Zweibrücken
Kesselwärter und Mädchen für alles: Christian Gab hat 20 Jahre im Evangelischen gearbeitet
Schon seine Eltern arbeiteten im evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken. 1996 trat dann auch Christian Gab seinen Dienst in der Klinik an. Er arbeitete in der Schlosserei, war „Mädchen für alles“, wie er mit einem Schmunzeln erzählt. In nahezu jedem Bereich des Krankenhauses war er unterwegs, reparierte, wartete Geräte. „Von der Wäscherei über den OP und das Röntgen bis hin zum Reinigungsbereich und, und, und“, zählt Gab auf.
Viele Nachtschichten verbrachte er im Evangelischen, spülte Wasserrohre, reinigte Filter. Für die Arbeit machte Gab den Kesselwärterschein und seinen Meisterbrief. Den Kesselwärterschein brauchte er, um die Dampfkessel zu betreiben und zu warten. „Die waren notwendig für die Sterilisation und die Wäscherei“, erklärt er. Unter den Mitarbeitern herrschte eine tiefe Verbundenheit. Jeder sei hilfsbereit gewesen, habe ein Ohr für den anderen gehabt. „Es ging nur miteinander“, sagt Gab.
Vier Tage nach Kündigung im neuen Job gestartet
Im letzten Jahr vor der Schließung, 2016, änderte sich die Stimmung laut Gab spürbar. Keiner wusste so richtig, wie es weitergeht – oder ob es überhaupt weitergeht. Manche hätten gehofft, dass das Krankenhaus diese schwere Zeit doch noch überstehen würde, erinnert er sich. Letztlich kam es anders. „Mir ging das an die Gesundheit“, sagt der ehemalige Mitarbeiter.
Am 27. Juni 2016 zog er deswegen die Reißleine und machte von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch. Vier Tage später, am 1. Juli, begann er bei seinem neuen und bis heute aktuellen Arbeitgeber: der Zweibrücker Gewobau – inzwischen als Hauswart. „Da hatte ich dann keine Zeit mehr, ans Evangelische zu denken“, berichtet er. An seinen letzten Tag im Evangelischen erinnert sich Gab jedoch noch genau: „Ich habe am Ende mein ganzes Werkzeug eingeräumt, bin noch einmal durchs ganze Haus – vom Untergeschoss bis in den sechsten Stock –, habe allen Kollegen Tschüss gesagt.“ Für ihn sei das ein Moment voller Trauer gewesen, gleichzeitig aber auch voller Vorfreude auf den neuen Job.
Zinksarg zugelötet und nach Rumänien verschickt
Ob aus dem evangelischen Krankenhaus jemals noch etwas wird? Gab hegt daran große Zweifel. Wenn jemand das Haus betreiben wolle, müsse er sehr viel Geld in die Hand nehmen – zunächst für eine mögliche Sanierung, dann für den laufenden Betrieb. „Allein Wasser, Strom und Energie kosteten damals 100.000 Euro im Monat. Das muss man ja auch erst reinholen“, bemerkt Gab. Der ehemalige Mitarbeiter weiß, dass es 2016 einmal die Idee gab, dass die Gewobau das Haus kauft. Doch dieser Gedanke sei sehr schnell wieder verworfen worden. Und auch ein Abriss koste laut Gab Unsummen. „Ich weiß nicht, ob irgendjemand das Geld aufbringen will. Ich denke eher, dass das Evangelische noch in 20 Jahren genauso dastehen wird.“ Es schmerze ihn, heute zu sehen, wie die Klinik immer weiter verfällt. „Wenn man bedenkt, wie viel Arbeit wir da reingesteckt haben, tut das weh“, sagt er.
Was bleibt, sind die Erinnerungen an die Zeit im Evangelischen. Die schönsten: Seine beiden Kinder kamen dort zur Welt. Eine andere Erinnerung ist besonders außergewöhnlich: Damals musste er einmal einen Zinksarg zulöten, damit dieser nach Rumänien überführt werden konnte. „Das macht man auch nicht alle Tage“, bemerkt er. Fast schon grotesk wirkt heute eine Anekdote aus seinem Einstellungsgespräch. „Damals fragte ich, ob der Arbeitsplatz denn sicher ist. Da habe ich die Antwort bekommen: ,Herr Gab, nichts ist sicher. Wenn heute ein Flugzeug aufs Krankenhaus stürzt, dann gibt es die Klinik nicht mehr. Aber sonst kann nichts passieren.’“
Die Serie
Vor zehn Jahren, im September 2016, schloss das Evangelische Krankenhaus in Zweibrücken für immer. Die RHEINPFALZ hat mit Ex-Mitarbeitern der Klinik gesprochen. Wie war es, damals im Evangelischen zu arbeiten? Wie haben die Mitarbeiter die Monate vor der Schließung erlebt? Wie geht es für sie weiter? Welche Zukunft sehen sie für ihr Evangelisches? Die bisher erschienenen Teile finden Sie hier.


