Rhein-Pfalz-Kreis / Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Katretter-App: Fast 700 Ersthelfer nach den ersten drei Monaten

Dorothee Funk und Marcus Meier haben mit der Katretter-App schon erste Erfahrungen gemacht. Sie sind von dem System überzeugt.
Dorothee Funk und Marcus Meier haben mit der Katretter-App schon erste Erfahrungen gemacht. Sie sind von dem System überzeugt.

Wenn es um das Retten eines Menschenlebens geht, zählt oft jede Sekunde. Die Katretter-App soll dafür sorgen, dass qualifizierte Ersthelfer noch vor dem Rettungsdienst vor Ort sind. Und das System funktioniert offenbar. Bei einem ersten Bilanzgespräch haben zwei der Ersthelfer von ihren Erfahrungen berichtet.

300 Ersthelfer waren schon beim Start der Katretter-App für den Bereich der Einsatzleitstelle Ludwigshafen registriert. Das war am 31. Oktober 2023. Jetzt, ein Vierteljahr später, sind knapp 700 Freiwillige über die App angemeldet. Sie werden alarmiert, wenn sie in der Nähe sind, wenn es in Ludwigshafen, im Rhein-Pfalz-Kreis, in Speyer, Frankenthal, Neustadt oder im Kreis Bad Dürkheim einen Notfall gibt, bei dem sie gebraucht werden.

Die Verantwortlichen sind deshalb auch sehr zufrieden mit dem Projektstart, allen voran Robin Klamm, Leiter Brand- und Katastrophenschutz und Rettungsdienstbehörden bei der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises, sowie Roman Strauß von der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen. Die beiden betreuen das Projekt Katretter-App und haben es für den Bereich der Einsatzleitstelle Ludwigshafen, in deren Einzugsgebiet etwa 620.000 Menschen leben, zum Laufen gebracht.

Erste-Hilfe-Kurs reicht

Das Gros der Ersthelfer speist sich aus Mitgliedern der Feuerwehren sowie der Rettungsdienste, erläutert Roman Strauß. Wobei man kein Profi-Retter sein muss, um sich bei der App zu registrieren. Ein gültiger Erste-Hilfe-Kurs reicht. Das Zertifikat muss eingescannt werden. Und dann gibt am Ende die zuständige Gebietskörperschaft, also zum Beispiel die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises, grünes Licht und der Ersthelfer wird freigeschaltet.

Rund 560 Einsätze seien bislang über die Katretter-App erzeugt worden, berichtet Strauß. „Bei 191 hatten wir keinen Ersthelfer, was hauptsächlich auf die etwas schwächere Abdeckung in manchen Bezirken zurückzuführen ist. Das ist eine Abdeckung von etwa 71 Prozent.“

Keine Extremsituationen

Alarmiert werden die Ersthelfer nur, wenn entweder ein Herz-Kreislauf-Stillstand oder eine bewusstlose Person gemeldet wird. „Die Ersthelfer werden nicht in Gefahr gebracht“, betont Robin Klamm. Bei Extremsituationen wie Explosionen und Gasaustritten oder bei einem bestehenden Infektionsrisiko löse die App keinen Alarm aus.

So einen Alarm über ihr Handy empfangen haben zum Beispiel schon Dorothee Funk aus Deidesheim und Marcus Meier aus Ludwigshafen. Funk (25) ist Rettungssanitäterin bei der Rettungswache Haßloch, Meier (41) arbeitet bei der BASF und engagiert sich in seiner Freizeit als Wehrführer bei der Freiwilligen Feuerwehr in Oppau. Gerade als er zu einem Einsatz der Feuerwehr unterwegs gewesen sei, habe ihn die Katretter-App zum ersten und bislang auch einzigen Mal alarmiert. „Eine bewusstlose Person wurde gemeldet“, berichtet er. Am Ende habe er den Kollegen vom Rettungsdienst noch geholfen, den Patienten in den Rettungswagen zu laden.

Erfahrung auf zwei Seiten

Dorothee Funk hat mit der Katretter-App schon auf beiden Seiten zu tun gehabt – aus beruflicher und aus privater Sicht. „Wir mussten mal zu einem Einsatz nach Böhl-Iggelheim, es ging um die Reanimation eines Patienten. Da war schon ein über die App alarmierter Ersthelfer vor Ort. Das war super für den Patienten“, erinnert sie sich. Danach habe sie mit den Kollegen übernommen.

