Zweibrücken / Mauschbach
Das letzte Zweibrücker Krankenhauskind ist inzwischen fast zehn Jahre alt
Nora Dahlhauser hat eine besondere Geschichte: Sie kam am 15. Juli 2016 als letztes Kind im Evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken zur Welt. Kurz darauf wurde die Klinik geschlossen. Seitdem besucht DIE RHEINPFALZ die heute Neunjährige in unregelmäßigen Abständen und fragt nach, was sie erlebt hat und welche Pläne sie für die Zukunft schmiedet.
Der letzte Besuch liegt drei Jahre zurück. Damals ging Nora in die zweite Klasse der Hieronymus-Bock-Grundschule in Hornbach. Die Begeisterung für die Schule hielt sich zu jener Zeit bei dem Mädchen aus Mauschbach noch in Grenzen. „So richtig große Lust hatte ich damals nicht“, erinnert sie sich. Inzwischen habe sich das deutlich geändert. Der Grund sei ihre Klassenlehrerin Annika Stegner, die sie seit der dritten Klasse unterrichtet. „Frau Stegner bringt ab und zu ihren Hund Toni mit in die Klasse! Das gab es früher nicht“, erzählt Nora begeistert. „Und Toni mag total gern Käse!“
Hörspiele, Tiere und Zeit auf dem Bauernhof
Ihre Lieblingsfächer? „Kunst, Sachunterricht und Sport“, sagt sie. „Manchmal auch Ethik“, fügt sie nach einer kurzen Pause an. Besonders stolz ist Nora darauf, wie sehr sie sich im Lesen verbessert hat. In den Pausen verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit Freundinnen und Freunden.
Nach der Schule taucht Nora gern mit Hörspielen in andere Welten ein. Besonders angetan haben es ihr die TKKG-Detektivgeschichten mit der „Schnüfflerbande“ rund um Tim, Karl, Klößchen und Gaby. Zu Hause ist Cousine Leni ihre wichtigste Spielgefährtin. Gemeinsam verbringen sie viel Zeit auf dem Bauernhof und kümmern sich spielerisch um die Tiere. Pferde faszinieren Nora nach wie vor, auch wenn sie mit dem Voltigieren inzwischen aufgehört hat. „Da hatte ich irgendwann keine Lust mehr“, sagt sie offen.
Zwei Berufswünsche
Große Freude kommt auf, wenn ihre Tante zu Besuch ist. Denn die bringt ihre Hündin Pammy mit. „So einen Hund wünsche ich mir auch“, sagt Nora. Pammy ist ein Goldendoodle – eine Mischung aus Golden Retriever und Pudel. Auch die Zwergpudeldame Kaya gefällt Nora. „Die ist so klein und süß und hat ein Fell wie ein Teddybär!“
Beruflich bleibt Nora ihrer Tierliebe treu: Tierärztin ist nach wie vor ihr größter Wunsch. Doch es gibt noch eine zweite Option: „Ich könnte mir auch vorstellen, bei John Deere zu arbeiten – so wie Papa. Der arbeitet mit Mähdreschern.“ Deshalb freut sie sich schon auf den nächsten Girls’ Day, an dem sie ihn begleiten darf. „Aber ich muss mich irgendwann entscheiden“, meint Nora nachdenklich.
Vorfreude aufs Hofenfels-Gymnasium
Bis dahin stehen jedoch erst einmal andere Dinge an. Im kommenden Schuljahr beginnt für sie ein neuer Abschnitt: der Wechsel aufs Gymnasium. „Ich gehe aufs Hofenfels-Gymnasium, weil meine Freunde auch dorthin gehen“, sagt sie stolz und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Und weil es dort zwei Schulhunde gibt.“
Als das evangelische Krankenhaus schloss, verloren viele mehr als nur ihren Arbeitsplatz. Für Hebamme Tanja Roth war es ein Einschnitt, der ihr Leben nachhaltig verändert hat.
Sie kannte noch das alte Evangelische Krankenhaus: Dellfelds Ex-Ortsbürgermeisterin Doris Schindler hat ganz persönliche Erinnerungen an die geschlossene Klinik: Sektgläser aus der Geburtsstation.
Vor zehn Jahren hat das evangelische Krankenhaus für immer seine Türen geschlossen. Das hatte eine deutliche Auswirkung auf die Zweibrücker Geburtenstatistik.
Seit rund einem Jahr besucht Nora zudem die Jugendgruppe des Roten Kreuzes in Hornbach. Dort lerne man Dinge, die man im richtigen Leben gebrauchen könne, etwa das Anbringen von Pflastern oder Verbänden. Noras Bruder Mats besucht in der Jugendbücherei einen Lötkurs. Das würde sie auch sehr interessieren, sagt sie begeistert. Zuhause habe er mit seinem eigenen Lötkolben schon herumexperimentiert.
Die Erinnerung kommt am Geburtstag
Inzwischen hat Nora Dahlhauser zuhause ein Smartphone. Das benutzt sie in erster Linie für Lern-Apps in Englisch, Mathe, Musik und Schach oder zum Schreiben mit ihren Freunden. Social Media sei für sie noch kein Thema.
An ihren Geburtstagen wird sie immer mal wieder daran erinnert, dass sie das letzte Kind war, das im evangelischen Krankenhaus geboren wurde. Ansonsten ist das für sie nach eigenen Worten kein großes Thema.


