Waldsee / Otterstadt
Falknerei vermittelt Faszination für Greifvögel
„Jeder Vogel hat seinen eigenen Charakter“, sagt Courtney Kröner und fasst damit zusammen, was sie an Greifvögeln fasziniert. Die 40-jährige Integrationskraft für Kinder und ihr Lebensgefährte Thorsten Iwersen haben sich im vergangenen November nahe dem ASV-Sandplatz in Waldsee ihren Lebenstraum erfüllt: die kleine Falknerei Birds of Prey. Als Kind habe sie Angst vor allem gehabt, was fliegt, sagt Courtney Kröner. Heute hält die 40-Jährige die stattlichen Vögel ohne Scheu auf dem Arm. Die Angst habe ihr eine Falknerin im Sauerland genommen, erzählt Kröner. In deren Falknerei hat die fröhliche Frau gearbeitet, bevor sie Thorsten Iwersen traf und nach Waldsee kam. Der 45-Jährige ist seit 28 Jahren Jäger und hatte sein Schlüsselerlebnis 1994, als ihm ein Kollege einen Turmfalken auf den Arm setzte. Seitdem kommt der zurückhaltende Mann, der ausgebildeter Facharbeiter in der Lagerlogistik ist, nicht mehr von den Tieren los.
Auf dem Grundstück Im Neuroth in Waldsee halten die beiden nebenberuflich 16 Greifvögel – vom Steinkauz über die Schleiereule bis hin zum Blaubussard. Die Tiere leben in Volieren beziehungsweise dürfen auch frei fliegen, sagt Courtney Kröner. Ihr Lebensgefährte ist Falkner – Voraussetzung dafür war ein gültiger Jagdschein und eine Falknerprüfung. „Man nennt das ganze auch das grüne Abitur“, sagt Courtney Kröner und zählt auf, dass es in dem Lehrgang nicht nur um die Greifvögel, sondern unter anderem auch um Biologie, Waffenkunde, Naturschutz und Biotoppflege gehe.
Vom Aussterben bedroht
Da die Voraussetzungen und die Haltung der Tiere sehr anspruchsvoll sind, sei die Falknerei vom Aussterben bedroht. Sie ist immaterielles Kulturerbe, sagt der 45-Jährige, der Mitglied im Verband Deutscher Falkner Rheinland-Pfalz ist. Er geht mit seinen Tieren auch auf die Jagd. Blaubussard Zeus jage Kaninchen, könne es aber ebenso auf einen Jungfuchs absehen. Bis die Greifvögel, die bei Iwersen und Kröner aufwachsen, soweit sind, ist Training notwendig. „Es gibt Vögel, die können das in sechs Wochen, bei anderen dauert es zwei Jahre“, sagt Courtney Kröner und ihr Lebensgefährte betont, dass die Tiere das Tempo bestimmten.
Der Moment, wenn der Vogel bei der Beizjagd von der eigenen Faust startet und seine Beute fängt sei ein erhabenes Gefühl. „Falknerei ist die Kunst mit den Vögeln zu jagen“, sagt Thorsten Iwersen. Er und Kröner wollen die Magie, die diese Tiere ausstrahlen – nicht nur bei der Jagd, sondern auch im ruhenden Zustand – vielen Menschen nahebringen. Daher betreiben sie Öffentlichkeitsarbeit für die Falknerei und vermitteln Menschen vom Kleinkind- bis zum Seniorenalter die Nähe zu den Tieren. Dafür bieten sie Vorführungen auf Geburtstagen und Spaziergänge an und besuchen Mittelaltermärkte, Schulen und Kindergärten.
Kinder sind begeistert
Zuletzt waren Thorsten Iwersen und Courtney Kröner in der Otterstadter Kindertagesstätte Abenteuerland, die Wert auf tiergestützte Pädagogik legt. „Wir sind eine tieraffine Kita“, sagte Leiterin Stephanie Emering und erzählte von Hunden und Hühnern, die bereits in der Einrichtung waren und durch die die Kinder den respektvollen Umgang mit Tieren lernen.
Etwa 20 Kinder saßen auf dem Rasen hinter dem Kita-Gebäude und staunten nicht schlecht, als Iwersen und Kröner nacheinander den 170 Gramm leichten Steinkauz Pumuckl, die diesen April geborene Schleiereule Olaf, den Wüstenbussard Mordet aus Mexiko und den rund 1,6 Kilogramm schweren Blaubussard Zeus zeigten. Courtney Kröner erklärte den Ein- bis Sechsjährigen kindgerecht die Eigenschaften dieser Tiere und deren Besonderheiten. Schleiereule Olaf schlafe tagsüber zum Beispiel nicht, weil er bei ihnen aufgewachsen und an den menschlichen Schlafrhythmus gewohnt sei. Denn normalerweise sind Eulen nachtaktive Tiere. Wüstenbussard Mordet, den Kröner ab und zu als Diva bezeichnet, darf auch ohne die Lockschnur fliegen. Zur Sicherheit hat er einen Sender, anhand dessen ihn der Falkner wiederfinden kann. „Aber Mordet kommt immer wieder und gerne zurück“, sagte Kröner, die den Kindern auch noch mitgab, dass Greifvögel eigentlich faule Tiere seien, die nur fliegen, wenn sie Hunger haben.
Kontakt & Termin
- Weitere Infos zu Birds of Prey und Buchung unter 0176 61681762 oder per E-Mail an die Adresse falknereibirdsofprey@web.de
- Am Samstag, 15. Oktober, ab 11 Uhr bis 17 Uhr lädt die Falknerei Birds of Prey, Im Neuroth, in Waldsee zum offenen Falknereinachmittag ein. Eintritt: fünf Euro.