Maxdorf
Nach der Bergrettung der Pfälzer Schüler: Weg damit
Unterm Strich stehen 13.291,57 Euro. So viel kostet der Einsatz der Bergrettung, zumindest das ist inzwischen klar, und es ist dann doch deutlich weniger, als einige Medien gemutmaßt hatten. Von 18.000 Euro war da die Rede, was Martin Burger, Leiter der Bergwacht in Vorarlberg, gegenüber der RHEINPFALZ vehement bestritt. „Allenfalls eine Schätzung“, sagte er. Die Rechnung hatte die Bergrettung vor Kurzem direkt an das Maxdorfer Lise-Meitner-Gymnasium geschickt. Und von dort ging sie direkt weiter an das Land, zum Bildungsministerium in Mainz und an die Schulaufsicht. Ohne vorher das Kuvert zu öffnen, sagt Schulleiter Martin Storck. Weg damit. „Wir sind eine Schule des Landes Rheinland-Pfalz. Die Kollegen sind Beamte oder Angestellte des Landes, also werden nun auch die finanziellen Dinge vom Land geklärt“, sagt er. Ziemlich genau einen Monat nach dem Vorfall in Österreich erweckt er das Gefühl, dass er vieles, was damit zu tun hat, von sich wegschieben mag. Nicht nur die Kosten.
Viele Gespräche
„Ja, es ist passiert, da kann man nichts mehr daran ändern. Wir müssen unsere Schlüsse daraus ziehen“, sagt Storck, „aber wir müssen auch nach vorne schauen.“ Das Ziel am Maxdorfer Gymnasium scheint kurz vor den Sommerferien klar zu sein: Strich drunter, das Thema nicht mit ins nächste Schuljahr nehmen. Die Klassenfahrt der siebten Klassen ins österreichische Kleinwalsertal soll eine Erinnerung sein, nicht mehr, nicht weniger. 99 Schüler und acht Lehrer hatten sich Anfang Juni aufgemacht, um über den Heuberggrat das Walmendingerhorn zu besteigen. Die Wanderung war wohl anspruchsvoller als angenommen, die Ausrüstung passte offenbar nicht, zudem begann es zu regnen. Die Gruppe geriet in Bergnot, die Lehrer setzten einen Notruf ab, rund 60 Rettungskräfte waren im Einsatz, um die Gruppe teils mit Hubschraubern in Sicherheit zu bringen.
Das Wichtigste ist für Schulleiter Storck, dass alle Beteiligten unverletzt geblieben und gut in die Pfalz zurückgekehrt sind. „Wir haben mit den Kindern gesprochen, mit den Eltern, mit den Kollegen. Es waren alles konstruktive Gespräche“, sagt er. „Natürlich gab es manche Emotion, das ist ganz selbstverständlich und nachvollziehbar.“ Was sich aber genau auf 1794 Metern Höhe zugetragen hat, ist weiter relativ unklar. Darüber schweigt auch der Rektor. Wer hat die Entscheidung getroffen, die Wanderung in das Programm der Klassenfahrt zu nehmen? „Es war ursprünglich geplant, in einem See schwimmen zu gehen. Dafür war es zu kalt“, sagt Storck. Aber hatten die Betreuer den Schwierigkeitsgrad falsch eingeschätzt? War die Gruppe von knapp 100 Kindern zu groß für diese Wanderung? Unter anderem ein Experte des Deutschen Alpenvereins hatte das kritisiert.
Natürlich gebe es Fragen, die geklärt werden müssten, das sieht auch der Schulleiter so. „Aber das sind Dinge, die nicht in die Öffentlichkeit gehören“, sagt er. Was für Fragen das sind? Offen. Die Antworten? Vage. „Die Lehrer haben aus ihrer Perspektive berichtet.“ Deren Version sei nicht immer deckungsgleich mit dem, was in den Medien zu finden sei. „Da wurde auch einiges aufgebauscht, was in Wahrheit nicht so war“, sagt Storck. Beispiele nennt er nicht, konkret wird er nicht. Die Stellungnahmen der Lehrer zu den Vorkommnissen seien jüngst zur Aufsichtsbehörde geschickt worden, Anzeichen für mögliche Disziplinarverfahren gebe es bislang aber nicht.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt derweil. Der Fall wird nicht öffentlich behandelt. Die Antwort der Staatsanwaltschaft Feldkirch auf Anfrage der RHEINPFALZ bleibt deshalb knapp: Ermittelt werde wegen des Verdachts der fahrlässigen Gemeingefährdung. Mehr ist vom Pressesprecher nicht zu erfahren. Auch nicht, gegen wen genau da eigentlich ermittelt wird. Eine Frage der Ermittler könnte möglicherweise sein, was es mit dem Schild auf dem Heuberggrat auf sich hat, das die notwendige Kletterausrüstung und auf die Absturzgefahr hinweist.
Eine Lehrerin arbeitet nicht
Direkt nach dem Vorfall im Kleinwalsertal hat Storck seine Kollegen in Schutz genommen. Als die Busse freitagnachmittags aus Österreich nach Maxdorf zurückkehrten, sind die Betreuer nicht auf dem Schulhof ausgestiegen. „Wir haben es so mit allen abgesprochen, von Elternseite wurde dieses Vorgehen so unterstützt“, sagt er. Auch jetzt stellt er sich vor seine Kollegen. „Ich bleibe dabei: Ab dem Moment, als die Lehrer gemerkt haben, dass es nicht weiter geht, haben sie sich vorbildlich verhalten“, sagt der Schulleiter. Davor habe es womöglich eine Verkettung von Umständen gegeben, „die die Gruppe in diese Situation gebracht hat, die man vielleicht auch durchaus hinterfragen kann, aber sie haben rechtzeitig die Reißleine gezogen und Hilfe geholt.“ Bei einem ersten Elternabend wurden Fragen gesammelt. Bald soll es den ersten direkten Austausch zwischen Eltern und Lehrern geben. „Wir versuchen, die Fragen zu beantworten, so weit es geht“, sagt Storck, „wir reden vernünftig miteinander.“ Die Lehrer hatten den Wunsch, möglichst schnell in den Unterricht zurückzukehren. Eine Lehrerin allerdings arbeite seit nun rund vier Wochen nicht mehr.
Trotzdem: Der Schulbetrieb am Lise-Meitner-Gymnasium läuft ganz normal. Es gab inzwischen auch schon wieder Klassen, die unterwegs waren, in Berlin, in München, in Österreich. „Klassenfahrten gehören dazu“, sagt Schulleiter Storck, „weil es jetzt einmal nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat, heißt es nicht als Konsequenz, dass es jetzt für immer vorbei ist.“ Es sollte wahrscheinlich nur nicht immer einen Medienrummel geben – und eine Rechnung der Bergwacht eintrudeln.