Nachruf RHEINPFALZ-Mitarbeiter Peter Pohlit gestorben: Annweilers leiser Burgenkenner
Wer bei Pohlits zu Hause anrief, bekam oft zuerst seine Frau ans Telefon. Dann sagte sie meistens: „Warten Sie, ich hole meinen Mann aus dem Garten.“ Kurz darauf rief sie hinaus: „Peter, die Frau Hörle ist dran.“ Und schon war er da. Peter Pohlit, der fast immer irgendwo draußen war. Ein kleiner Satz aus dem Redaktionsalltag, der noch so lange nachhallen wird.
Am 19. Mai ist Peter Pohlit gestorben. Der langjährige freie Mitarbeiter der RHEINPFALZ wurde 85 Jahre alt. Seit 1986 schrieb er unter dem Kürzel ppo über das Trifelsland und die Verbandsgemeinde Hauenstein. Für Annweiler war er noch viel mehr: Lehrer, Burgenkenner, Sänger, Vereinsmensch, Naturliebhaber, Freund der Künste und Erzähler von Heimathistorie. Einer, der viel wusste und wenig Aufhebens darum machte. Der nie laut in die erste Reihe trat, aber fast immer dieses kleine Lächeln hinterließ, das entsteht, wenn jemand freundlich ist, ohne es vor sich herzutragen.
Von Schlesien über Thüringen in die Pfalz
Geboren wurde Peter Pohlit am 3. Februar 1941 in Breslau, gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Klaus. 1945 floh die Familie vor den heranrückenden russischen Truppen aus Schlesien nach Deutschland. Über Thüringen und Bayern kamen die Pohlits 1950 nach Landau. Die Brüder hielten diese fünfjährige Nachkriegsodyssee später in „Stunde Null – für unsere Kinder“ fest: Dachzimmer, Hunger, Lager, Kartoffelschalen, Ankommen in der Pfalz.
Ab 1971 baute Pohlit die Realschule Annweiler mit auf, unterrichtete Deutsch und Biologie und blieb der Schule bis zur Rente treu. Viele Annweilerer haben bei ihm die Schulbank gedrückt. Mit seiner Frau war er gerne in den Alpen unterwegs, in den deutschen Mittelgebirgen und im Pfälzerwald sowieso. Dort oben lag sein großes Revier nicht nur für Ausflüge, sondern auch für Recherchen: Trifels, Anebos, Münz und die steinernen Nachbarn in der Pfalz waren ihm Arbeitsfeld und Herzensstoff.
Autor für mehrere Burgenbücher
Pohlit war Mitautor mehrerer Burgenbücher, leitete 25 Jahre Kurse über Burgen bei der Kreisvolkshochschule, war im Trifelsverein und Scharfeneckverein aktiv und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Trifelsfreunde. Besonders die Scharfenberg hatte es ihm angetan, die „verkannte kleine Schwester des Trifels“. Mehr als 40 Jahre beschäftigte er sich mit ihr. Von ihr handelte auch das letzte Buch aus seiner Feder. Ebenso war seine Mitarbeit beim Heimatjahrbuch des Kreises SÜW immer wieder gefragt.
Und auch sonst war sein Ehrenamtskalender stets prall gefüllt. Über Jahrzehnte engagierte er sich im Vorstand des TSV Annweiler und des Vereins Kunst und Kultur Annweiler, dessen Kunstmeile er viele Jahre organisierte. Seine Bass-Stimme unterstützt den Protestantischen Kirchenchor und den Trifelschor, den er 17 Jahre auch als Vorsitzender führte. Dabei trat der agile Annweilerer mit dem wachen Geist und dem großen Herz stets bescheiden auf.
Steckenpferde Historie, Kultur und Architektur
Als ich zur RHEINPFALZ kam und den Bereich Annweiler übernahm, war Peter Pohlit längst da. Ich war jung, er schon ein älterer Herr. Trotzdem nannte er mich bei Mitarbeiterversammlungen selbstverständlich „meine Chefin“. Das war irgendwie rührend. Und ganz Herr Pohlit: höflich, freundlich, respektvoll und dabei immer gerade. Er konnte Leute nehmen, wie sie waren. Selbst schwierige Charaktere fing er mit seiner ruhigen Art ein. Kein Belehren. Höchstens ein Satz nebenbei. Pohlit schrieb am liebsten über das, was ihm nah war: Geschichte, Kultur, Architektur, Menschen, Vereine – mal die große Historie, mal kleine Fundstücke aus der Pfalz. Und immer hatten seine Texte diesen warmen, ruhigen Klang – waren stets getragen von Fachkompetenz, Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit.
Mit dem Alter beschränkte Peter Pohlit seine journalistische Tätigkeit für die RHEINPFALZ. Aber wenn es um Porträts oder historische Stücke ging, da sprang sein Notizblock ganz schnell noch mal auf. Vor wenigen Wochen sprachen wir noch über zwei Texte, für die er schon reichlich Material gesammelt hatte und sich aufs Schreiben freute. Dann ging alles ganz schnell. Seine Familie begleitete ihn in seinen letzten Tagen.