Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Bödeker: Speyer attraktiver Standort für ein Warenhaus

Ungewisse Zukunft: Kaufhof-Filiale in der Maximilianstraße.
Ungewisse Zukunft: Kaufhof-Filiale in der Maximilianstraße.

„Das Herz Speyers“ widerspricht Handelsexperten, prangert aber auch Missstände in der Innenstadt an

Mit Peter Bödeker hat sich „Das Herz Speyers“ erneut in die Diskussion um die Kaufhof-Filiale eingeschaltet. Speyer sei sehr wohl als Standort für ein Warenhaus attraktiv, sagt der Vorsitzende der Leistungsgemeinschaft: Eine bessere Lage wie jene des Kaufhofs mitten in der Stadt mit guter Anbindung „gibt es nicht“ – Probleme bestünden dennoch.

Bödeker widerspricht damit zum Teil den Aussagen des Handelsexperten Jörg Funder. Der Professor für Strategisches Management und Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms hatte sich gegenüber der RHEINPFALZ skeptisch gezeigt, dass das Warenhaus am Altpörtel dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben sei. Dafür sei Speyer einfach zu klein. Ein Warenhaus benötige einen Einzugsbereich von mindestens 100.000 Einwohnern, sagte Funder.

Potenzial von 150.000 Einwohnern

Bödeker will dies nicht in Abrede stellen, verweist aber darauf, dass Funder in seiner Analyse das Umland der Domstadt außer Acht lasse. Mit den umliegenden Kreisgemeinden sowie den Anrainern auf kurpfälzischer Seite um Hockenheim und Schwetzingen komme Speyer „auf einen Einzugsbereich von rund 150.000 Einwohnern, mit Haßloch sogar auf 170.000“, rechnet Bödeker vor. Damit aber lasse sich ein Kaufhaus sehr wohl wirtschaftlich darstellen. Zwar habe die lange Sperrung und Sanierung der Salierbrücke zu einem Verlust von rund 30 Prozent der Kunden geführt, eben jener von rechtsrheinischer Seite, so Bödeker. Doch habe man von diesen mittlerweile etwa die Hälfte wieder zurückgewinnen können. Das beweise die Anziehungskraft Speyers.

Funder hingegen hatte argumentiert, Speyer sei vom Stadtbild her zwar schön anzusehen, biete jedoch nicht die Aufenthaltsqualität etwa mit Stadtgrün, wie es heutzutage von den Kunden erwartet werde – eine Aussage, die der Mode-Unternehmer so nicht stehen lassen will. „Speyer hat mit seiner Achse zwischen Dom und Altpörtel eine einmalige Atmosphäre“, sagt Bödeker.

Gestaltung der Innenstadt verbesserungswürdig

Allerdings mangle es in der Tat an Begrünung. Hier solle die Stadt überlegen, ob sie nicht „versuchsweise“ mehr Kübel mit Pflanzen aufstelle, „das ergibt ein ganz anderes Bild“. Der Postplatz solle von Fahrrädern befreit und mit Beeten gestaltet werden, um den „wunderschönen Ort“ überhaupt erlebbar zu machen, schlägt Bödeker vor. Den Wochenmarkt könne er sich sehr gut auf der Maximilianstraße vorstellen, das würde weiteres Flair erzeugen.

Wichtig sei bei allem, dass die Stadt erreichbar bleibe für die Umlandbewohner. „Das heißt, die Parkplätze, vor allem die zentrumsnahen, müssen erhalten bleiben“, sagt Bödeker. Zusätzlich regt er an, den Hof von Polizei und Amtsgericht außerhalb der Dienstzeiten als Parkplatz zu öffnen: „Das Umland war für Speyer immer relevant, man darf es ihm nicht zu schwer machen, in die Stadt zu kommen.“ Mannheim schwächle derzeit wegen seiner Brücken, „diese Chance müssen wir nutzen“, appelliert Bödeker an die Verantwortlichen und wirbt erneut um eine Marketinggesellschaft unter Federführung der Stadt, welche die Interessen der wesentlichen Akteure bündeln soll.

In der Geschäftswelt besteht die Befürchtung, eine ersatzlose Schließung des Kaufhofs werde einen Verlust an Kunden nach sich ziehen. Der Essener Warenhaus-Konzern Galeria Kaufhof Karstadt hatte Ende Oktober Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und einen rigorosen Schrumpfkurs angekündigt. Auch die Niederlassung in Speyer könnte betroffen sein, offiziell ist dazu nichts bekannt. Zuletzt hatte sich der Online-Versandhändler buero.de um 47 Kaufhof-Filialen in Mittelzentren bemüht, darunter auch diejenige in Speyer. Die Häuser sollen demnach fortgeführt und die Arbeitsplätze erhalten werden.

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