Neunkirchen
Kohlhof: Drei Abteilungen fallen weg – Neue Details zu den Plänen
Am Montagmittag kam für den Neunkircher Kohlhof (offiziell Marienhausklinik Neunkirchen) auf der Pressekonferenz nach mehr als vier Monaten die gute Nachricht: Die Kinderklinik, die nach St. Wendel ziehen sollte, bleibt dem Kohlhof erhalten. Das sorgt auch bei vielen Menschen aus Zweibrücken, Kusel und großen Teilen der Westpfalz für Erleichterung, denn viele Mütter aus diesen Orten bringen auf dem Kohlhof ihre Kinder zur Welt.
Der Klinik-Standort soll nach den neuen Plänen zur Fachklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin ausgebaut werden. Das wäre die erste Fachklinik dieser Art in Deutschland, freut sich der Vorsitzende der Marienhaus-Gruppe Sebastian Spottke. Zudem soll die Klinik eine Notfallambulanz für die Kinder- und Jugendmedizin sowie die Gynäkologie anbieten. Auch ein neues Versorgungszentrum für Kinder und Jugendmedizin soll geschaffen werden – außerdem neue Mutter-Kind-Wohngruppen. Die Umstrukturierungen sollen laut Saar-Gesundheitsministerium und Marienhaus-Gruppe frühestens zum 1. Januar 2027 umgesetzt werden.
Vorstand: Keine Kündigungen der 130 Mitarbeiter
Was angesichts der allgemeinen Euphorie nach der Nachricht des Kinderklinik-Fortbestands ein bisschen unterging, war die Tatsache, dass der Kohlhof trotzdem Federn lassen muss. Denn die anderen Abteilungen – Notfallversorgung, Innere Medizin und Allgemeine Chirurgie – sollen wegfallen und zum Diakonie Klinikum Neunkirchen in der Innenstadt ziehen.
In diesen Abteilungen arbeiten zwischen 140 und 160 Mitarbeiter, die von den Schließungen betroffen seien, hatte es auf der Mitarbeiterversammlung geheißen. Die Führung der Marienhaus-Gruppe berichtet nun, dass 130 Stellen betroffen sind. Die Klinik sagt, sie möchte intensiv daran arbeiten, sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiter zu finden. Schon am Montag sagte die Marienhaus-Gruppe, dass sie niemanden entlassen wolle. Die 130 Mitarbeiter könnten entweder an einen anderen Standort der Gruppe wechseln, oder durch Umschulungen in den neuen Abteilungen des neuen Fachzentrums auf dem Kohlhof weiterarbeiten.
BI: Kohlhof wird weiter wichtige Rolle in Versorgung spielen
Nachdem am Montag alles sehr schnell ging, kamen nach und nach einige Fragen auf, beispielsweise: Wird der Kohlhof durch den Wegfall der drei großen Abteilungen geschwächt? Finden weiterhin Operationen für Erwachsene statt? Um diese Fragen zu klären, hat sich die Bürgerinitiative (BI), die seit Monaten für den Erhalt der Kinderklinik gekämpft hat, am Montagabend mit der Klinikführung getroffen.
Sabrina Math, die die BI zusammen mit Teresa Sciarrotta ins Leben gerufen hat, berichtet der RHEINPFALZ am Dienstag von den Ergebnissen des Gesprächs. Es sei ihnen besonders wichtig zu betonen, „dass der Standort Kohlhof auch künftig eine wichtige Rolle in der Versorgung spielen wird. So bleibt die ambulante operative Versorgung für Erwachsene erhalten, ebenso wie eine Notfallambulanz für Kinder und gynäkologische Notfälle“.
Drei Abteilungen sollen verschwinden: Kritik von Saar-Fraktionen
Außerdem sei eine enge Kooperation mit dem Standort der Marienhaus-Gruppe in St. Wendel geplant. „Ziel ist es, auch weiterhin stationäre Operationen für Erwachsene zu ermöglichen und dabei auf bewährte ärztliche Expertise zurückzugreifen“, sagt Sabrina Math.
Nachdem sich der Neunkircher OB Aumann und Landrat Meng erleichtert von der Kehrtwende gezeigt haben, loben auch viele Saar-Fraktionen die Entscheidung. Die CDU-Fraktion im Neunkircher Kreistag bezeichnet die neuen Pläne als „Befreiungsschlag“, mit dem „eines der führenden Krankenhäuser im gesamten Saarland gestärkt wird“. Sie kritisiert, dass die Vertreter der ursprünglichen Pläne, die Kinderklinik auf dem Kohlhof zu schließen, „von Anfang an auf einem Holzweg waren und zu großer Verunsicherung in der Belegschaft und der Bevölkerung beigetragen haben“. Der Neunkircher SPD-Stadtverband wertet die Pläne als „sehr gute Nachricht für Neunkirchen und die gesamte Region, auch über die Grenzen des Saarlandes hinaus“, so Vorsitzender Tobias Wolfanger.
Die Grünen-Fraktion im Neunkircher Stadtrat kritisiert ebenso wie die Bürgerinitiative die Verlegung der drei Abteilungen vom Kohlhof. „Fakt ist, der Kohlhof wird für einen Großteil der Menschen nicht mehr zur Verfügung stehen“, würden die Pläne tatsächlich so umgesetzt.