Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Katastrophenschutz: Ein Plan für jedes Szenario

Wenn der Strom ausfällt, muss man sich mit Kerzen behelfen. Für solche Fälle will die Verbandsgemeinde Rheinauen gerüstet sein.
Wenn der Strom ausfällt, muss man sich mit Kerzen behelfen. Für solche Fälle will die Verbandsgemeinde Rheinauen gerüstet sein.

Sind die Einsatzkräfte und politisch Verantwortlichen vorbereitet, wenn der Rheindeich nicht hält und ihr Ort überflutet wird? Das fragen sich die Altriper oft. Deshalb hat Bürgermeister Patrick Fassott (SPD) auf ihre Bitte hin im Umweltausschuss erläutert, wie es um den Katastrophenschutz im Dorf bestellt ist.

„Wir beschäftigen uns sehr viel mit dem Thema“, stellte Fassott seinem Bericht voran. Er betonte, ab einem bestimmten Ausmaß der jeweiligen Katastrophe gehe die Zuständigkeit an den Rhein-Pfalz-Kreis über. Ein nahe liegender Punkt sei natürlich der Hochwasserschutz und damit die Deichertüchtigung, die an zwei Abschnitten – einem in Altrip und einem in Otterstadt – noch nicht erfolgte. Dazu habe vor Kurzem ein Treffen mit Vertretern der hierfür zuständigen Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd stattgefunden, an dem neben ihm auch der Altriper Ortsbürgermeister Volker Mansky (parteilos) und dessen Otterstadter Amtskollege Bernd Zimmermann (CDU) teilnahmen. Doch der Katastrophenschutz umfasse weitaus mehr.

„Es gibt noch andere Szenarien, auf die wir uns vorbereiten“, erklärte Fassott. Als Beispiel nannte er einen großen, länger andauernden Stromausfall. „Dafür sind die Feuerwehrgerätehäuser entweder schon mit Notstrom ausgestattet oder werden es noch“, sagte er. Denn sie sollten – vor allem, wenn der Strom im Winter ausfällt – als Leuchttürme dienen, also als einsatzfähige Anlaufstellen für die Bürger. Das gelte auch für das Rathaus der Verbandsgemeinde in Waldsee. Darüber hinaus habe die Kommune Satellitentelefone angeschafft, um die Kommunikation für Einsatzkräfte aufrechterhalten zu können, wenn Fest- und Mobilfunknetz ausfallen. Die neue Tankstelle in Neuhofen solle möglichst so gestaltet werden, dass sie eine Notfallversorgung leisten kann.

Auf Ebene der Verbandsgemeinde sei zudem ein Verwaltungsstab gegründet worden, der im Ernstfall die Koordination übernimmt. Die könne – ebenso wie die Vorbereitung – nur in enger Abstimmung mit den vier Ortsgemeinden Altrip, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee gelingen. Dabei sei wichtig, dass auch die Stellvertreter im jeweiligen Amt in der Lage sind, jederzeit einzuspringen – wenn beispielsweise der Bürgermeister oder einer der Ortsbürgermeister verhindert sei. Der Führungsstab der Feuerwehr werde ebenfalls fortlaufend entsprechend geschult. „Die Feuerwehr hat für jedes Szenario einen Alarmeinsatzplan erarbeitet“, ergänzte der Ortsbeigeordnete Peter Bärenz (SPD). „Da wurde und wird vieles getan.“

Die Theorie sei das eine. Doch um zu überprüfen, ob sie auch funktioniert, werde regelmäßig geübt, ergriff der Bürgermeister wieder das Wort. Dazu gehörten immer wieder gemeinsame Übungen mit dem Rhein-Pfalz-Kreis und weiteren Rettungskräften. Bei der letzten Großübung im Oktober 2022 sei einiges „nicht so gelaufen wie erwünscht“. Doch genau das sei der Sinn: „Schwachstellen erkennen und daran arbeiten“, erklärte er und kündigte den nächsten Stresstest für Ende dieses Jahres an.

Leider sei das vom Verbandsgemeinderat beschlossene Hochwasser- und Starkregen-Schutzkonzept stark in Verzug. „Ich bin sehr unzufrieden mit dem Büro“, sagte Fassott. Zumal bei dessen Beauftragung mit ausschlaggebend gewesen sei, dass es in dieser Hinsicht schon viel für das Land erledigt und deswegen große Erfahrung besessen habe. „Mit den Ortsgemeinden haben wir jetzt aber Termine für die Bürgerbeteiligung festgelegt“, informierte er. Die Ideen und Vorschläge der Bürger sollten anschließend in das Konzept einfließen. Außerdem sicherte er zu, die Ortsbürgermeister weiter auf dem Laufenden zu halten, was den Katastrophenschutz angeht. Mit Mansky und dem Ersten Ortsbeigeordneten Michael Schreiner (FWG), die beide feuerwehr-affin seien, müssten sich die Altriper bei diesem Thema ohnehin keine Sorgen machen. Entscheidend sei im Katastrophenfall, dass das Zusammenspiel der Behörden funktioniert – anders als bei der Flutkatastrophe im Ahrtal. „Alle im Verwaltungsstab werden auch per App alarmiert, damit sie schnell zusammenkommen können“, berichtete der Bürgermeister.

Noch mehr ins Detail gehen wolle er nicht. Das sei so abgesprochen gewesen, und das hätten die Experten der Feuerwehr übernehmen müssen. „Aber wir wollen auch nicht alles öffentlich darlegen, um potenziellen Angreifern nicht Tür und Tor zu öffnen“, erläuterte Fassott. Auch dieser Aspekt müsse heutzutage berücksichtigt werden.

Maik Krause (CDU) bat darum, noch einmal bei der Kreisverwaltung wegen der Einsatzzeiten im Rettungsdienst für die Jahre 2022 und 2023 nachzuhaken – vor allem, wann das gesetzlich vorgeschriebene Minimum nicht eingehalten wurde bei Notfällen in Altrip. „Das werde ich gerne tun“, versprach Fassott. Zugleich bescheinigte er den Altripern, sie hätten mit den First Respondern bei diesem kritischen Punkt schon auf eigene Faust gut nachgerüstet. Darüber hinaus wies er daraufhin, dass der Rhein-Pfalz-Kreis vor einigen Monaten mit der Katretter-App ein weiteres Angebot für qualifizierte Rettungskräfte aus der Nachbarschaft aufgelegt habe. „Das muss sich aber noch ein bisschen einspielen“, sagte er.

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