Auch privat habe sie schon Erfahrungen gemacht. Bei einem Fall sei eine bewusstlose Person in Ruppertsberg gemeldet worden. „Das war am Ende nicht so. Aber die Angehörigen waren überfordert, und ich konnte Ruhe reinbringen“, erinnert sie sich. Beim zweiten Fall sei sie nach Deidesheim in die Kirche gerufen worden. Auch hier ist eine bewusstlose Person gemeldet worden. Aber auch hier stellte sich alles als relativ harmlos heraus. „Die Frau war auch schon weg, bevor die Kollegen vom Rettungsdienst eingetroffen sind.“ Es sei ein anderes Gefühl, ohne das passende Equipment vor Ort zu sein.

Meier: Es gibt kein Falsch

Marcus Meier ist überzeugt: „Es gibt schon einige Erfolgsstorys mit der App.“ Sieben bis zehn Minuten dauere es, bis die Rettung vor Ort sei, meint Dorothee Funk. „Und nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoffversorgung sterben die ersten Gehirnzellen ab“, ergänzt Roman Strauß. „Es geht darum, diese drei bis fünf Minuten zu überbrücken“, erläutert er.

„Es gibt kein Falsch“, betont Marcus Meier. Heißt: Jede Hilfe ist willkommen und wichtig. Und wenn jemand einen Handgriff nicht mehr parat hat oder nicht mehr korrekt ausführen kann, muss man keine Repressalien fürchten. Und auch wenn man bei einem Alarm mal nicht kann, entstehe einem daraus kein Nachteil. „Wenn ein Helfer einen Fall beim Alarm nicht annimmt, dann kann man das später nicht mehr nachvollziehen“, sagt Roman Strauß. Folgen wegen unterlassener Hilfeleistung gebe es in dem Fall nicht. „Die Ersthelfer haben auch die Möglichkeit, sich bei der App abzumelden, zum Beispiel wenn sie im Urlaub sind oder nachts nicht zur Verfügung stehen, weil sie am nächsten Tag einen wichtigen Termin haben.“ Auch Dorothee Funk hat die App schon mal auf stumm geschaltet. „Da war ich gerade mit einer Zwölf-Stunden-Schicht fertig“, erzählt sie.

Betreuung möglich

Die Ersthelfer seien nach ihrem Einsatz nicht alleine, sagt Robin Klamm. So biete man bei Bedarf eine psychologische Betreuung an, wenn der Ersthelfer das wünsche. Wichtig ist dafür, dass er über die App den Einsatz für sich bewertet und auch Feedback gibt.

Probleme gebe es bei der App noch mit der Navigation. „Besonders im Pfälzerwald“, sagt Roman Strauß. Da sei es wichtig, dass mögliche Ortskundige helfen. Das Beispiel verdeutlicht, dass Hilfe in unterschiedlichen Facetten passieren kann.

System überzeugt

Da das Projekt so gut angelaufen ist, hat das bei den Verantwortlichen selbstverständlich auch gewisse Begehrlichkeiten geweckt. Ursprünglich hatte man damit gerechnet, die Marke von 600 Helfern Mitte des Jahres zu knacken. Jetzt hören sich 1000 Ersthelfer im Sommer für Roman Strauß schon sehr gut an. Klar ist: „Je mehr Ersthelfer sich engagieren, desto kürzer ist für den Patienten das therapiefreie Intervall“, sagt Stefan Bruck, Leiter der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen.

„Wir sind überzeugt von dem System“, meint Roman Strauß. Aber mehr geht selbstverständlich immer. Weshalb man mit Blick auf die Katretter-App noch einige Ziele hat. „Meine Wunschvorstellung, sozusagen das ultimative Ziel, ist ein Erreichungsgrad von 100 Prozent“, sagt Strauß. Dass es jetzt schon so viele Ersthelfer gebe, habe er sich nicht vorstellen können. Außerdem ist angestrebt, das Helfernetz auch auf benachbarte Gebietskörperschaften auszudehnen – zum Beispiel nach Mannheim. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Im Moment freuen sich die Verantwortlichen, dass die Katretter-App in der Gegenwart sehr gut angenommen wird.

Kommt es zu einem Alarm über die Katretter-App, sieht man das nicht nur auf dem Display. Das Handy macht sich auch akustisch bem
Kommt es zu einem Alarm über die Katretter-App, sieht man das nicht nur auf dem Display. Das Handy macht sich auch akustisch bemerkbar.
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