Schifferstadt
Pedal4Trees: 15 Obstbäume auf Streuobstwiese gepflanzt
Konstantin Weise, Maximilian Stanischewski, Dirk Zieger und Jan Licht waren von Schifferstadt nach Wien geradelt. Wer wollte, konnte pro Kilometer etwas spenden. Immerhin 1155 Kilometer misst die Strecke Schifferstadt-Wien. Eine sportliche Aktion für einen guten Zweck. Der sich nun erfüllt: Weise, angehender Forstwissenschaftler, und seine Freunde haben mit der Stadtverwaltung Bäume und Standorte ausgesucht. Und weil nach der Tour noch weitere Spenden eingegangen sind, werden nun auch mehr Bäume gesetzt werden: 30 Stadtbäume sind geplant, einige auf dem Dörfel wurden schon gesetzt, jetzt ging es auf die städtische Streuobstwiese hinter der Kläranlage.
Mit vor Ort ist Obstexperte Helmut Schießl. Er ist ausgebildeter Baumwart und betreut auch schon für den Landkreis eine Streuobstwiese. Ihm liegen besonders die alten heimischen Obstsorten am Herzen. Entsprechend hat er auch die Bäume für diese Aktion ausgewählt: Da sind so klangvolle Namen dabei wie die „Gute Luise von Avrances“, eine Birnensorte, oder die „Kirchensalter Mostbirne“. Unter den Äpfeln finden sich der „Börtlinger Weinapfel“ und der „Gewürzluikenapfel“ oder „Minister von Hammerstein“ und Schießls Lieblingsapfel, „Goldrenette Freiherr von Berlepsch“. Die Auswahl trägt dazu bei, die alten Sorten zu erhalten. In einem Gespräch kürzlich zum Tag des deutschen Apfels erklärte Schießl, dass viele alte Sorten nicht nur besser schmecken, sondern auch besser verträglich seien als die „modernen“ Äpfel, die auf Ertragsmengen und Lagerfähigkeit optimiert werden.
In zehn Jahren gibt’s die ersten Früchte
Etwas mehr als einen halben Meter tiefe Löcher müssen die Radler und die Helfer der Lokalen Agenda 21 graben. Die fünf bis sechs Jahre alten Setzlinge hat Schießl vorbereitet. Stämme und Kronen hat er so beschnitten, dass daraus ein starker Baum mit tragfähigen Ästen wird. Zur Pflege der Bäume gehört es, sie regelmäßig nachzuschneiden. „Der Ast hier würde so wachsen, dass er später unter der Last der Äpfel abreißen könnte“, sagt er und zeigt auf einen Ast, der waagrecht aus dem Stamm wächst. Stabiler seien Äste, die in kleinerem Winkel nach oben wachsen, erklärt er. Darauf zu achten sei auch, dass die Äste gleichmäßig in alle Richtung verteilt wachsen, sodass der Stamm nicht einseitig belastet werde. Zehn Jahre werde es dauern, bis die Bäume Früchte tragen.
Die Streuobstwiese hat für die Stadt einen Nutzen: Sie ist Ausgleichsfläche für das Neubaugebiet Großer Garten. Die Stadt kann damit ihre Ökobilanz ausgleichen, sagt die Beigeordnete Ulla Behrendt-Roden (Grüne). Sie bezieht sich auf die gesetzliche Vorgabe, nach der Flächen, die überbaut werden und damit der Natur verloren gehen, anderswo durch ökologisch wertvolle Flächen ausgeglichen werden. Mit der Streuobstwiese soll eine vorige Brachfläche ökologisch aufgewertet werden. Dazu wird auch eine besonders insektenfreundliche Aussaat von Blumen und Gräsern kommen. Derzeit sei die ehemalige Brache biologisch noch wenig divers, sagt Siegfried Filus, der Umweltbeauftragte der Stadt und Leiter der Agendagruppe, die hier mitarbeitet. Er will mit Hilfe eines Landwirts, der in der Agenda mitarbeitet, den vermoosten Boden pflügen und zwischen den Baumreihen dann aussäen.
Bürger können beim Bewässern helfen
„Wir freuen uns sehr über die Aktion“, sagt die Beigeordnete. Durch Patenschaften und Spenden von Bürgern werden jedes Jahr gut ein Dutzend zusätzliche Bäume gepflanzt. Je nach Baumsorte können die Spender 75 bis 150 Euro ausgeben, sie werden dann mit einer kleinen Tafel „verewigt“. Wichtig sei aber nach dem Pflanzen die weitere Pflege, insbesondere Bewässerung. Und hier könne die Stadt noch Hilfe brauchen. „Unsere Stadtgärtnerei ist im Sommer jeden Tag unterwegs, kommt aber nicht hinterher damit, alle Bäume zu bewässern“, sagt Behrendt-Roden. Hier wäre es sehr hilfreich, wenn Bürger zum Beispiel in der Stadt die Bäume vor ihren Anwesen mitwässern.
Wer sich für Baumpatenschaften interessiert oder bei der Pflege des Stadtgrüns helfen möchte, kann sich dazu im Rathaus erkundigen oder beim Umweltbeauftragten Auskunft bekommen.
Kontakt
Rathaus: 06235/44-0, Siegfried Filus: 06235/5130, umweltbeauftragte@schifferstadt.de