Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Trockenheit: Streuobst im grünen Bereich

Obstbaumexperte Helmut Schießl beim Ernten der saftigen Früchte des Freinsheimer Taffetapfels.
Obstbaumexperte Helmut Schießl beim Ernten der saftigen Früchte des Freinsheimer Taffetapfels.

Rosskastanien mit verwelkten Blättern, absterbende Birken: Der extreme Sommer macht sich auch bei einigen Baumarten bemerkbar. Auch bei den Streuobstbäumen im Rhein-Pfalz-Kreis?

„An ein, zwei Exemplaren sind die Blätter etwas bräunlich, ansonsten ist alles im grünen Bereich“, bilanziert Helmut Schießl für die „Pälzer Wiss“ bei Schifferstadt. 53 Obstbäume aus der Pfalz und der Kurpfalz, darunter die südpfälzische „Kandeler Zuckerzwetschge“, die Westpfälzer „Frankelbacher Mostbirne“ und der „Wiesenbacher Gänsgartenapfel“ aus Wiesenbach bei Heidelberg wurden vor zwölf Jahren auf der kreiseigenen Wiese gepflanzt. Mit dem Untergrund scheint es keine Probleme zu geben: „Beim Setzen der Bäume war Wasser in den Pflanzgruben zu sehen“, erinnert sich Schießl, der zertifizierter Obstbaumwart des Landes Rheinland-Pfalz ist. Zudem sei hier ein guter Boden, meint der Schifferstadter, der sich von Anbeginn um die Bäume kümmerte.

Dass es dieses Jahr zwei Drittel Äpfel weniger geben würde, sei nicht auf die Trockenheit, sondern auf die üppige Ernte letztes Jahr zurückzuführen, sagt Schießl, während er Früchte des „Freinsheimer Taffetapfels“, der Trockenheit verträgt, zur Versaftung einsammelt. „Von den 20 Apfel- und Birnbäumen an der Kläranlage Schifferstadt sind zwei eingegangen“, berichtet Schießl. Allerdings seien die Bäume erst im Winter 2021/22 gepflanzt worden, hätten noch nicht so tiefe Wurzeln ausbilden können. Im Sommer hat Schießl die Bäume 13 Mal gegossen.

Auf Wildsträucher setzen

„Wir haben gewässert ohne Ende“, schildert Werner Stubenrauch von der BUND-Gruppe des Rhein-Pfalz-Kreises die Bemühungen um die vor 25 Jahren angelegte Streuobstwiese am nordöstlichen Ortsrand von Mutterstadt. Obwohl seit drei Jahren ein Standrohr des Beregnungsverbandes Vorderpfalz zum Bewässern zur Verfügung stünde, habe ein Teil der Obstbäume diesen Sommer nicht überlebt. „Keine Neupflanzung von Bäumen mehr“, erklärt der Naturschützer für diese Wiese mit ihrem schlechtem, steinharten Boden. Stattdessen setzt Stubenrauch hier verstärkt auf heimische, ökologisch wertvolle Wildsträucher wie Wildrosen, Weißdorn oder Kornelkirsche. Denn auch damit bliebe der Lebensraum Wiese für Erdbienen, Rebhühner, Wachteln, Hasen und Heuschrecken erhalten, betont er.

Besser sieht es nach seinen Worten für die 20 Streuobst-Grundstücke aus, die die BUND-Kreisgruppe von Lambsheim bis Lingenfeld betreut. Zwar würde der ein oder andere Baum etwas schütter aussehen, jedoch gäbe es keine großen Veränderungen, sagt Stubenrauch.

Eng wird’s für Pflaumen

Birke, Thuja und Vogelbeere gehören in der Vorderpfalz seit einigen Jahren zu den Klimawandelverlierern, für die es im Sommer an vielen Stellen zu heiß und zu trocken wird. Zumal davon auszugehen ist, dass es künftig im Mittel immer wärmer wird, Sommer wie die von 2003 und 2022 werden in zwei, drei Jahrzehnten nach Ansicht des Deutschen Wetterdienstes zur Regel werden. Besser mit der Trockenheit zurecht kommen im Streuobstbereich Birne, Kirsche, Mandel, Elsbeere, Speierling und trockenheitsresistente Apfelsorten. Eng werden könnte es hier für Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen und aus kühleren Gegenden stammende Apfelsorten wie „Gravensteiner“ oder „Freiherr von Berlepsch“. Günstig für sie ist die Nähe von Gewässern.

Die Bäume der „Pälzer Wiss“ stehen gut da.
Die Bäume der »Pälzer Wiss« stehen gut da.
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