Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Demo für Kaufhof-Erhalt setzt Zeichen der Solidarität

Stellt Treue und Hilfsbereitschaft der Beschäftigten in den Vordergrund: Alexandra Gödicke vom Betriebsrat der Mannheimer Kaufho
Stellt Treue und Hilfsbereitschaft der Beschäftigten in den Vordergrund: Alexandra Gödicke vom Betriebsrat der Mannheimer Kaufhof-Filiale. Vom Speyerer Standort nahm kein Betriebsrat an der Demo teil.

„Fünf vor zwölf“: Diese Formel beschreibt zugleich die Lage des Kaufhof-Standorts in der Maximilianstraße, das Motto einer Demonstration für dessen Erhalt und den Beginn des Protests am Mittwoch vor dem Kaufhaus. Ungefähr 80 Teilnehmer an der Demo, die Gewerkschafter Axel Elfert organisiert hatte, sendeten ein klares Signal an die Führung des kriselnden Konzerns.

„Egoismus und Profitgier dürfen nicht weiter Vorrang haben“, sagte Axel Elfert, der Vorsitzende des Stadtverbandes Speyer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Es sei die Pflicht der Bürger, gegen ein solches Gebaren von Wirtschaftsmagnaten entschieden Widerstand zu leisten. Elfert warf dem Österreicher René Benko, dessen von ihm gegründete Signa Holding 2014 Karstadt und 2018 Kaufhof übernommen hatte, einen „Raubtierkapitalismus“ vor. „Er steht damit in einer Reihe mit Wirecard und Elon Musk“, erklärte der Funktionär.

Der Hintergrund: Im Oktober wurde für das Handelsunternehmen Galeria Karstadt Kaufhof ein Insolvenzverfahren beantragt – zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren. Über die Zukunft von 131 Filialen mit rund 17.000 Beschäftigten soll nun Mitte Januar entschieden werden. Mal hieß es, es sollen wohl 40, dann bis zu 90 Standorte schließen. Angeblich wegen des Verwirrspiels hat sich jüngst der mögliche Investor buero.de zurückgezogen. Am Donnerstag haben Bundestagsabgeordneter Johannes Steiniger und Landtagsmitglied Michael Wagner (beide CDU) ein Gespräch mit der Führung von Galeria Karstadt Kaufhof.

Speyererinnen hoffen und bangen

Neben Politikern und Gewerkschaftsmitgliedern sind auch etliche Bürger „fünf vor zwölf“ auf die Maximilianstraße gegangen, um sich für die Rettung ihres Kaufhofs mit derzeit rund 60 Beschäftigten stark zu machen. Dazu zählen die Speyererinnen Dagmar Maschke und Waltraud Dattge.

„Nach der Schule habe ich im Kaufhof gearbeitet, das war von 1968 bis 1970“, sagte Maschke. Bis heute sei sie eine zufriedene Stammkundin des Warenhauses und hoffe sehr auf dessen Erhalt. „In Speyer passiert viel“, stellte Waltraud Dattge fest. Damit meinte sie das branchenübergreifende Engagement von Gewerbetreibenden für die Kaufhof-Rettung wie auch andere Themen in der Stadt. Dieser enge Zusammenhalt stimme sie zuversichtlich. Unter den Demo-Teilnehmern war auch Peter Bödeker, Inhaber mehrerer Schuhgeschäfte und Vorsitzender der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“.

Einigkeit über alle Parteien hinweg

Den Begriff Solidarität haben praktisch alle Redner der ungefähr halbstündigen Kundgebung gebraucht: Neben Axel Elfert waren am Mikrofon Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD), Michael Wagner (CDU), Steffen Gollinger (Betriebsratschef bei PFW) und Alexandra Gödicke, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Kaufhofs am Paradeplatz in Mannheim. Vom Betriebsrat der Speyerer Filiale ist laut Elfert „leider niemand“ zu der Protestaktion dazugekommen. Die Beschäftigten habe man ebenso wie die Filialleitung frühzeitig über die Demo informiert.

OB Seiler forderte: „Der Kaufhof muss erhalten bleiben!“ Dafür erhielt sie ebenso Applaus wie für die Losung: „Schluss mit der kapitalistischen Marktwirtschaft. Wir brauchen wieder eine soziale Marktwirtschaft.“ Sie appellierte an die Zuhörer, mehr vor Ort einzukaufen, statt im Online-Handel für Umsatz zu sorgen. „Das ist unsere Macht“, sagte sie. Die Entscheidung über die Zukunft der Speyerer Kaufhof-Filiale werde zwar an anderer Stelle getroffen. Doch Seiler will in den nächsten Tagen zusammen mit Arbeits- und Sozialminister Alexander Schweitzer (SPD) mit Gesprächen versuchen, darauf Einfluss nehmen.

„Heuschreckenkapitalismus“ verurteilt

Alexandra Gödicke betonte, dass manche Kaufhof-Beschäftigte 25 bis 30 Jahre ihrem Arbeitgeber treu seien. Angesichts des Personalabbaus und erschwerter Service-Bedingungen sei das bemerkenswert. „Es sind Menschen, die gerne anderen Menschen helfen“, sagte sie.

Christian Ratz, Vorsitzender des Stadtverbands Die Linke, verurteilte gegenüber der RHEINPFALZ den „Heuschreckenkapitalismus“. Er fragte: „Wo sind die Staatshilfen hin? Wie ergeht es den Beschäftigten?“ Ratz wünschte Wagner und Steiniger viel Glück beim Gespräch mit der Konzernspitze.

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