Heßheim RHEINPFALZ Plus Artikel Es war einmal ein Wirtshaus: „Zur Lokalbahn“ in Heßheim

Die Ansichtskarte, datiert 25. Februar 1915, zeigt einen Teil der Heßheimer Hauptstraße mit der Gaststätte Zur Lokalbahn. Die fo
Die Ansichtskarte, datiert 25. Februar 1915, zeigt einen Teil der Heßheimer Hauptstraße mit der Gaststätte Zur Lokalbahn. Die fotografische Aufnahme war damals eine kleine Sensation, deshalb postierten sich so viele Menschen vor der Gaststätte.

Ein Haus mitten in der Heßheimer Hauptstraße kann seine Geschichte eng mit der einstmals durch den Ort führenden Lokalbahnlinie verbinden. Es war ein Wirtshaus.

Schon 1837 war im Urkataster auf der östlichen Seite der Hauptstraße ein Wirtshaus ausgewiesen, damals im Besitz von Friedrich Reich. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde im Hof ein Saalbau für festliche Anlässe und Tanzvergnügen errichtet. Als ab 1891 die Lokalbahn durch Heßheim fuhr und die Haltestelle – einen richtigen Bahnhof gab es nicht – unmittelbar an diesem Wirtshaus lag, wurde dort ein kleiner Nebenraum mit Fahrkartenschalter und Wartebänken ausgestattet. Stationsvorsteher war D. Hammel, der mit seiner Familie (ab etwa 1905 wird seine Witwe als Besitzerin genannt) gleichzeitig die Wirtschaft führte, die den Namen Zur Lokalbahn bekam. Ab 1908/09 wurde Adolf Gögel neuer Besitzer.

Diese Ansichtskarte von 1917 zeigt die Veranda des Tanzsaals.
Diese Ansichtskarte von 1917 zeigt die Veranda des Tanzsaals.

In den 20er-Jahren wechselte Gögel sein Domizil und nahm die Haltestelle mit auf die gegenüberliegende Straßenseite, etwa 80 Meter in Richtung Süden. Die Gaststätte am ursprünglichen Platz behielt allerdings auch unter ihrem neuen Besitzer Heinrich Gerhard den Namen Zur Lokalbahn.

Zeitweise „Braunes Haus“

Gerhard ließ sich im Dritten Reich dazu verleiten, den traditionsreichen Namen seiner Gaststätte zu kappen. Sie hieß fortan bis zum Ende der Naziherrschaft Gasthaus zum Braunen Haus. Eine Ansichtskarte von 1940 zeigt die neue Aufmachung des Gebäudes mit Hakenkreuzen an der Fassade und Hakenkreuzfähnchen draußen auf den Tischen.

Im Dritten Reich hieß das Lokal Gasthaus zumBraunen Haus und war reich an Hakenkreuzen.
Im Dritten Reich hieß das Lokal Gasthaus zumBraunen Haus und war reich an Hakenkreuzen.

Die Gaststätte überstand den Krieg und war – jetzt wieder als „Lokalbahn“ – im rückwärtigen Gebäude, wo sich auch der Tanzsaal und die Kegelbahn befanden, ein Anlaufpunkt insbesondere für die jüngere Bevölkerung. Die Räume zur Hauptstraße hin wurden nun anderweitig genutzt: zuerst für einen Konsumladen, dann für eine Reinigung und schließlich für die Lotto-Annahmestelle von Annemarie Butsch. Ende der 1970er-Jahre wurde die Gaststätte aufgegeben. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts übernahm Heidemarie Renner die Lottoannahme. Sie integrierte die ehemaligen Gasträume und etablierte ein schnuckeliges Schreibwarengeschäft, das noch immer dort beheimatet ist.

Die Serie

Tanzsäle, Gastwirtschaften und Dorfkneipen waren früher äußerst wichtig für das Dorfleben. Die meisten wurden nach und nach aufgegeben. In der Serie „Es war einmal ein Gasthaus“ erinnern wir an solche Lokale im Frankenthaler Umland, an ihre Geschichten und Traditionen sowie an die Menschen hinterm Tresen.

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