Waldsee / Neuhofen / Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Standort für Tiefengeothermie: Ortschefin sieht Vorteile für Waldsee schwinden

Um dieses Grundstück geht es: Hier könnte ein Bohrplatz für das Tiefengeothermie-Projekt „Rhein-Pfalz“ entstehen. Im Hintergrund
Um dieses Grundstück geht es: Hier könnte ein Bohrplatz für das Tiefengeothermie-Projekt »Rhein-Pfalz« entstehen. Im Hintergrund ist Neuhofen, vorne die Schlicht zu sehen.

Das Tiefengeothermie-Projekt „Rhein-Pfalz“ soll auf Neuhofener Gemarkung verwirklicht werden. Was bedeutet das für Waldsee und das dort angestrebte Bürgerbegehren?

Der Bohrplatz für das Tiefengeothermie-Projekt könnte auf Flächen der Ortsgemeinde Neuhofen westlich der Schlicht verwirklicht werden, wenn sich Neuhofens Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) und das kommunale Unternehmen Geopfalz einig werden. Der Neuhofener Ortsgemeinderat hatte Marohn jüngst ein Mandat für Verhandlungen erteilt. Bislang war ein Standort für vier Bohrungen auf Waldseer Gemarkung vorgesehen. Die Bohrziele in bis zu 3500 Meter Tiefe bleiben unverändert. Sie liegen östlich der Schlicht und des Wolfgangsees. Von einer in der Vergangenheit angedachten Fläche für einen Bohrplatz an Waldsees Schlichtstraße hat Geopfalz vergangenen August Abstand genommen. Grund: Es gab massiven Protest aus dem benachbarten Gewerbegebiet und von einer Bürgerinitiative sowie einen Verdacht auf Altlasten im Boden. Außerdem wollten dort nicht genug Eigentümer ihre Grundstücke für das Vorhaben, das der Wärmeversorgung in der Region dienen soll, zur Verfügung stellen.

Auch andernorts auf Waldseer Gemarkung, nach RHEINPFALZ-Informationen in der Nähe des Hochwegs und des dortigen Aussiedlerhofs, war Geopfalz bei Verhandlungen nicht erfolgreich. Ende Februar kam das kommunale Unternehmen, dessen Gesellschafter die Stadtwerke Speyer und die Stadt Schifferstadt sind, dann auf die Ortsgemeinde Neuhofen zu und fragte nach zirka 40.000 Quadratmeter Fläche, die der Ortsgemeinde gehören und jüngst der von ihr gegründeten „Regenerative Energie Neuhofen, Anstalt öffentlichen Rechts“ (REN AöR) übertragen wurden.

„Ich finde die Entwicklung einerseits bedauerlich, da das Vorhaben nicht mehr auf Waldseer Gemarkung umgesetzt werden soll. Andererseits drücke ich dem Vorhaben weiterhin die Daumen, da wir bei positiver Machbarkeitsstudie für ein Wärmenetz womöglich weiterhin die Chance auf eine Anschlussmöglichkeit für den alten Ortskern von Waldsee haben werden“, kommentiert Waldsees Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) die aktuellen Entwicklungen auf RHEINPFALZ-Anfrage.

Der alte Standort für den Bohrplatz an der Schlichtstraße in Waldsee (am unteren Bildrand): Er wurde verworfen. Später wurde ein
Der alte Standort für den Bohrplatz an der Schlichtstraße in Waldsee (am unteren Bildrand): Er wurde verworfen. Später wurde eine Fläche nahe dem Hochweg (im Hintergrund in der Nähe des Aussiedlerhofs) in Betracht gezogen, doch Geopfalz konnte sich auch dort keine Flächen sichern. Jetzt wird mit Neuhofen verhandelt.

„Vorteile sehe ich für Waldsee leider nicht mehr“

Die Ortschefin, die als Verfechterin des Wärmeprojekts gilt und die Chancen für die Wärmeversorgung sieht, sagt außerdem: „Die ,Nachteile’ der Tiefengeothermiebohrung, unabhängig davon, ob sie vermeintlich oder real sind, bleiben für Waldsee gleich. Vorteile wie Gewerbesteuereinnahmen, Beteiligungsmöglichkeiten am Unternehmen und Einflussmöglichkeiten auf die konkrete Ausgestaltung, gegebenenfalls auch über gesetzliche Auflagen hinaus, sehe ich für Waldsee damit leider nicht mehr.“ Das sei insgesamt absehbar gewesen und nach Kleins Ansicht nicht weitsichtig von allen Gegnern. „Darüber hinaus wird der neue Standort auf Neuhofener Gemarkung deutlich näher an der Wohnbebauung von Waldsee liegen, als dies bei alternativen Standortoptionen auf Waldseer Gemarkung der Fall gewesen wäre. Außerdem sind zwei Kommunen mit ähnlich geringem Abstand durch die Standortnähe betroffen und nicht nur eine.“

Die aktuellen Entwicklungen haben laut Klein keine Auswirkungen auf die Prüfungen für den von der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie (BIgT) angestoßenen Bürgerentscheid. Die BIgT will, dass Waldseer Bürgerinnen und Bürger über das Tiefengeothermie-Vorhaben abstimmen dürfen und möchte bewirken, dass die Gemeinde keine Grundstücke dafür zur Verfügung stellt. Klein zufolge ist für den 23. April eine Sondersitzung des Ortsgemeinderats vorgesehen, bei der die Vertrauenspersonen des Bürgerbegehrens ihr Anliegen vorstellen und für Rückfragen der Ratsmitglieder zur Verfügung stehen sollen. Bei dieser Sitzung stellt die Verbandsgemeindeverwaltung auch die rechtliche Bewertung und formelle Prüfung des Begehrens vor. Dafür wurde unter anderem eine Anwaltskanzlei hinzugezogen. Es obliege dann dem Ortsgemeinderat zu beschließen, ob es zu einem Bürgerentscheid kommt oder nicht.

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