehr als nur Weingenuss.

Von Brunnen- und Gässelfest in Oberhambach über die Markttage des Weinguts Schäffer und das Hoffest im Weingut Naegele bis zur Leistungsweinprobe auf dem Hambacher Schloss: Früher feierte in Hambach jeder ein bisschen für sich. „Wir haben uns damals überlegt, eine Veranstaltung anzubieten, um Kräfte zu bündeln“, erzählt Jutta Müller vom Weingut Johann Müller, die seit der ersten Ausgabe von Schwarz-Rot-Gold Hambach im Jahr 2012 mitorganisiert.

Ortsverwaltung, örtliche Gastronomen und Winzer taten sich mit der städtischen Tourist, Kongreß und Saalbau GmbH (TKS) und der Stiftung Hambacher Schloss zusammen. Name und Konzept des neuen Fests in der Schlossstraße und Teilen der Weinstraße standen schnell fest: „Mit der schwarz-rot-goldene Fahne können wir uns schon immer identifizieren, ohne aus einer bestimmten politischen Richtung zu kommen. Wir sind hier an einem exponierten Platz mit direktem Blick aufs Schloss, die Verbindung ist da.“

Tradition, Geschichte und Wein

Passend zum Hambacher Fest 1832 tragen die drei Festtage am Wochenende 12. bis 14. Juni Mottos: als Tag der Einheit, der Freiheit und der Brüderlichkeit. Den politischen Geist wecken sollen zudem Zitate berühmter Persönlichkeiten, die als Banner auf dem Fest aufgehängt werden. „Wir wollen, dass sich die Besucher Gedanken machen: Was war hier in Zeiten des Hambacher Fests, was bedeutet uns das heute?“ Das sind für Müller Themen, die nicht nur in Hambach, sondern pfalz- und deutschlandweit wieder zunehmend relevant werden – und die sie im Gespräch mit Gästen immer häufiger erklären muss.

Die Symbiose aus Traditionsbetrieben, politischem Anspruch und Feierkultur sei in den ersten Jahren herausfordernd gewesen. „Es war von Anfang an klar, dass wir keine halben Sachen machen. Viele Feste haben an Flair verloren, weil sie größtenteils auf der Straße und nicht in Höfen stattfinden.“ Auch private Höfe machen bei Schwarz-Rot-Gold mit und öffnen für Gastwinzer und Aussteller. Für die besondere Atmosphäre sorgen Blumenschmuck und ein spezielles Lichtkonzept rund um die renovierten alten Häuser in der Schlossstraße.

„Ohne Ehrenamt geht’s nicht“

„Mein Wunsch ist, dass wir uns als Hambacher ein Wochenende lang als richtig gute Gastgeber präsentieren“, sagt Müller, „und die Leute merken: Wir kriegen bei allen Belastungen, vor allem wegen des Verkehrs, auch etwas zurück. Denn nur wenn alle an einem Strang ziehen und das Fest gut bewerben, kann es ein Erfolg werden. Ohne Ehrenamt geht’s nicht.“ Die Helfer in der ersten Reihe werden wie vielerorts immer älter. „Da hilft nur gezielte Ansprache. Wir haben neben Winzern und Vereinen zum Glück auch einige private Initiativen und Cliquen, die etwas für Hambach auf die Beine stellen wollen.“

Das Engagement wurde schnell belohnt: Eine Kommission der Weinwerbung wählte Schwarz-Rot-Gold zum schönsten Weinfest der Pfalz 2013. „Das hat uns natürlich gefreut, weil so ein Fest nicht von allein läuft und wir alle da viel Arbeit reingesteckt haben“, sagt Müller. Auch in den Folgejahren bekamen die Organisatoren „unglaublich viel positive Resonanz“ auf Schwarz-Rot-Gold. Dennoch sei man abhängig von Wetter und Konkurrenzveranstaltungen im Umkreis. „Man kann viel machen, aber es gibt keine Garantie, dass viel los ist.“

Live-Musik in den Höfen

2026 erwartet Besucher freitags ab 18 Uhr eine Weinprobe unter dem Titel „Freiheit im Glas“, untermalt von Livemusik. Die Probekarte ähnelt optisch einem alten Schriftstück aus dem 19. Jahrhundert und ist im Wächterhäuschen und bei allen Teilnehmern erhältlich. Um 19 Uhr wird das Fest am Alten Rathaus eröffnet.

Samstags ist ein vielseitiges Musikprogramm mit unterschiedlichen Stilrichtungen angekündigt. Samstags um 14 Uhr und sonntags um 12 Uhr können sich Besucher mit der KuWei-botschafterin J. Müller-Tedden „Sektbotschaften in und um Hambach erwandern“, Anmeldung per E-Mail an juttamt@t-online.de (20 Euro). Die Stiftung Hambacher Schloss bietet ein Demokratierad, eine Foto- und Bastelstation sowie für Kinder Mitmachaktionen und sonntags Kinderschminken im Hof Koch nahe des Spielplatzes in der Eichstraße.

Elf Winzer und drei Gastronomiebetriebe schenken übers ganze Wochenende aus und servieren regionale wie ausgefallene Speisen, dazu kommen mehr als ein Dutzend Stände mit regionalen Produkten, Kunst, Handgemachtem und Schmuck.

Info

Hambach Schwarz-Rot-Gold vom 12. bis 14. Juni in der Schlossstraße und Teilen der Weinstraße: freitags von 17 bis 1 Uhr, samstags von 13 bis 1 Uhr; sonntags von 11 bis 21 Uhr.

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