Speyer / Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Falknerei „Birds of Prey“ gerettet: Neues Zuhause für Vögel im Spitzenrheinhof

Zwei ihrer Schützlinge: Thorsten und Courtney Iwersen halten Blaubussard Zeus und Ger-Lannerfalke Maxi auf dem Arm.
Zwei ihrer Schützlinge: Thorsten und Courtney Iwersen halten Blaubussard Zeus und Ger-Lannerfalke Maxi auf dem Arm.

Courtney und Thorsten Iwersen können ihr Glück noch nicht wirklich fassen. Ihre Falknerei „Birds of Prey“ stand kurz vor dem Aus. Jetzt haben sie ein Grundstück auf dem Spitzenrheinhof bei Speyer angeboten bekommen. Dort könnte ihr Traum wahr werden. Vorher müssen sie das Gelände aber noch aus dem Dornröschenschlaf wecken.

Als Courtney und Thorsten Iwersen zum ersten Mal am Eingang des Geländes im Spitzenrheinhof standen, dachten beide: „O Gott!“ Es war eine Mischung aus Unglaube und Glück. Denn vor ihnen lag eine 4610 Quadratmeter große Fläche mit 21 massiv gebauten Volieren. Das Grundstück ist zum Zeitpunkt ihres Besuchs bis zum Zauneingang zugewachsen, aber das Falkner-Ehepaar sieht das Potenzial, das dort schlummert.

Courtney und Thorsten Iwersen besitzen rund 20 Greifvögel – darunter Steinkauz Pumuckl, Ger-Lannerfalke Maxi, Schleiereule Olaf und Blaubussard Zeus. Zurzeit sind die Tiere auf einem Grundstück nahe dem ASV-Sportplatz in Waldsee untergebracht. Allerdings ist das gepachtete Gelände zu klein, die Kapazität reiche nicht, für das, was die beiden vorhaben.

Bei der Arbeit in einer der Volieren auf dem Gelände auf dem Spitzenrheinhof: (von links) Günter Iwersen, Courtney Iwersen, Dani
Bei der Arbeit in einer der Volieren auf dem Gelände auf dem Spitzenrheinhof: (von links) Günter Iwersen, Courtney Iwersen, Daniell Weber und Anne Iwersen.

Kunst mit Vögel zu Jagen

Courtney und Thorsten Iwersen, die in Schifferstadt wohnen, haben mit der Falknerei ihre Berufung gefunden. Die Falknerei gilt als Kunst mit Vögeln zu Jagen. Die Iwersens haben sich der Beizjagd, dem Greifvogelschutz und der Öffentlichkeitsarbeit für die stolzen Tiere verschrieben. Sie nehmen verletzte Greifvögel auf, pflegen sie und wildern sie wieder aus – genau wie die Vögel, die sie züchten, um so in der Natur eine genetische Vielfalt im Bestand zu fördern.

„Die Falknerei ist unser Traum. Dabei geht es vor allem um Naturschutz. Wir wollen Erwachsenen und Kindern einheimische Greifvogelarten wie den Rotmilan näherbringen, ihnen den Respekt vor der Natur vermitteln und Aufklärungsarbeit für die Falknerei leisten, die zum immateriellen Kulturerbe zählt“, sagt Thorsten Iwersen. Denn: „Was der Mensch nicht kennt, das schützt er nicht!“

Der 46-Jährige arbeitet hauptberuflich als ausgebildeter Lagerlogistiker. Seine eigentliche Leidenschaft ist aber sein Dasein als Falkner, wofür er einen Jagdschein brauchte und eine Prüfung ablegen musste. Iwersen engagiert sich ebenso im rheinland-pfälzischen Landesverband Deutscher Falkner, der derzeit rund 40 Mitglieder hat.

Platz für Vögel und Besucher

Das Gelände im Spitzenrheinhof haben sie nach einem RHEINPFALZ-Artikel angeboten bekommen. „Wir sind dankbar, dass der Enkel der Besitzerin auf uns zugekommen ist, uns das Grundstück für einen fairen Preis für zehn Jahre verpachtet wurde und wir auch ein Vorkaufsrecht haben“, freuen sich Thorsten und Courtney Iwersen. Der Vorbesitzer hielt ebenfalls Vögel.

Dem Falkner-Ehepaar schwebt vor, auf dem fast halben Hektar mit 21 Volieren und sechs bis sieben Isolationsvolieren eines Tages rund 50 Vögel mehrerer Arten zu halten. Dafür stehen sie bereits in Kontakt mit dem Veterinäramt. Thorsten Iwersen träumt zum Beispiel vom Rotmilan – ein Vogel, der als akrobatischer Flieger und für seine spektakulären Verfolgungsjagden bekannt ist. Platz ist vorhanden: Die zwei größten Volieren messen etwa 390 Quadratmeter, haben Unterschlupfmöglichkeiten und einen Teich. Zudem werden die Vögel auch auf dem Gelände frei fliegen können und weiter mit zur Jagd genommen.

Eine der größten Volieren: Sie misst rund 390 Quadratmeter.
Eine der größten Volieren: Sie misst rund 390 Quadratmeter.

Für die Besucher haben die Iwersens ebenfalls mehr Möglichkeiten als in Waldsee. Ziel ist, dass die Gäste die Tiere aus nächster Nähe kennenlernen und deren Magie spüren. „Wir planen Zoo-ähnliche feste Öffnungszeiten und wollen alle unsere Angebote wie den Greifvogelspaziergang sowie unsere Teilnahme an Kindergeburtstagen, Märkten und Veranstaltungen weiter verfolgen“, sagt die 41-Jährige.

Sie und ihr Mann haben vor, ihre Falknerei im Spitzenrheinhof Ende April zu eröffnen. Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun. Thorsten Iwersens Eltern und der Waldseer Daniell Weber helfen dabei, das Gelände freizuschneiden. Am Eingang liegt bereits ein riesiger Berg voller Grünzeug, darunter stachelige Ranken und Bambuspflanzen. Alles kommt später in einen Container der Firma Willersinn und Walter, der den Iwersens kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Anne und Günter Iwersen schneiden das Grünzeug klein und schieben es durch den Häcksler. Sie sind trotz ihres hohen Alters – Anne Iwersen ist 76 und Günter Iwersen 80 Jahre alt – mit Freude bei der Sache.

„Mit dem Gelände erfüllt sich unser Traum. Er ist aber mit viel Arbeit verbunden, die wir nicht scheuen. Wir wollen viel selbst machen, freuen uns aber über weitere helfende Hände und Sponsoren“, sagt Courtney Iwersen. Sie hat auch eine Spendenaktion ins Leben gerufen, damit die Falknerei im Spitzenrheinhof Wirklichkeit werden kann und sie Wildtieren weiter helfen können. Ziel sind 20.000 Euro.

Info & Kontakt

www.falknerei-birds-of-prey.de, E-Mail an falknereibirdsofprey@outlook.de, 0176 62238752.
Spenden unter www.spendenseite.de/falknerei-birds-of-prey/-67863

Der große Teich in der Mitte des Geländes. Es ist fast einen halben Hektar groß.
Der große Teich in der Mitte des Geländes. Es ist fast einen halben Hektar groß.
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