Waldsee
Emotionale Ansprache: Bürgermeisterin berichtet von Anfeindungen
„Ich kann damit umgehen, wenn ich anonym zum Rudelbumsen am Baggersee eingeladen werde, ich kann mit kontroversen Diskussionen und hartem Ringen zu Standortfragen der Kulturhallentoiletten umgehen, ich kann mit unterschiedlichen Interessenslagen, politischen Ansichten und verschiedenen Wissensständen umgehen“, sagte sie. Womit sie aber als Person nicht umgehen könne, sei, wenn Menschen, die sie zum Teil ihr ganzes Leben kenne, denen sie nichts getan habe, sie ausgrenzen und ihr nicht mehr in die Augen schauen könne. Wenn Menschen ihr haltlos Unwahrheit und rechtswidriges verhalten vorwerfen, „wenn bei mir zu Hause, und in der ganzen Straße nur bei unserem Haus die Mülltonnen auf die Straße gekippt werden, während ich in einer Veranstaltung zur Wärmewende bin und meine Kinder den Müll von der Straße aufsammeln müssen“, sagte sie sichtlich bewegt. Sie sei persönlich betroffen, wenn ihr, die sie sogar Freikarten zu Vereinsveranstaltungen gewissenhaft bezahle, Korruption vorgeworfen werde. Getroffen habe sie auch, dass über Social Media Unwahrheiten verbreitet werden und ihr unterschwellig gedroht werde mit Sätzen wie „Wir werden schon noch ein Bild von dieser öffentlichkeitsscheuen Bürgermeisterin zeichnen“. „Anderen macht das vielleicht nichts aus, mir macht das Angst“, gab Klein zu. Selbst beim Frisör werde schon in Frage gestellt, ob sie überhaupt ein Wohnrecht in Waldsee haben solle.
Familie nicht unbeeinträchtigt geblieben
„Jeder hier im Saal hat schon mittelbar aber auch unmittelbar von meiner Arbeit und meinem Engagement profitiert – ohne selbst etwas dafür tun zu müssen. Ich finde, das hat zumindest etwas Respekt und Wertschätzung verdient. Jeder der möchte, kann sich gerne selbst bei den nächsten Kommunalwahlen aufstellen lassen“, sagte Klein. Sie fühle sich an dieser Stelle auch verantwortlich für die Ratsmitglieder und den Beigeordneten Steffen Sternberger-Hahn sowie ihre Familie, die auch nicht unbeeinträchtigt durch diese Zeit gegangen sind.
Jeder Mensch habe einen respektvollen und wertschätzenden Umgang verdient, unabhängig wie sehr man inhaltlich bei einem Thema auseinanderliegen kann. Darum bemühe sie sich jeden Tag aufs Neue. Klein bat alle, die das genauso sehen, unabhängig von ihrer inhaltlichen Meinung, um Sozialcourage, wenn an Stammtischen, bei Geburtstagsfeiern, in der Bar an Fasnacht oder beim Bierfest das Thema Tiefengeothermie wieder heiß diskutiert. „Es macht einen Unterschied, ob man das Geschwätz weiter verbreitet oder nicht. Wir sind in Waldsee, ihr kennt uns alle. Alles andere ist nicht fair“, appellierte sie.
„Es wäre für mich leichter gewesen, das alles nicht zu sagen“, sagte Klein. Aber es sei ihr ein Anliegen gewesen. Der Zwischenapplaus und Bravo-Rufe aus dem Publikum und der große Zuspruch nach der Rede haben sie darin bestätigt.