Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Silbersee-Hotel könnte 2023 wieder Thema werden

Filme gucken am Altrhein: Das soll in diesem Jahr in Bobenheim-Roxheim erneut möglich sein.
Filme gucken am Altrhein: Das soll in diesem Jahr in Bobenheim-Roxheim erneut möglich sein.

Was war, was kommt: Hauptamtliche Bürgermeister kommen selten zur Ruhe, und auch Michael Müller (SPD) hat für 2023 wieder viel auf der Agenda. Waltraud Werdelis hat ihn gefragt, was genau das ist und dabei erfahren, dass er jetzt Mitglied im Desdo-Club ist.

Herr Müller, Sie hatten zwischen den Jahren und danach ein bisschen freie Zeit. Auf welche Weise erholt sich der hauptamtliche Bürgermeister einer 10.000-Einwohner-Gemeinde?
Klassisch. Ich habe viel Zeit mit Familie und Freunden bei guten Gesprächen verbracht, habe nachgeholt, wofür unterjährig die Zeit fehlt. Dabei viel zu viel gegessen und gegen das schlechte Gewissen dann ab und zu Wanderungen gemacht.

Sie haben mal gesagt, Holzhacken und Spaziergänge mit dem Hund genügten Ihnen zum Entspannen. Ist im vergangenen Jahr vielleicht doch eine neue Leidenschaft hinzugekommen?
Das Gegenteil ist der Fall. Unser Labrador Hoss ist im April gestorben. Dafür hat mich meine Frau in den Desdo-Club aufgenommen. Wir nutzen die Zeit ohne Hund, und ich muss auf Geheiß meiner Frau „desdo“ und „desdo“ in Haus, Hof und Garten machen.

Das klingt traurig und lustig zugleich. Nach dem Neujahrsempfang, der am Sonntag stattfand, geht’s wahrscheinlich wieder mit Volldampf voraus. Was liegt auf Ihrem Schreibtisch, das dringend erledigt werden muss?
Es stehen die Gespräche mit Eigentümern von Grundstücken nördlich des Littersheimer Wegs an, wo nach dem Beschluss der Gemeinderatsmehrheit ein Baugebiet erschlossen werden soll. Dafür müssten die Besitzer der landwirtschaftlichen Flächen aber bereit sein, diese in die Baulandumlegung einzubringen. Die Gespräche führe ich persönlich und nehme mir viel Zeit dafür. Das geht nicht mit einem kleinen Fragebogen, auf dem man drei Kreuze macht, wie es eine Ratsfraktion neulich vorschlug. So macht man es, wenn man etwas verhindern will.

Sie meinen die Grünen, die wollen, dass alle Eigentümer zu ihrer Einstellung befragt werden, bevor überhaupt weiter geplant wird. Was sind die Themen, die die Verwaltung sonst noch das Jahr über beschäftigen werden?
Der Katastrophenschutz, der Masterplan für unsere Kindergartenlandschaft, die Erweiterung und Sanierung der beiden Grundschulen, die Unterbringung von Flüchtlingen ... Die Liste der Aufgaben ist lang und anspruchsvoll.

Gibt es ein Projekt, von dem Sie sagen: Wenn wir das gewuppt oder durchgesetzt haben, können sich die Bobenheim-Roxheimer wirklich freuen.
Die Umsetzung des Kita-Masterplans ist sehr wichtig für unsere Gemeinde. Wenn bei den Kleinsten die Grundlagen und die Infrastruktur stimmen, ist das die gute Basis für das gesamte Gemeinwesen. Da freuen sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern und Großeltern.

Worauf freuen Sie sich denn? Sie sind ja auch ein Bobenheim-Roxheimer.
Ich freue mich sehr, dass der Testlauf für den „Filmfrühling“ im vergangenen Jahr gelungen ist und das Open-Air-Kino im Mai an den Altrhein zurückkehrt. Einheimische wie Auswärtige haben das bekannt geglaubte wunderschöne Altrheinambiente durch diese gelungene Veranstaltung nochmals neu für sich entdeckt.

Sie sind vermutlich erleichtert, dass dem Rhein-Pfalz-Kreis und damit auch ihrer Gemeinde frühestens im Februar wieder Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge zugewiesen werden. Ist Bobenheim-Roxheim einer Zuteilung in größerem Ausmaß gewachsen?
Wir wollen Baugebiete ausweisen, weil es ja jetzt schon keinen Wohnraum mehr in der Gemeinde gibt. Auf sehr wenige private Leerstände haben wir, auch wenn das manche immer wieder fordern, keinen Zugriff. Wir leben schließlich in einem demokratischen Rechtsstaat. Es wird daher schwer, eine Großzahl an Flüchtlingen in menschenwürdigen Verhältnissen unterzubringen. Natürlich soll der Bezug in vorhandenen Gebäuden erfolgen, ich befürchte aber, dass wir um die Anschaffung von Provisorien wie zum Beispiel Tiny-Häuser nicht herumkommen werden. Die Jahnhalle könnte bei einer Großzuteilung Erstaufnahmestelle werden. Auf den Rat und die Verwaltung kommen dieses Jahr richtungsweisende Entscheidungen zu.

Die RHEINPFALZ hat ausführlich über die detailreichen Vorbereitungen Ihrer Verwaltung und der Feuerwehr auf Notfälle wie Gasmangel und Stromausfall berichtet. Sind Sie stolz auf Ihre Mannschaft?
Absolut! So stolz, dass ich den Artikel schon beim Erscheinen in der Vorabendausgabe mit viel Lob an alle Akteure weitergeleitet habe. Wir sind da auf einem sehr guten Weg für ein im Ernstfall sicheres Bobenheim-Roxheim. Allerdings bedauere ich, dass jede Gemeinde da allein vor sich hinarbeiten muss. Wir könnten, glaube ich, ein bisschen mehr Führung durch den Rhein-Pfalz-Kreis gut gebrauchen.

Im Gemeinderat ist die Koalition von CDU, Grünen und FWG zerbrochen, die Ihnen seit 2019 doch hin und wieder das Bürgermeisterleben schwer gemacht hat. Sind Sie jetzt schadenfroh?
Die Koalition war schon kurz nach der Bürgermeisterwahl am Ende, als ihre wichtigste Gemeinsamkeit wegbrach. Nun, ein Jahr später, erfolgte nur noch der formale Akt. Ich bin froh, dass die meisten Ratsmitglieder inzwischen wieder zur Sacharbeit zurückkehrt sind, zum Wohle Bobenheim-Roxheims.

Für den Silbersee-Bebauungsplan kam 2021 von Rechts wegen das endgültige Aus. Gibt es Pläne, den Hotelbau auf der Scharrau durch einen neuen, naturschutzrechtlich unbedenklichen Bebauungsplan zu ermöglichen?
Pläne existieren noch nicht, dafür gab es aber schon mehrere gute Gespräche zwischen Eigentümerin, Politik und Verwaltung. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns in diesem Jahr mit dem Thema wieder öffentlich in den Gremien befassen werden.

Veranstalten Sie eigentlich noch den Wirtschaftstag, den Vereinstag und den Neugeborenenempfang?
Alle drei Formate sind 2023 wieder geplant.

Ist gern an der frischen Luft: Bürgermeister Michael Müller, seit 2014 im Amt.
Ist gern an der frischen Luft: Bürgermeister Michael Müller, seit 2014 im Amt.
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