Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Altes Militärgelände: 130 Jahre alte Gebäude werden zu Büros

Außen wird die Reithalle wieder so aussehen wie früher.
Außen wird die Reithalle wieder so aussehen wie früher.

30 Jahre lang lag sie weitgehend brach, doch bald wird in der Weißen Kaserne in Zweibrücken gearbeitet. Ein Käufer wird sogar mehr Gebäude sanieren, als er zunächst vorhatte.

Sie ist Schmuckstück und Sorgenkind zugleich: die denkmalgeschützte Weiße Kaserne am Zweibrücker Bahneinschnitt. Sie ist die letzte große militärische Fläche in Zweibrücken, die bis in die 80er Jahre noch von den Amerikanern genutzt wurde, aber anders als Flugplatz und Kreuzberg seitdem weitgehend brach liegt. Vor fast 30 Jahren wollte der Pirmasenser Investor Bernd Hummel die Fläche zu einem eigenständigen, nachhaltigen Stadtviertel machen, in dem die Menschen gleichzeitig wohnen, arbeiten, ihre Freizeit verbringen und ausgehen können. Daraus wurde nichts. Ein Gebäude an der Oselbachstraße wurde saniert, eins daneben abgerissen, der Rest liegt im Dornröschenschlaf.

So sieht die Halle von innen aus.
So sieht die Halle von innen aus.

Doch vor einem Jahr kam Bewegung in die Sache: Der Zweibrücker Architekt Stefan Streuber möchte die 1892 gebaute und zunächst von französischen Soldaten genutzte Reithalle am östlichen Ende des Geländes – Richtung ehemaliges Evangelisches Krankenhaus – erneuern und umbauen. Weil der Platz in der Schillerstraße für zwölf Mitarbeiter „verdammt eng“ ist, wie er sagt, möchte er mit seinem Architekturbüro dorthin umziehen und weitere Büros schaffen.

Es gibt bereits Interessenten für weitere Gebäude

Der Bauausschuss war im Mai 2024 begeistert. Nicht nur wegen der Pläne an sich, sondern auch, weil die Stadt damit eine Hoffnung verband: dass die Pläne zur Initialzündung für die Weiße Kaserne werden. Dass es nicht bei der Reithalle bleibt, sondern sich weitere Interessenten melden. Dass nach und nach weitere Gebäude erneuert werden. Ein Jahr später hat sich gezeigt: Diese Hoffnung hat sich erfüllt. „Wir kaufen nicht nur die Reithalle“, verrät Stefan Streuber im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Nachdem die Weiße Kaserne durch die Pläne wieder stärker ins Bewusstsein der Zweibrücker gerückt sei, hätten sich weitere Interessenten gemeldet. Deshalb habe sich sein Büro „für die große Variante“ entschlossen: Streuber kauft auch die beiden kleineren Gebäude gegenüber der Reithalle, um sie nach und nach umzubauen und zu vermieten. 1250 Quadratmeter vermietbare Fläche sollen entstehen, für knapp die Hälfte habe er bereits Vorverträge mit Interessenten geschlossen. Inklusive dem Architekturbüro soll das Ensemble Platz für sechs bis sieben Büros oder Praxen bieten. Namen nennt Streuber keine, aber es gehe in die Richtung Büro und Gesundheit, verrät er.

Im Inneren der Reithalle wird ein neues Gebäude entstehen, das auf Stelzen steht.
Im Inneren der Reithalle wird ein neues Gebäude entstehen, das auf Stelzen steht.

Der Kaufvertrag mit Bernd Hummel sei fertig ausgehandelt. Wie viel er für das Gelände und die Gebäude bezahlt, verrät Stefan Streuber ebenfalls nicht, aber er spricht von einer Gesamtinvestition von fünf Millionen Euro – also samt Umbau. Bis Mitte Mai möchte er den Bauantrag für das erste Gebäude stellen und „im Juli loslegen“. Die Reithalle und das erste Nebengebäude sollen im Frühjahr 2026 fertig werden. Dieser Zeitplan sei nicht besonders ambitioniert: „Die Hülle steht ja.“ Die Gebäude zu entkernen sei bereits möglich, bevor die Baugenehmigung erteilt ist. Zudem lobt der Architekt die Zusammenarbeit mit der Stadt, den Stadtwerken und dem UBZ. Öffentliche Fördergelder bekommt er keine. Allerdings hat der Stadtrat die Weiße Kaserne Ende 2024 zum Sanierungsgebiet erklärt. Dadurch hat der Bauherr steuerliche Erleichterungen.

