Gerolsheim
Gasthaus „Zur Krone“: Wann de Bu Bier vum Bimbes holt
Helga Weigel hat bis vor gut 25 Jahren zusammen mit ihrem Mann Emil in mindestens dritter Generation die Gerolsheimer Metzgerei in der Römerstraße betrieben. Darauf deutet auch die Dorfchronik hin, die für das Jahr 1882 einen Antrag auf Neubau einer Wirtschaft erwähnt. Die Gerolsheimer Egon Suter und Berthold Weyrauch erzählen von der Zeit nach dem Krieg, als es in Gerolsheim hieß: „Wir gehen zum Bimbes.“ Oder: „Bu, geh zum Bimbes und hol’ Bier!“
Mit Bimbes war der Vater von Emil Weigel gemeint. Der Bu war damals der kleine Egon Suter und das Bier holte er im Steinkrug per Knopfdruck. „Ich ging damals zum Tresen, drückte auf den Knopf und der Bruder vom Bimbes, der Siegfried, gab mir das Bier durch die Durchreiche“, erzählt Suter. Das gezapfte Bier stammte von der damaligen Grünstadter Brauerei Jost. Für die Kinder gab es die seinerzeit begehrte Limo namens Sinalco.
Berühmt für Leberknödel und Rumpsteak
Gekocht hat in der „Krone“ abends „die Madame“, erzählt Altbürgermeister Erich Weyer. Das war die Mutter von Emil, die für ihre Leberknödel, Hausmacher Wurstplatten oder ihre legendären Rumpsteaks über Gerolsheim hinaus bekannt war. Kerwetradition war es damals, sich samstags die Leberknödel in der „Krone“ für daheim zu holen. Und was die drei Gerolsheimer sonst noch wissen: Samstags trafen sich die Dorfhonoratioren nach getaner Arbeit in der Gaststätte. Zum gepflegten Bier wurden jedes Mal mehrere Runden Schafkopf gespielt. Bei der Feuerwehr hieß es nach jeder Übung, noch in der „Krone“ einzukehren. „Und weißt du noch: Nach der Jagd waren die doch auch alle bei Weigels zum Essen.“ So 150 erlegte Hasen und einige Rebhühner waren bei einer Jagd damals keine Seltenheit.
Noch sehr präsent sind den drei Männern im Rentenalter die Räumlichkeiten der „Krone“. Zum Hoftor sei man reingegangen, auf der einen Seite war die Tür zum Metzgerladen und hinten ging’s zu den Pissoirs. Der erste Fernseher in Gerolsheim soll in der Turnhalle gestanden haben, aber pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft 1954 war die „Krone“ auch so weit, und die Gaststättenbesucher bejubelten vor dem Schwarz-Weiß-Gerät den Sieg der deutschen Nationalmannschaft. Seit diesem Ereignis nutzten die Männer aus Gerolsheim jede Gelegenheit, um gemeinsam in der „Krone“ Fußball zu gucken.
Schubkarrenrennen von Lokal zu Lokal
Ein jährliches Dorfereignis, an das sich Egon Suter noch gerne erinnert, war das Schubkarrenrennen. „Gestartet wurde beim TuS, die erste Etappe war bis zur ,Krone’, die zweite bis zur ebenfalls in der Römerstraße ansässigen ,Jägerlust’.“ Etappe drei endete am Gasthaus Schmahl in der Hauptstraße. Dass bei jedem Etappenziel ordentlich „getankt“ werden musste, verstand sich von selbst, ergänzt Weyrauch. Nicht eindeutig nachvollziehen lässt sich heute, wie viele der weiteren acht Gaststätten in Gerolsheim damals noch angesteuert wurden. Heute ist davon nur noch die des Turn- und Sportvereins übrig.
Die Serie
Tanzsäle, Gastwirtschaften und Dorfkneipen waren früher äußerst wichtig für das Dorfleben. Die meisten wurden nach und nach aufgegeben. In der Serie „Es war einmal ein Gasthaus“ erinnern wir an solche Lokale im Frankenthaler Umland, an ihre Geschichten und Traditionen sowie an die Menschen hinterm Tresen.


