Mutterstadt
Kinder bleiben Thema Nummer eins
Die Bauarbeiten auf dem Gelände an der Pestalozzi-Grundschule nehmen derzeit ordentlich Fahrt auf, die Zeit drängt auch. Zum Schul- und Kita-Jahr 2026/2027 soll der Kindercampus in Betrieb gehen. Damit der Termin gehalten werden kann und keine Fördergelder verloren gehen, hat sich der Rat dafür entschieden, noch einmal Geld in die Hand zu nehmen und einen Projektsteuerer einzustellen. Noch in diesem Jahr soll der Rohbau stehen, so der Plan. 2025 werden etwa sieben Millionen Euro für das Projekt Kindercampus ausgegeben. Insgesamt wird es 17,5 Millionen Euro kosten. Auch die zweite Grundschule im Ort, die Mandelgrabenschule, soll generalsaniert werden. Unter anderem sollen das Dach und die Fenster erneuert werden. Eine Erweiterung sei nicht geplant, Container sind die Lösung für die momentane Raumnot. Das will sich die Gemeinde in diesem Jahr 1,5 Millionen Euro kosten lassen.
Auch im Bereich Sicherheit soll Geld in die Hand genommen werden. 1,15 Millionen Euro wird die Gemeinde in diesem Jahr für eine neue Drehleiter für die Freiwillige Feuerwehr ausgeben, informiert Leva. „Das ist eine wichtige Investition für unsere Kommune“, sagt der Bürgermeister. Die alte Drehleiter ist in die Jahre gekommen.
Im Gewerbegebiet An der Fohlenweide kehrt nach mehr als drei Jahren wieder ein Stück Normalität ein: Edeka Stiegler und die anderen Händler sind in die ehemalige Real-Markthalle eingezogen. Im Erweiterungsbereich des Gewerbegebiets, in dem Frigo-Trans GmbH und RWZ-Agrartechnik angesiedelt sind, hat die Gemeinde ein 14.000 Quadratmeter großes Grundstück für rund zwei Millionen Euro zurückgekauft. Dieses soll in diesem Jahr vermarktet werden.
Mit der Eröffnung der komplett renovierten Jugendpforte Mitte November 2024 nimmt die Jugendarbeit in Mutterstadt ebenfalls Fahrt auf. Wie Bürgermeister Leva berichtet, war in den ersten Wochen viel los im Untergeschoss der Neuen Pforte. Das stimme positiv. Man sei nun schon auf der Suche nach weiterem Personal, insbesondere Hilfskräften, die das Jugendtreffteam Sebastian Abecker und Maria Tsompanoglou unterstützen. Und eine weitere Freizeitmöglichkeit kann die Gemeinde bieten: Eine Dirt-Bike-Bahn ist am Sportpark von Mutterstadt entstanden. Auch diese werde gut angenommen, soll sich aber noch weiter entwickeln.
Kräftig gebaut wird auch in den Räumen der Neuen Pforte, in denen die Gemeindebücherei bisher untergebracht war. 850.000 Euro sind für dieses Jahr für die Renovierung eingeplant, die Ende dieses Jahres fertiggestellt sein soll. Dann könnte die Bibliothek aus dem Obergeschoss der Neuen Pforte wieder in ihre Räume ziehen.
Wohnraum gesucht
Dieses Jahr möchte die Gemeinde auch einen Fokus in den Ankauf der Grundstücke für das Neubaugebiet Südwest setzen. Die Gemeinde will 30 Prozent der Flächen in ihren Besitz bringen, um Projekte wie einen Kindergarten, sozialer Wohnraum oder eventuell günstige Kredite für junge Familien zu realisieren. Dazu müssen die Eigentümer der Flächen bereit sein, diese an die Gemeinde zu übertragen. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, dass das Ziel erreicht werden kann. Das Neubaugebiet wird erst dann realisiert, wenn die Flächenzahl erreicht ist. Das Projekt sei aktueller denn je, denn die Wohnraumsituation sei, wie sie sei – eben angespannt, sagt Thorsten Leva.
