Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Realschule plus: Mit Förderung und Ganztagsbetrieb in die Zukunft

Nachmittags zusätzlichen Unterricht erhalten: Das geht an Ganztagsschulen wie der Bobenheim-Roxheimer Realschule plus.
Nachmittags zusätzlichen Unterricht erhalten: Das geht an Ganztagsschulen wie der Bobenheim-Roxheimer Realschule plus.

An der Realschule plus in Bobenheim-Roxheim sind kurzfristig die beiden Infotage für künftige Fünftklässler und ihre Eltern abgesagt worden. Konrektorin Silke Günther erklärt, was das bedeutet, welches Profil die Schule hat und haben möchte.

Was die Schulleitung bis Wochenmitte noch unter dem Begriff „Tag der offenen Tür“ angeboten hatte, war wegen der Pandemie ohnehin ein abgespecktes Informationsprogramm. Einen Vortrag hören, eine Führung in der Kleingruppe und kurz mal in den Unterricht reinschnuppern, das wär’s am kommenden Montag und Donnerstag gewesen. Und zwar nicht mit der ganzen Familie, sondern nur das Kind und ein Elternteil.

Die Zeiten, in denen sich die Schule in der Grünstadter Straße mit zahlreichen Aktionen und Vorführungen von Schülern und Lehrern einem großen Publikum von ihrer besten Seite zeigte, scheinen lange her. Seit dem Frühjahr 2020 kreist fast alles um die Frage: Welche Veranstaltungen sind vom Infektionsschutz her okay, welche nicht?

Angesichts der hohen Corona-Inzidenzen ist das Kollegium der Meinung: Unser Konzept für die Infotage ist zu gefährlich, und das Programm noch weiter herunterzuschrauben, ergibt gar keinen Sinn. So berichtet es Silke Günther, die als Erste Konrektorin seit gut einem Jahr die Bobenheim-Roxheimer Realschule stellvertretend leitet. Denn die Nachfolge von Rektorin Sabine Reich hat das Land noch immer nicht geregelt.

Eltern können Telefontermine vereinbaren

„Für den Tag der offenen Tür liegen uns relativ viele Anmeldungen vor“, sagt Günther. „Wir werden jetzt allen telefonisch absagen.“ Ein Ersatzprogramm könne es nicht geben, den Eltern bleibe nur die Möglichkeit, sich auf der Internetseite der Schule zu informieren. Dort will Günther ihren vorbereiteten Vortrag veröffentlichen, und dort gibt es ein Imagevideo. Wer konkrete Fragen hat, kann sich laut Günther im Sekretariat melden und einen Telefontermin vereinbaren.

Die Einrichtung in Trägerschaft des Rhein-Pfalz-Kreises hat ein kooperatives Konzept. Ab Klassenstufe sieben werden Klassen je nach angestrebtem Abschluss gebildet: Berufsreife oder qualifizierter Sekundarabschluss I. Es ist aber, je nach Leistungsentwicklung und Lernverhalten des Schülers, ein Wechsel zwischen den Bildungsgängen möglich. Im Gegensatz dazu steht die integrative Realschule mit sozusagen gemischten Klassen und einer Differenzierung in Grund- und Erweiterungskurse nach der Orientierungsstufe.

Die Bobenheim-Roxheimer Realschule plus ist außerdem eine Ganztagsschule, in der zur Nachmittagsbetreuung der Unterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch gehört. „Der Anteil an Ganztagsschülern ist bei uns hoch“, sagt die Konrektorin. Das sei in der Pandemie, in der wegen Schulschließungen und Wechselunterricht vielfach Bildungslücken entstanden seien, sehr hilfreich gewesen. Diese Lücken könnten im Ganztagsbetrieb besser geschlossen werden.

Förderprogramm für Schüler mit Leseschwäche

Überhaupt liegt das Augenmerk der Lehrerinnen und Lehrer auf den Möglichkeiten, den derzeit 370 Kindern und Jugendlichen in 17 Klassen zusätzliche und individuelle Förderangebote zu machen, zum Beispiel wenn sie eine Lese-Rechtschreib-Schwäche haben. Die gelte es erst einmal zu entdecken und dann mit einem Übungsprogramm gezielt anzugehen.

