Zweibrücken
Können Investoren bald auf Gelände der Weißen Kaserne loslegen?
1999 hatte der Zweibrücker Stadtrat die Weiße Kaserne an der Oselbachstraße zum Sanierungsgebiet erklärt, um dem Investor Bernd Hummel für seine Um- und Ausbaupläne die Möglichkeit zur finanziellen Förderung durch das Land zu schaffen. In der Folgezeit flossen tatsächlich Fördergelder vom Land. Weil die Mainzer Landesregierung nach einigen Jahren bemängelte, dass dort außer dem Abriss eines einzigen Kasernengebäudes und der Sanierung der ehemaligen Kommandantur fast nichts geschehen sei, nahm der Stadtrat 2020 die Ausweisung als Sanierungsgebiet wieder zurück. Nun empfiehlt der städtische Bauausschuss dem Rat, die Weiße Kaserne erneut zum Sanierungsgebiet zu erklären.
Im Mai hatte der Zweibrücker Architekten Stefan Streuber dem Stadtrat sein Vorhaben erläutert, die frühere Reithalle am östlichen Ende des Kasernengeländes als Bürogebäude umzubauen. Er steht dazu im Austausch mit dem Eigentümer Bernd Hummel und der Stadt. Der historischen Fassade des Bauwerks will er ihr ursprüngliches Aussehen zurückgeben. Das Innere soll auf Stelzen aufgebaut werden, da die Fensterbrüstungen der einstigen Reithalle erst bei 1,80 Meter beginnen – weil die früheren Nutzer auf Pferden saßen. Bernd Hummels ursprünglichen Gedanken eines „ökologischen Viertels“ will Streuber wieder aufgreifen.
Empfehlung an den Stadtrat
Der Baugutachter Hubert Deubert, Betreiber eines Planungsbüros im vorderpfälzischen Quirnheim bei Grünstadt, legte am Dienstagabend vor dem Bauausschuss dar, wie wichtig ein Status des Gebiets der Weißen Kaserne als „vereinfachtes Sanierungsgebiet“ für Investoren sei. Denn diese könnten so die Entwicklung auf dem Areal wieder vorantreiben. Einstimmig empfiehlt der Bauausschuss dem Stadtrat, in seiner Sitzung am 11. Dezember die Weiße Kaserne zum vereinfachten Sanierungsgebiet zu erklären. Dies soll künftigen Eigentümern Steuervorteile verschaffen. Deuberts Büro berät Kommunen bei Fragen zur Stadtsanierung und zum Anzapfen der hierfür in Betracht kommenden Fördertöpfe.
Eine Voraussetzung für das Ausweisen eines vereinfachten Sanierungsgebiets ist das Vorliegen von städtebaulichen Missständen. Diese werden dem weitgehend brachliegenden Kasernengelände von Hubert Deubert allemal bescheinigt. Der Baugutachter rät zu „städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen“, um das Areal „im vereinfachten Verfahren wesentlich zu verbessern oder umzugestalten“. Deshalb möge der Stadtrat jetzt wieder ein Sanierungsgebiet „Weiße Kaserne“ ausweisen.
Auf Krankenhausgelände ausweiten?
Vor dem Ausschuss berichtete der Gutachter von aktuellen Plänen, zwei große Lagerhallen inmitten des Gebäudegevierts abreißen zu lassen, um sie durch neue Bauwerke zu ersetzen. Auf Nachfrage von Oberbürgermeister Marold Wosnitza deutete Deubert an, dass sich der Geltungsbereich als Sanierungsgebiet bei Bedarf auch auf das angrenzende ehemalige Evangelische Krankenhaus ausweiten lasse, sollte dies eines Tages erforderlich werden. Auf dem Kasernengelände eine Lücke im Radwegenetz nach Ixheim zu schließen, sei ebenfalls möglich: Hierfür, so Deubert, müsste die Stadt mit dem Grundeigentümer ein Wegerecht vereinbaren.
Stichwort: Weisse Kaserne
Die Weiße Kaserne, 1892 erbaut, ist die älteste militärische Anlage im Stadtgebiet. Mit 4,5 Hektar ist sie das Kernstück eines ehemaligen Militärareals in Zweibrücken, das außerdem das frühere Militärlazarett, das Bezirkskommando und die Rote Kaserne umfasste. Bis 1918 wurde die Weiße Kaserne vom 22. Bayerischen Infanterieregiment belegt. Bis 1994 folgten zahlreiche Nutzungswechsel: Belegt wurde die Weiße Kaserne nach dem Ersten Weltkrieg zunächst von französischen Besatzungstruppen, dann der Bayerischen Bereitschaftspolizei, von Einheiten der Wehrmacht und später der US Air Force. 1994 wurde die Weiße Kaserne an die Bundesregierung zurückgegeben und von der Stadt Zweibrücken erworben. Seit 1996 ist die Weiße Kaserne in Privatbesitz des Unternehmers Bernd Hummel. Ein Eckgebäude wurde abgerissen; die ehemalige Kommandantur wurde saniert und ist vermietet. Das Areal steht unter Denkmalschutz.