Lambsheim
Nach Insolvenz: Ende der Sozialstation steht fest
Clemens Dietz hat in der Woche vor Weihnachten täglich damit gerechnet, dass seine Kündigung im Briefkasten liegt. Der Sozialarbeiter ist seit 27 Jahren bei der Ökumenischen Sozialstation Lambsheim angestellt. Mehr Jahre werden nicht dazu kommen, denn die Sozialstation wird spätestens zum 31. März ihren Betrieb vollständig einstellen. Das hat der zuständige Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann auf RHEINPFALZ-Anfrage mitgeteilt.
„Wir arbeiten alle normal weiter, die Pflegekräfte, die Krankenschwestern, ich mache Hausbesuche“, berichtet Dietz aus dem Inneren jener Sozialstation, für die im Sommer vom Vorstand ein Insolvenzverfahren beantragt worden war. Ein quälend langes halbes Jahr lang hatten Angestellte wie Dietz gehofft, der Betrieb für die 26 Angestellten könne weitergehen, wenn sich ein Träger findet, der die Sozialstation übernimmt.
„Das ist schon ziemlich frustrierend“
Am Dienstagnachmittag dann, kurz nach der Gläubigerversammlung, stellt sich Insolvenzverwalter Spiekermann vor die Belegschaft und muss die vor Weihnachten besonders bittere Botschaft verkünden, dass die Suche nach einem Übernahmekandidaten erfolglos verlaufen ist. „Es war ziemlich klar, dass zumindest die Sozialstation aufhört, nur haben wir mit irgendeiner Übernahme gerechnet“, sagt Mitarbeiter Dietz, der 64 Jahre alt ist. Überrascht habe ihn die endgültige Schließung auf jeden Fall. „Das ist schon ziemlich frustrierend, dass ich auf die Art aus meinem beruflichen Leben aussteigen muss“, fährt er fort. Gerne würde er in seinem Job weitermachen, befürchtet aber, aufgrund seines Alters keine Anstellung mehr zu finden.
Spiekermann, der öffentlich lange Optimismus vorgelebt hat und sich stets zuversichtlich zeigte, habe in den vergangenen Jahren mehrere Pflegedienstleistungen in der Insolvenz begleitet, wie er sagt. Nun muss er einräumen: „Das ist leider der erste Fall, bei dem ich keinen Übernehmer gefunden habe.“ In einer Stellungnahme an die RHEINPFALZ berichtet er davon, dass er seit dem Sommer mehr als 40 wohltätig und privat organisierte Pflegedienstleistungsunternehmen aus der Pfalz und dem Großraum Mannheim kontaktiert habe. Mit mehreren „anfänglich Interessierten“ habe er Gespräche geführt. Angebissen hat keiner davon.
„Mehrjährig bestehende organisatorische Defizite“
„Da der laufende Betrieb aufgrund der von mir eingeleiteten Maßnahmen zwar weniger, jedoch noch immer negative Ergebnisse erwirtschaftet, war ich als Insolvenzverwalter aus rechtlichen Gründen gezwungen, der Gläubigerversammlung die Einstellung der Sozialstation vorzuschlagen“, sagt Spiekermann. Auf der Versammlung habe es dazu keinen Widerspruch gegeben. Nun werde der Pflegebetrieb für die rund 160 Patienten aus den Verbandsgemeinden Lambsheim-Heßheim, Maxdorf sowie der Gemeinde Bobenheim-Roxheim beginnend ab dem 31. Januar 2024 eingestellt. Spätestens am 31. März soll Schluss sein. Mit diesem „etwas längeren Zeitraum“ wolle Spiekermann den Patienten beziehungsweise deren Vertretern, die Möglichkeit geben, sich neu zu orientieren.
Erstmals gibt Spiekermann auch einen detaillierten Einblick in den wirtschaftlichen Zustand der Sozialstation, die „bereits seit mindestens fünf Jahren stets nur Verluste erwirtschaftete“. Als Gründe nennt er unter anderem „mehrjährig bestehende organisatorische Defizite“ sowie „technische Mängel“. So sei die IT aus seiner Sicht veraltet und der Digitalisierungsgrad „mangelhaft“. Die Behebung der Probleme hätte ihm zufolge Zeit gebraucht und den Einsatz finanzieller Mittel erforderlich gemacht.
Komplett perspektivlos wollte er die Belegschaft aber nicht mit dieser Nachricht stehen lassen. Am Dienstag waren demnach auch die Geschäftsführungen der benachbarten Ökumenischen Sozialstationen Frankenthal, Ludwigshafen und Böhl-Iggelheim vor Ort und sollen den Mitarbeitern der Sozialstation „unbürokratisch erste Hilfe“ angeboten haben. Was genau das heißt, ist noch offen. Ob die anderen Ökumenischen Sozialstationen in der Lage sind, Teile der Belegschaft oder sogar die Betreuung von Patienten übernehmen können, kann derzeit niemand sagen.
