Bobenheim-Roxheim
Das wird die Gemeinde 2022 beschäftigen
Auf die Fertigstellung des Mehrfamilienhauses im Südring blickt „Bauherr“ Michael Müller mit Zufriedenheit zurück. Die 24 Wohnungen für Menschen mit eher geringem Einkommen wurden im Februar bezogen und sind ein Beitrag, die Wohnungsnot in Bobenheim-Roxheim zu mildern. „Das dürfte aber wohl nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein gewesen sein“, meint der Bürgermeister. „Die Nachfrage ist riesig, aber nicht bedienbar.“
Deswegen bedauert er, dass sich beim Bürgerentscheid im September die Mehrheit der Wähler gegen ein Neubaugebiet südlich der Einkaufsmärkte ausgesprochen hat. „Mittelfristig ist dadurch keine Gemeindeentwicklung möglich“, sagt Müller. Und dass junge Bobenheim-Roxheimer mangels Wohnraum oder Bauplätzen wegziehen, schmerze ihn sehr. Was die Pläne für eine Ortsumgehung betrifft, so sei mit dem Bürgerentscheid die große Umfahrung vom Tisch und die Realisierung der kleinen Lösung sehr fraglich. Eventuell ziehe sich das Land auf den Standpunkt zurück: lieber noch mal drei, vier Jahre abwarten, ob es beim Nein zum Baugebiet bleibt. Und in der Zeit würden woanders Entlastungsstraßen gebaut, befürchtet der 51-Jährige.
Gefragt nach den wichtigsten Projekten im neuen Jahr, nennt Müller als erstes den Kampf gegen den vom Wormser Flugplatz verursachten Fluglärm über der Gemeinde. Durch die Kündigung der Pachtverträge haben er und der Gemeinderat die Stadt Worms endlich an den Verhandlungstisch geholt. 2022 soll sich „hörbar“ etwas ändern. Jedoch: Über die Verlegung der Platzrunde für Flugschüler hätten allein übergeordnete Luftfahrtbehörden zu befinden.
Viele Projekte sind schon angestoßen worden
Weitere Vorhaben, die bereits angestoßen wurden und im Laufe des Jahres umgesetzt werden sollen, sind die Erstellung eines Starkregenvorsorgekonzepts, Belüftungsanlagen für Schulen und Kindergärten, Fotovoltaik auf Gemeindedächern und ein Carsharing-Angebot für die Bürger. „Die begonnene Erweiterung und Sanierung der Rheinschule wird vorangehen, und auf privatem Gelände soll eine Tagespflege-Einrichtung entstehen“, so Müller. Mit Blick auf den Bobenheim-Roxheimer Nachwuchs kündigt er Konzepte für die Kindergartenentwicklung und die Spielplätze sowie die Sanierung des Jugendzentrums an.
Strittig ist, wie es am Silbersee weitergehen soll, nachdem das Oberverwaltungsgericht 2020 den Bebauungsplan gekippt hat. Hotelbau, Umweltschutz, Wassersport, Naherholung und Badebetrieb: Die Meinungen, was an dem Gewässer möglich sein oder Vorrang haben sollte, gehen teils weit auseinander. Nicht nur unter den Bürgern und Akteuren, auch im Gemeinderat. Michael Müller weist auf die seit dem Frühjahr ausstehende Entscheidung über zwei Bauanträge hin: „Genehmigt die Kreisverwaltung die Bewirtung und eine Toilettenanlage am Badestrand, sehe ich in einem ersten Schritt zumindest die Bewirtschaftung dort gesichert.“
„Attraktiver Wirtschaftsstandort“
Außer Problemen und Baustellen sieht der seit acht Jahren amtierende Bürgermeister aber auch viele Stärken der Gemeinde, zum Beispiel die gute Verkehrsanbindung, die vielfältigen Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten, die Naturschutzgebiete sowie die seiner Ansicht nach modernen Schulen und Kindergärten. „Und der Ort ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort“, ist sich Müller sicher. Er hat nachgeschaut und (Stand Dezember 2020) in der Statistik 2350 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gefunden.
Was wünschen Sie sich im kommenden Jahr für Deutschland? Auf diese redaktionelle Frage, deren Antwort ohne den allgegenwärtigen Corona-Bezug auskommen soll, sagt Michael Müller: „Ich wünsche mir das notwendige Maß an Harmonie, gegenseitige Achtsamkeit, Toleranz und Verständnis für das Handeln anderer; egal, ob im politischen, gesellschaftlichen oder zwischenmenschlichen Bereich. Und ich hoffe in diesem Zusammenhang insbesondere auf ein Ende von Hass und Hetze – im Netz, auf den Straßen und im täglichen Umgang untereinander.“
Die Serie
In der Serie „Was war, was kommt“ blicken wir gemeinsam mit den Bürgermeistern kurz auf das Jahr 2021 zurück und etwas länger auf das, was 2022 so ansteht in den Dörfern des Frankenthaler Umlands.