Zum Schulprofil gehört außerdem der Schwerpunkt Berufsorientierung. Im Bildungszweig Berufsreife (früher Hauptschulabschluss) lautet das Ziel, in Wahlpflichtfächern wie Hauswirtschaft oder Technik/Naturwissenschaften praxisnah zu unterrichten und möglichst viele Jugendliche in den Arbeitsmarkt zu vermitteln. Beim Realschulzweig (Sekundarabschluss I) liegt die Quote für die Vermittlung in Ausbildung oder weiterführende Schulen im Schnitt bei fast 100 Prozent. So steht es auf der Internetseite der Schule.

Silke Günther erwartet gleichbleibende oder steigende Anmeldezahlen. Möglicherweise wird es sich bemerkbar machen, dass die Frankenthaler Friedrich-Schiller-Realschule plus im nächsten Schuljahr keine oder kaum noch Kinder aus dem Umland aufnehmen kann.

Die Zukunft der Bobenheim-Roxheimer Schule, die – noch nicht offiziell, faktisch aber schon – eine Schwerpunktschule für Schüler mit Förderbedarf ist, wird eng mit dem seit 2018 verfolgten Bauprojekt verknüpft sein. Vorgesehen ist, das aus den 60er-Jahren stammende Schulhaus abzureißen und ein neues auf dem jetzigen Pausenhof zu bauen. Dieser wird dann auf den Platz verlegt, auf dem bis vor Kurzem noch die alte Sporthalle stand. Der Altbau an der Straße, die Mensa und die Pausenhalle bleiben erhalten.

Doch die Prognose, wann es losgehen kann, musste vom Landkreis mehrfach korrigiert werden. Zuletzt hieß es im Mai, es könnte Anfang 2022 etwas werden. Auf Anfrage sagte Kreisbeigeordneter Manfred Gräf (CDU), der Kreis warte immer noch auf grünes Licht von den zuständigen Landesbehörden. Man benötige die Bestätigung, dass mit dem Bau begonnen werden darf. „Uns wurde in Aussicht gestellt, dass die Frage ab Januar geklärt wird“, so Gräf.

Pandemie macht Jugendliche aggressiver

Wer jetzt denkt, bis dahin bestehe in den alten Klassensälen sicher ein erhöhtes Infektionsrisiko, liegt falsch. „Alle Klassenzimmer haben Luftreinigungsgeräte“, sagt Silke Günther, und das sei keine Selbstverständlichkeit. Aber ja, dass der Neubau und mit ihm bessere technische Voraussetzungen für den digitalen Wandel noch nicht geschaffen seien, sei natürlich nicht so schön. „Da ist Geduld gefragt.“

Zunächst heißt es aber mal, dem entgegenzusteuern, was die Pandemie seelisch und emotional mit den Teenagern gemacht hat. „Wir erleben ein erhöhtes Konfliktpotenzial in der Schülerschaft und mehr Aggressivität“, berichtet die Konrektorin. „Die Nerven sind angespannt, Konflikte werden härter ausgetragen als früher.“ Die Schule beschäftigt in Vollzeit eine Schulsozialarbeiterin, aber die sei momentan nicht im Dienst.

Dennoch blickt Silke Günther zuversichtlich ins zweite Schulhalbjahr. Dann könnte eventuell endlich die Rektorenstelle besetzt werden und schulintern das Thema Ökologie Fahrt aufnehmen. Das soll nämlich ein weiterer Schwerpunkt werden. Einen Schulgarten, der einige Arbeitsgemeinschaften beschäftigt, gibt es ja schon, ebenso eine Imkerei-AG.

Kontakt

Realschule plus Bobenheim-Roxheim, Grünstadter Straße 6, Telefon 06239 92670, E-Mail sekretariat@realschuleplus-bobrox.de.

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