Einschusslöcher und alte Inschriften

„Die Reithalle steckt mir schon lange in der Nase“, erzählt Stefan Streuber, der die Projektleitung innehatte, als vor gut 15 Jahren die Kommandantur an der Oselbachstraße saniert wurde. Die Außenfassade der Halle wird bestehen bleiben. Das ist nicht nur eine Auflage der Denkmalbehörde, sondern „genau das, was wir auch wollen“, versichert der Architekt. Sogar „Relikte des Pferdestalls sollen sichtbar bleiben“, etwa die alten Ringe, an denen einst die Pferde mit ihrem Zaumzeug angebunden wurden. Streuber verweist auf Einschusslöcher aus dem Krieg an anderen Gebäuden der Kaserne. Und an einem Nebengebäude der Reithalle hat er alte Inschriften entdeckt: Soldaten, die vor 130 Jahren ihre Namen und kurze Texte in die Backsteine geritzt haben.

An einem Nebengebäude der Reithalle haben Soldaten vor 130 Jahren ihre Namen und kurze Texte in die Backsteine geritzt.
An einem Nebengebäude der Reithalle haben Soldaten vor 130 Jahren ihre Namen und kurze Texte in die Backsteine geritzt.

In der Reithalle wird das Architekturbüro seinen Platz finden. Dort entsteht ein neues Gebäude im Inneren, das auf Stelzen stehen wird. Denn die großen Fenster beginnen erst ab einer Höhe von 1,80 Meter. Eben weil die Reiter dort einst auf dem Rücken der Pferde saßen und in dieser Höhe herausschauen konnten. Auch diese Fenster bleiben unangetastet, werden lediglich aufgefrischt. Entfernt werden jedoch die Teile, die nicht historisch sind, sondern aus der Zeit der Amerikaner stammen. „Die hässlichen Tore“ etwa. Oder ein Zwischenbau links der Reithalle. Teilweise müssen hierfür auch Spezialfirmen ran, um dem früheren Zustand wieder möglichst nah zu kommen.

Sogar Wohnungen könnte er sich vorstellen

Stefan Streuber hofft, dass das Interesse an den Gebäuden weiter wächst, wenn die Arbeiten im Sommer losgehen. „Es gibt immer mal wieder jemanden, der sich meldet. Da ist einfach eine Resonanz entstanden“, hat er festgestellt. Zwar gehört ihm das restliche Gelände nicht, aber „wir sind der Familie Hummel behilflich bei Anfragen“. Selbst Wohnungen könnte er sich vorstellen. Allerdings sei das nicht einfach. Die großen Gebäude hätten eine Fläche von 4700 Quadratmetern – „das ist schon ’ne Nummer“.

Die Weiße Kaserne liegt zwischen Bahneinschnitt (links), Oselbachstraße (unten) und 22er Straße (rechts). Die Reithalle am obere
Die Weiße Kaserne liegt zwischen Bahneinschnitt (links), Oselbachstraße (unten) und 22er Straße (rechts). Die Reithalle am oberen Bildrand wird zusammen mit den beiden Nebengebäuden und den zwei Gebäuden davor umgebaut. Die Hallen mit dem schwarzen und dem weißen Dach sind reine Lagerhallen, die nicht zum historischen Ensemble gehören.

Um dort Wohnungen zu schaffen, müsse man viel Geld investieren, und das auf einmal, da man an den Gebäuden nicht arbeiten könne, wenn bereits Mieter eingezogen sind. Mit einer Sanierung sei es auch nicht getan. Man müsse auch das Innere umbauen, da es sich um frühere Mannschaftsräume handele, die 50 bis 60 Quadratmeter groß seien. So etwas werde „bestimmt nicht in den nächsten zwölf bis 24 Monaten“ geschehen, räumt Streuber ein. Für die Weiße Kaserne ist er dennoch zuversichtlich. Er sieht in dem Areal „ein großes Zukunftspotenzial“.

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