Speyer
Zukunft von Kaufhof: Was der Eigentümer der Immobilie sagt
Günther Drees gibt sich entspannt, was die Zukunft der Kaufhof-Filiale am Altpörtel angeht. Er habe einen gültigen Mietvertrag, der noch einige Jahre laufe, sagt der Immobilienunternehmer aus Oestrich-Winkel auf Anfrage der RHEINPFALZ. Noch wichtiger für den Vermögensverwalter aus dem Rheingau: „An diesem Mietvertrag hat noch niemand gerüttelt, die Miete wird auch gezahlt.“ Er gehe daher davon aus, „dass das Kaufhaus in Speyer bestehen bleibt“, sagt Drees: „Und das wäre mir persönlich auch am allerliebsten.“
Drees (90) ist schon lange im Geschäft. Dem Rheinhessen gehören nach eigenen Angaben ganz oder anteilig Einzelhandelsimmobilien unter anderem in Mainz und Köln. Das Kaufhaus-Gebäude in Speyer mit seinen rund 6500 Quadratmetern Fläche habe er vor etwa zehn Jahren „für viel Geld“ erworben, berichtet er. Natürlich wisse er, dass im Fall einer Insolvenz des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof das Mietverhältnis beendet würde, womöglich sogar rasch.
Drees: Für Zugeständnisse offen
Klar sei ebenfalls, dass die letzte Entscheidung über den Fortbestand der Speyerer Niederlassung nicht er treffe, sondern die Gläubigerversammlung am 27. März: „Das liegt nicht in meiner Hand.“ Doch um eine eventuelle Schließung der Filiale in Speyer sei es in den bisherigen Gesprächen mit Galeria-Vertretern gar nicht gegangen, sagt Drees. Er wertet dies als positives Zeichen dafür, dass der Standort in der Domstadt nicht zur Disposition steht: „Ich bin optimistisch, dass alles so weiterläuft wie bisher.“
Wobei – Veränderungen werde es vermutlich auch dann geben, sagt der Eigentümer des Gebäudekomplexes. So habe Galeria eine Aufstellung darüber vorgelegt, welche Investitionen in die Immobilie aus Konzernsicht notwendig wären. Details nennt Drees nicht, auch nicht die Höhe der möglichen Aufwendungen. Und er verrät auch nicht, ob der Essener Einzelhandelskonzern von ihm eine Mietminderung verlangt hat. Aber er sei zu Zugeständnissen bereit, lässt Drees wissen. Er würde sich auch an den Investitionen beteiligen, stellt er in Aussicht. Dieser Beitrag werde auch nicht klein ausfallen – sofern Galeria bereit sei, wieder einen langfristigen Mietvertrag, Drees spricht von zehn bis 20 Jahren, abzuschließen.
Drees: „Ich hatte etliche Anfragen“
Falls sich wider Erwarten dennoch die Pforten des Kaufhofs am Altpörtel schließen sollten, ist es Drees um die Zukunft seiner Immobilie nicht bang: „Ich hatte etliche Anfragen für das Objekt, auch von Modeunternehmen, auch aus der Region.“ Speyer sei ein toller Standort, es gebe daher viele, die sich für ihn interessierten. Er sei aus diesem Grund zuversichtlich, dass das Gebäude im Falle eines Falles nicht lange leerstehen würde. Drees gibt sich flexibel. „Ich lebe von Mieteinnahmen, im Grunde ist es egal, wer sie bezahlt“, sagt der Rheinhesse kaufmännisch nüchtern. Allerdings würde er bevorzugen, dass es mit den Kaufhof insgesamt, aber eben auch mit der Niederlassung in Speyer weitergehe.
Galeria hatte Ende Oktober zum zweiten Mal innerhalb von weniger als drei Jahren Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht, Anfang November hat das Amtsgericht Essen für den Handelsriesen das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Seit Monaten wird darüber spekuliert, welche und wie viele der noch bestehenden rund 130 Filialen endgültig geschlossen oder verkauft werden. Zunächst war die Rede davon, dass bis zu 40 Standorte wegfallen könnten, später war aus Konzernkreisen zu hören, es könnte sogar 60 bis 80 Niederlassungen treffen.
Galeria-Sortiment soll verändert werden
Die Galeria-Geschäftsführung um Miguel Müllenbach will eine entsprechende Liste sowie einen Sanierungsplan samt Vorschlägen zu einer strategischen Neuausrichtung des Konzerns den Gläubigern präsentieren. Wie die Zeitung „Wirtschaftswoche“ nun berichtete, sieht der Insolvenzplan unter anderem vor, dass die Gläubiger, darunter die Vermieter, auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten sollen. Künftig werde sich Galeria zudem verstärkt auf Mode konzentrieren und Sortimente wie Schreib- oder Spielwaren ausdünnen.
Für den Kaufhof-Standort Speyer hatten sich in den zurückliegenden Monaten die lokale Wirtschaft, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die Stadt sowie Vertreter der politischen Parteien stark gemacht, Unterschriften für den Erhalt des Kaufhauses gesammelt und eine Kundgebung vor dem Gebäude organisiert. Auch die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte das Gespräch mit der Galeria-Konzernspitze gesucht. Zwischenzeitlich hatte der Online-Versandhändler buero.de sein Interesse angemeldet und angekündigt, die Filialen in Speyer und in anderen Mittelzentren unter der Marke „Schön hier“ als Warenhaus weiterbetreiben zu wollen. Experten zweifelten indes an der Ernsthaftigkeit des Vorhabens.
Letzter Pfalz-Kaufhof
Speyer ist die letzte verbliebene Kaufhof-Niederlassung in der Pfalz. Die beiden Häuser in Ludwigshafen und Landau wurden zum Teil schon vor Jahren geschlossen, die Gebäude umgebaut oder abgerissen. Auch der Kaufhof im rheinhessischen Worms hat dichtgemacht. In Rheinland-Pfalz gibt es außerdem noch Filialen in Koblenz, Mainz und Bad Kreuznach sowie zwei weitere Standorte in Trier mit nach Gewerkschaftsangaben insgesamt rund 400 Beschäftigten, davon rund 60 in Speyer. In der Region bangen die Galeria-Standorte Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe (Karstadt) um ihre Existenz.
Für den Fall, dass die Speyerer Warenhaus-Immobilie veräußert werden soll, hat sich die Stadt ein Vorkaufsrecht gesichert. Auf die Möglichkeit des Weiterverkaufs angesprochen, sagt Eigentümer Drees, dass er darüber nicht nachdenke.
