Lambsheim-Hessheim
Pflegevereine im Umbruch: Neue Wege in der Krankenpflege
Der Staub, aufgewirbelt durch die Insolvenz der Ökumenischen Sozialstation Lambsheim vor einem Jahr, hat sich gelegt. Langsam herrscht wieder klare Sicht bei den Krankenpflegevereinen. Zumindest bei denen, die das Pflegebeben im nördlichen Rhein-Pfalz-Kreis überstanden haben. In dieser auch für die Öffentlichkeit unübersichtlichen Situation kam ans Licht, dass der Ökumenische Krankenpflegeverein Heuchelheim, der zuletzt noch rund 130 Mitglieder zählte, bereits 2021 seine Auflösung beschlossen hatte. Das Ende der Sozialstation bedeutete dann auch das Aus für den Ökumenischen Krankenpflegeverein Bobenheim-Roxheim, dessen Mitglieder bereits im November 2023 – vor dem endgültigen Aus des ambulanten Pflegedienstes – die Reißleine zogen und sich angesichts der Angebote in ihrem Ort anderswo besser versorgt sahen. Im Frühjahr 2024 traf es den katholischen Elisabethenverein Lambsheim, der bis dahin noch 117 Mitglieder zählte. Auch er wurde nach mehr als 100 Jahren Vereinsgeschichte aufgelöst.
Übrig blieben die Krankenpflegevereine Heßheim-Beindersheim, Großniedesheim-Kleinniedesheim und der protestantische Krankenpflegeverein Lambsheim. Sie wollten kämpfen und weitermachen. Dass es dauern würde, die komplexen Vereinsmechanismen auszurichten und die bürokratischen Wege zu gehen, hatten die Vereinsvorsitzenden vorsichtshalber bereits Anfang 2024 angekündigt. Mehr oder weniger klar war jedoch, dass aufgrund der Fahrtwege die wohl realistischste Option ein Beitritt zur Ökumenischen Sozialstation Frankenthal sein würde.
Ganze Kirchengemeinde tritt bei
Erst kurz vor Jahresende wurde bekannt, dass zumindest ein Teil der verbliebenen Vereine der Sozialstation Frankenthal beitreten wird. Offiziell gestartet ist die Kooperation zum 1. Januar, in der Praxis aber fährt die Ökumenische Sozialstation Frankenthal bereits seit mehr als einem Jahr eine Route durch die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim. Das bestätigt Manuela Orlik, Geschäftsführerin dieser Sozialstation, auf Anfrage. Neben den Krankenpflegevereinen Heßheim-Beindersheim und Großniedesheim-Kleinniedesheim sollen laut Orlik auch die Mitglieder der Protestantischen Kirchengemeinde Heuchelheim-Niedesheim der Sozialstation beitreten. Allein mit der Kirchengemeinde kommen dadurch auf einen Schlag rund 3000 neue Mitglieder dazu. Pfarrerin Sabine Tarasinski bestätigt das auf Anfrage. Die Kirchengemeinde unterstützte zuvor die Sozialstation Lambsheim. Die entsprechenden Satzungen seien geändert worden, Kirchengremien und das Amtsgericht müssten diese aber noch genehmigen.
Um den Zuwachs an potenziell pflegebedürftigen Mitgliedern stemmen zu können, sei zum Teil Personal der ehemaligen Sozialstation Lambsheim übernommen worden. Man sei auf der Suche nach weiterem Personal. Mit den neu aufgenommenen Vereinen und der Kirchengemeinde stoße man an Kapazitätsgrenzen. Das sei auch einer der Gründe, warum Lambsheim derzeit nicht dabei ist.
Mitgliedsbeitrag steigt
Norbert Buch, Vorsitzender des Vereins Großniedesheim-Kleinniedesheim, zeigt sich auf Anfrage zufrieden mit dem Ergebnis. Er bestätigt, dass 123 Mitglieder seines Vereins von der Sozialstation Frankenthal übernommen werden. „Ich denke, wir sind gut in Frankenthal aufgehoben.“ Am Pflegeangebot ändere sich für seine Mitglieder nichts. Eine Änderung aber gebe es: „Der Jahresbeitrag erhöht sich um zehn Euro“, sagt Buch. Statt 35 Euro müssen Vereinsmitglieder künftig 45 Euro im Jahr zahlen. Buch hofft, dass alle dabeibleiben. Im kommenden Jahr wolle er zudem versuchen, neue Mitglieder in Heuchelheim anzuwerben, die nach dem Ende des dortigen Vereins womöglich Interesse an einen Beitritt haben.
Petra Constantine, Vorsitzende des Krankenpflegevereins Heßheim-Beindersheim, bestätigt die künftige Zusammenarbeit. Auch für die rund 300 Mitglieder ihres Vereins steige künftig der Jahresbeitrag: um neun Euro auf nun 40 Euro. Sie zeigt sich mit der Lösung zufrieden und findet, es „wäre wert, dass wir das größer feiern“, sobald die Genehmigungen durch seien.
Lambsheimer Verein unentschlossen
Noch nirgendwo beigetreten ist der Krankenpflegeverein Lambsheim, bei dem es im Frühjahr 2024 nach dem Aus der Sozialstation ein böses Erwachen gegeben hatte. Mitglieder hatten öffentlich gemacht, dass es seit Jahren keine Hauptversammlung mehr gegeben hatte und der Verein eine Zeit lang ohne gewählten Vorstand agierte. Bei einer Krisensitzung im Sommer, die auch das Ende des Vereins hätte sein können, wurde Pfarrer Götz Geburek zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er kündigte daraufhin an, die Vereinsstruktur zu verschlanken und eine neue Satzung auf den Weg zu bringen, die den Verein zukunftssicher machen soll. Auf Anfrage bestätigt Geburek, dass noch offen ist, welchem Pflegeangebot sich der Verein anschließen wird. Ob man der Sozialstation in Frankenthal oder der in Maxdorf beitreten wird, ist also noch unklar.
„Wir wollen weiterhin eine Sozialstation unterstützen“, versichert Geburek. Die versprochene neue Satzung sei fast fertig und derzeit in Prüfung. Man wolle erst die eigenen Altlasten aufräumen, bevor es in den Verhandlungen konkreter werde. Mit der neuen Satzung soll verhindert werden, dass man im Falle einer erneuten Insolvenz wieder ohne Unterstützung dasteht. Die Satzung werde voraussichtlich im Frühjahr verabschiedet.
Manuela Orlik macht deutlich, dass eine Mitgliedschaft in Frankenthal nicht automatisch bedeutet, dass bei Bedarf auch versorgt werden kann. Sie rät deshalb dazu, so früh wie möglich Kontakt aufzunehmen, damit der Bedarf möglichst weit im Voraus geplant werden kann. Auch weil sich die Sozialstation oft vor Ort einen Eindruck von der jeweiligen Lebenssituation verschaffen müsse. Ein Erstgespräch werde in jedem Fall geführt.
Kontakt
Die Ökumenische Sozialstation Frankenthal ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr und Freitag von 9 bis 15 Uhr erreichbar unter der Telefonnummer 06233 369890.