Bobenheim-Roxheim
Kreis peilt Beginn des Realschulneubaus im Februar an
Schüler und Lehrer dürften sich gewundert haben, als sich kürzlich ein stählernes Ungetüm auf dem Schulgelände breit machte. Nein, tief machte, müsste es eigentlich heißen, denn der Koloss war ein Riesenbohrer, der in bis zu 140 Meter Tiefe die Möglichkeiten für Geothermie ausloten sollte. Denn Erdwärme kommt für die Kreisverwaltung in Betracht, um den Neubau in der Grünstadter Straße energieautark zu betreiben.
Die Probebohrung war sozusagen eine Anfrage an den Boden, erklärt Siegfried Kühn, der in der Abteilung Kreiseigenes Bauen das Bobenheim-Roxheimer Bauprojekt betreut. „Wie groß ist die Wärmemenge, die man dem Boden entnehmen und an ihn abgeben kann? Wie viele und wie tiefe Bohrungen braucht man dafür?“ Die Antwort des Bodens hat ein Geologe ausgewertet, und nun kann die Dimensionierung einer etwaigen Anlage beginnen.
Die Geothermie ist derzeit eine von drei modernen Möglichkeiten, die der Kreis fürs Heizen und Kühlen des neuen Schulgebäudes in Erwägung zieht. Die anderen sind laut Kühn eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und eine Eisspeicherheizung. Alle drei Techniken werden hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit geprüft. „Es sieht so aus, als würde die Geothermie das Rennen machen“, sagt Kühn. So oder so: Man wolle zu 100 Prozent regenerative Energien nutzen, ergänzt Beigeordneter Manfred Gräf. „Gas wird dann nur noch im Bestandsgebäude gebraucht.“
Förderbescheid muss abgewartet werden
Nachdem der Start schon einmal für diesen Sommer angestrebt war, rechnet Siegfried Kühn momentan mit dem Beginn des ersten Bauabschnitts im kommenden Februar. „Der Bauantrag ist fast fertig“, sagt er. „Wir müssen aber in jedem Fall die Bewilligung unseres Förderantrags beim Land abwarten.“ Erst dann könnten die Ausschreibungen erfolgen.
Im 13 bis 14 Monate dauernden ersten Abschnitt wird im Pausenhof eine Hälfte des dreistöckigen, zum Teil unterkellerten Gebäudes gebaut. In diese Klassenräume ziehen die Schüler um, bevor das aus den 60er-Jahren stammende Schulhaus abgerissen und die andere Hälfte mit Fach-, Multifunktions- und Verwaltungsräumen gebaut wird. Die alte Einfeld-Sporthalle wird ebenfalls abgerissen und macht Platz für neues Pausengelände. „Unser Ziel ist es, während der Bauarbeiten ohne Container auszukommen“, sagt Gräf. Während der gesamten Bauphase soll es keine Abstriche an der Qualität des Unterrichts geben, darauf legt der Kreis als Schulträger großen Wert. Zu Beginn des Schuljahrs 2024/25 soll alles fertig sein. Der Altbau an der Straße, die Mensa und die Pausenhalle bleiben erhalten.
Problem mit dem Lüften muss noch gelöst werden
Der Beigeordnete und ehemalige Bürgermeister freut sich, dass in Bobenheim-Roxheim die modernste Schule des Rhein-Pfalz-Kreises entsteht, und zwar nicht nur hinsichtlich Brandschutz und Energieversorgung, sondern auch, was die flexible Nutzung betrifft. Schon jetzt schwärmt er vom geplanten Grünen Klassenzimmer, das den Schülern „eine Naturerfahrung ganz anderer Art“ bieten werde.
In der Planung muss laut Kühn noch eine Maßgabe berücksichtigt werden, die schon vor Corona für Schulen galt, aber wegen der Pandemie noch wichtiger geworden ist: der Luftaustausch in den Klassenzimmern. Der Kreis setzt auf natürliche Belüftung durch Fensteröffnen, was im Sommer kein Problem ist. Im Winter müssen die dann abfallenden Raumtemperaturen berücksichtigt werden. Kühn: „Deshalb planen wir gerade, wie wir im Winter über eine Anlage die Standards für die Lufthygiene erfüllen können.“