Wohnraum sollte im vergangenen Jahr auch für Flüchtlinge mit einer Containeranlage auf dem Parkplatz an der Waldstraße geschaffen werden. „Es ist uns 2024 gelungen, die ankommenden Flüchtlinge dezentral unterzubringen, auch weil etwa 100 Flüchtlinge weniger gekommen sind als angekündigt“, informiert er. Rund 300 Asylsuchende leben derzeit in Mutterstadt, davon etwa 80 Flüchtlinge aus der Ukraine. Rund 700.000 Euro kostet 2025 die Unterbringung. Die Kosten muss die Gemeinde nicht alleine tragen, denn es gibt Zuschüsse. Letztlich bleiben bei der Gemeinde 361.900 Euro hängen. Deutlich mehr als im vergangenem Jahr, da waren es 74.000. „Der Grund war eine Sonderzahlung vom Bund“, erklärt Kämmerin Elke Helm. Ob auch dieses Jahr damit zu rechnen sei, sei unklar.
Die Gemeinde braucht mehr Immobilien – in Besitz oder angemietet –, die sie für soziale Zwecke zur Verfügung stellen kann. Die Unterbringung von Geflüchteten ist einer davon. Eine weitere Idee ist, Räumlichkeiten an Tagesmüttern zu vermieten. Hintergrund ist, dass in Mutterstadt im vergangenen Jahr Kita-Plätze im bis zum dreistelligen Bereich fehlten. Aus diesem Notstand heraus hatte sich auch eine Kindertagesstätten-übergreifende Elterninitiative gegründet. Tagesmütter könnten den Bedarf für die Betreuung der Kinder unter drei Jahren zwar nicht komplett decken, aber verbessern, meint Leva. 1,7 Millionen sind im Haushalt 2025 für den Ankauf von Wohnimmobilien eingeplant. Des Weiteren sei man auf der Suche nach einem Grundstück, auf dem eine weitere Kita gebaut werden soll. Es werden derzeit vielversprechende Gespräche geführt. „Es gibt ein Licht am Ende des Horizonts“, sagt der Bürgermeister. Und: Derzeit seien alle Stellen in den kommunalen Kitas besetzt.
Doch die Gemeindeverwaltung benötigt mehr Personal. Krankenstände und unbesetzte Stellen haben nicht nur in den Kitas zu Engpässen geführt. So musste das Bürgerbüro im vergangenen Jahr über einen längeren Zeitraum mittwochs geschlossen bleiben. In der Bauabteilung fehlten lange Zeit zwei Stellen, eine soll jetzt besetzt werden. Gut 192 Verwaltungsangestellte beschäftigt die Gemeinde derzeit. Im kommenden Jahr sollen es neun Stellen mehr werden. Der Stellenschlüssel soll von etwa 124 auf 136 Stellen steigen – „hauptsächlich im sozialen Bereich“, sagt Thorsten Leva. Die Personalkosten steigen von 10,2 Millionen Euro (2024) auf 10,9 Millionen Euro, unter anderem wegen Tariferhöhungen und Stellenwiederbesetzungen.
Kleiner Überschuss für 2025
Das Haushaltsjahr 2024 schließt mit einem Defizit ab. Das war vorauszusehen, aber geplant war ein höheres Defizit im Haushalt. Im Nachtragshaushalt konnte dieses auf 378.000 Euro reduziert werden, unter anderem wegen mehr Erträgen und Gewerbesteuereinnahmen. In den Jahren zuvor gelang es der Verwaltung, das Defizit in ein positives Ergebnis umzuwandeln. Das gelang für 2024 nicht. Für 2025 steht ein leicht positives Ergebnis im Haushaltsplan von etwa 2550 Euro.
Das bedeutet nicht nur, dass ein ausgeglichener Haushaltplan vorliegt, sondern auch, dass die Freiwilligen Leistungen der Gemeinde, etwa für Vereine oder kulturelle Veranstaltungen, voraussichtlich weiter in gleicher Höhe gewährt werden können. Im vergangenen Jahr standen große Ereignisse an, etwa die Open-Air-Veranstaltung vor dem Palatinum oder das Bildhauer-Symposium mit Partnerschaftsfest. Ähnliche besondere Großveranstaltungen, neben den traditionellen Festen, sind in diesem Jahr nicht geplant.
Termin
Neujahrsempfang der Gemeinde Mutterstadt am 5. Januar, 15 Uhr, Palatinum.
Die Serie
Was wurde 2024 alles erledigt, was steht 2025 an? Wir haben mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Rhein-Pfalz-Kreis gesprochen, ziehen mit ihnen Bilanz und blicken voraus.