Speyer
Drohende Kaufhof-Schließung: „Wäre Katastrophe“
Rüdiger Stein muss passen. Der Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Region Pfalz hat nach eigener Aussagen „noch keine näheren Informationen darüber, wie es mit einzelnen Kaufhof-Standorten weitergeht“. Auch nicht in Bezug auf das einzig verbliebene Pfälzer Warenhaus des Konzerns. Stein verweist an Niki Blum, den Betriebsratsvorsitzenden der Speyerer Filiale, die vor zwei Jahren noch etwa 60 Beschäftigte zählte. Doch Blum bittet, sich direkt an die Zentrale in Essen zu wenden – die sich mit Auskünften bezüglich der noch 131 Standorte sehr zurückhaltend zeigte.
Am Montag hatte der Essener Warenhauskonzern ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angekündigt. Bereits zuvor hatte Kaufhof-Eigentümer René Benko, ein österreichischer Immobilien-Magnat, davon gesprochen, wie bereits 2020 staatliche Hilfen in Anspruch nehmen zu wollen. Damals war das Kaufhaus-Konglomerat aus Karstadt und Kaufhof schon einmal umstrukturiert worden. Von 172 Standorten blieben nur 131 geöffnet. Geschlossen wurden damals auch die Häuser in Landau, Worms sowie eines der beiden in Mannheim.
Bödeker: Guter Ertrag
In Speyer sind nun die Sorgen groß. Peter Bödeker hat dennoch Hoffnung. Der Vorsitzende der 84 Mitgliedsunternehmen zählenden Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“ ist optimistisch, was die Zukunft der Kaufhof-Filiale am Altpörtel angeht. Denn es komme bei der Bewertung eines Standorts nicht in erster Linie auf ihre Größe an – da liegt das Haus in Speyer mit seinen 6500 Quadratmetern Verkaufsfläche eher auf den hinteren Rängen der Kaufhof-Filialen. Sondern vor allem darauf, wie rentabel er sei. „Die Filiale in Speyer war immer ertragreich“, sagt Bödeker und verweist auf die hohe Besucherfrequenz in der Maximilianstraße.
Sollte allerdings die Konzernzentrale zu dem Schluss kommen, die Niederlassung in der Domstadt zu schließen, „wäre das eine Katastrophe“, sagt der 57-Jährige. Denn für ihn ist der Kaufhof weit mehr als „der Ankermieter in der Innenstadt“. Der mögliche Weggang bedeute für Speyer auch als „Erlebnisort“ einen herben Verlust – und womöglich einen, der nicht wieder wettzumachen wäre. „Denn wer soll die Immobilie füllen?“, fragt Bödeker. Das Beispiel Postgalerie zeige deutlich, wie schwer so eine große Einzelhandelsfläche zu vermarkten sei. Der Speyerer Handel habe bereits durch die Pandemie und die Sanierung der Salierbrücke gelitten, im Fall einer Kaufhof-Schließung „sehe ich düster für die Innenstadt“.
Seiler: Nicht verwunderlich
Auch Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) beobachtet die Entwicklung genau. Sie sei bedauerlich, aber auch nicht verwunderlich, so ihre Einordnung: „Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist es äußerst kritisch, dass die großen Ketten, die einzelne Filialen nur noch als Abschreibungsobjekte behandeln, verstärkt in den Innenstädten vertreten sind. Wir beobachten vielfach, dass über Jahre kaum noch in die Standorte investiert und der Service sogar zurückgefahren wird, bevor dann die endgültige Schließung erfolgt.“ Sie setzt dies auch in Zusammenhang mit der „Kenny S.“-Filiale in der Maximilianstraße, die zum Jahresende schließen werde. Der stationäre Einzelhandel müsse sich auf seine Alleinstellungsmerkmale und Serviceleistungen besinnen, statt diese zu reduzieren, meint Seiler.
Die Speyerer Kaufhof-Filiale sei ein Frequenzbringer, deren Schließung nicht nur die Mitarbeiter hart träfe, „sondern auch unsere gesunde und attraktive Innenstadt mit ihrem ausgewogenen Handelsbesatz“. Sie wolle bei einem für Samstag angekündigten Besuch der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) mit der Kaufhof-Belegschaft ins Gespräch kommen, kündigt die Stadtchefin an.
Elfert: Vernetzung hilft
Vernetzung und Gemeinsamkeit sind auch genau die Ansätze, die der Stadtverband des DGB im Kampf um die Arbeitsplätze verfolgen will: Er wolle ein Netzwerk mit der Stadtspitze, dem Einzelhandel und dem Betriebsrat initiieren, so Vorsitzender Axel Elfert auf Anfrage. In Zeiten, in denen etwa die Flugzeugwerke auf der Kippe standen, habe Speyer mit einem solchen Vorgehen beste Erfahrungen gemacht. Auch aus Elferts Sicht wäre die Schließung eine Katastrophe für Speyer. Eine schnelle Nachfolgelösung für die komplette Großimmobilie wäre unrealistisch, glaubt er. Seines Wissens laufe der Mietvertrag 2024/25 aus. Aber der Ur-Speyerer ist nicht ohne Hoffnung für den hiesigen Kaufhof: „Die Kaufkraft ist hoch, Kunden kommen von weither.“
„Große Sorge“ äußern in einer Stellungnahme zu den Konzernplänen auch der Stadtverband sowie die Ratsfraktion der Speyerer SPD. Parteichef Walter Feiniler erinnert an die finanziellen Einschnitte, die die Mitarbeiter schon zuletzt hinnehmen mussten. Genau auf dieses Personal hätte der Konzern mehr hören können, schreibt er. „Das Management hat unseres Erachtens in den letzten Jahren Entscheidungen getroffen, die nicht nachvollziehbar waren. Jetzt alles auf die Pandemie und die Klimakrise zu schieben, ist einfach zu kurz gedacht.“ Ein Aus in Speyer würde nicht nur Kaufhof, sondern auch andere Einzelhandelsunternehmen hart treffen.