Hessheim RHEINPFALZ Plus Artikel Süd-Müll: Großbrand hält Feuerwehr mehr als 16 Stunden in Atem

Mit einer Drehleiter versucht die Feuerwehr, den Brand in der Halle von oben zu löschen.
Mit einer Drehleiter versucht die Feuerwehr, den Brand in der Halle von oben zu löschen.

Schon wieder hat es auf der Heßheimer Deponie der Firma Süd-Müll gebrannt. Die Halle, in der Sperrmüll und Wertstoffe aus dem Gelben Sack sortiert und gelagert werden, stand schon voll in Flammen, als am Donnerstag um 4.21 Uhr die Feuerwehr alarmiert wurde. Die Ursache ist unklar, verletzt wurde niemand. Bürger sind fassungslos.

Am Abend zuvor noch hat der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Lambsheim-Heßheim im Finanzausschuss der Verbandsgemeinde (VG) von Einsätzen auf der Heßheimer Deponie berichtet und sich auf den baldigen Kauf einer gebrauchten Drehleiter gefreut. Acht Stunden später muss Thiemo Seibert erneut einen Großeinsatz an der Willersinnstraße zwischen Heßheim und Gerolsheim leiten. Die 3000 Quadratmeter große Halle, in der Sperrmüll und Kunststoffabfall sortiert, geschreddert und für die weitere Verwertung verpackt wird, brennt und ist teilweise eingestürzt.

lagerhallenbrand (1)
lagerhallenbrand (2)
lagerhallenbrand (3)
lagerhallenbrand (4)

Foto 1 von 4

Mehr zum Thema

Lichterloh brannte am Donnerstagmorgen die Wertstoffhalle bei Süd-Müll.
Meinung

RHEINPFALZ Plus Artikel
Es reicht!

Die jetzt folgende Aufgabe kann die rund 140 Aktive umfassende VG-Wehr allein nicht erfüllen. Der Gefahrstoffzug des Rhein-Pfalz-Kreises rückt aus, und etliche Wehren aus der Region leisten Unterstützung. Insgesamt sind bald 85 Kräfte vor Ort, die später zum Teil von anderen Kameraden abgelöst werden. Schwerer Atemschutz sei nicht nötig, sagt Kreisfeuerwehrsprecher Thomas Bader, nur Masken mit Filter – „und viel, viel Wasser“.

Ein Autofahrer schlägt Alarm

Das Feuer ist aus noch ungeklärten Gründen und vermutlich schon lange vor der Alarmierung in der mit rund 200 Tonnen nicht gefährlichem Abfall gefüllten Halle ausgebrochen. Ein Autofahrer hat laut Polizei am frühen Morgen die Flammen gesehen und Alarm geschlagen. Eine Brandmeldeanlage gibt es dort nicht und muss es auch nicht geben, wie Süd-Müll-Geschäftsführer Dominic Eberhard und Wehrleiter Seibert am Nachmittag in einer Pressekonferenz bestätigen werden. Der Grund: Sie würde bei dieser Art von Betrieb viel zu oft Fehlalarm produzieren. Tagsüber passen Mitarbeiter auf, nachts aber niemand. Das sei auch in anderen Abfallbetrieben so üblich.

Und so ist die Stahlkonstruktion nicht mehr zu retten, als die Feuerwehr eintrifft. An der Hälfte des Gebäudes haben sich die Wände verbogen und verformt. Der Schaden ist noch nicht zu ermessen. Die Polizei wird an diesem Tag den Brandort nicht mehr untersuchen können. Am Nachmittag wird das Technische Hilfswerk (THW) kommen, um Gebäudeteile zu öffnen, damit die Feuerwehr alle Brandstellen erreichen kann.

Schadstoffmessung negativ

Was gegen 5 Uhr mindestens genauso wichtig ist wie die Löscharbeiten, ist die Frage, ob Gefahrstoffe ausgetreten sind und Umwelt und Menschen gefährden. Im weiten Umkreis um die Deponie stinkt es nach Rauch und verbranntem Plastik, je nach Windrichtung. Nach einer frühzeitigen Warnung über die Apps Katwarn und Nina – Anwohner im nördlichen Rhein-Pfalz-Kreis sollen Fenster und Türen geschlossen halten – können die Wehrleute in den durch die Dörfer fahrenden Messfahrzeugen recht bald erkennen, dass keine Schadstoffe durch die Luft ziehen. „Nirgends erhöhte Messwerte, alles unauffällig und negativ“, berichtet Thomas Bader.

Trotzdem sind die Anwohner beunruhigt. Sie haben schon zu viele Brände und Störfälle auf dem Gelände der Firmengruppe Willersinn erlebt, zu der die Süd-Müll GmbH & Co. KG gehört. Vor zwei Jahren sind auf dem Deponiegelände bei einem Unfall im Sonderabfall-Zwischenlager zwei Firmenangehörige gestorben. Dieses Gefahrstofflager liegt laut Dominic Eberhard etwa 150 Meter vom Wertstofflager entfernt. Ein hoher Erdwall trenne die beiden Bereiche voneinander.

Weil die Menschen bei der Kreisverwaltung und im Gesundheitsamt anrufen, richtet die Verbandsgemeinde ein Bürgertelefon ein, berichtet später Bürgermeister Michael Reith (SPD) und spricht von 25 beantworteten Anrufen. Aus der Heßheimer und der Beindersheimer Grundschule werden Kinder vorzeitig von den Eltern abgeholt.

Heßheimerinnen protestieren

Maureen Herboth schreibt dazu am Abend an die RHEINPFALZ: „Ab 4 Uhr kein Schlaf mehr. Sirenen, Blaulicht, Angstgefühle.“ Und die Frage, wie die Kinder zur Schule kommen beziehungsweise nach Aufforderung durch die Schule wieder abgeholt werden. „Wiederholter Verdienstausfall wegen der Katastrophen dieser Mülldeponie“, klagt die berufstätige Heßheimerin.

Aus dem Urlaub im Allgäu meldet sich Herboths Mutter, Ulrike Bonifer. Die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft gegen Mülldeponie (SGM) wirkt verzweifelt: „Am 30. April hat es doch schon einmal in der Halle gebrannt! Wie kann man dieser Firma ein Sondermülllager anvertrauen, wenn sie noch nicht mal in diesem Wertstoffbereich für Sicherheit sorgen kann?“ Nach wie vor halten Bonifer und ihre Mitstreiter das Land und seine Behörden für unfähig, den Betrieb auf der Deponie zu kontrollieren.

Ihren Einsatz können Feuerwehr und THW erst am späten Abend abschließen. „Es war doch mehr Material in der Halle zu bewegen, als wir dachten“, berichtet Kreisfeuerwehrsprecher Bader, bevor für ihn und viele andere Helfer ein sehr langer Arbeitstag zu Ende geht.

x