Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fluglärm: Gemeinde lässt Landeplatzbetreiber nicht aus der Verantwortung

Die Bobenheim-Roxheimer sind vom Lärm über ihren Häusern genervt. Solche Tragschrauber sind besonders laut.
Die Bobenheim-Roxheimer sind vom Lärm über ihren Häusern genervt. Solche Tragschrauber sind besonders laut.

Und sie bewegt sich doch, die Flugplatz GmbH Worms. Nachdem ihr die Gemeinde Bobenheim-Roxheim einen Geländepachtvertrag gekündigt hat, haben Vertreter des Unternehmens nun in Sachen Fluglärm ein paar Verbesserungsvorschläge gemacht. Dem Gemeinderat gehen sie allerdings nicht weit genug.

Geschäftsführer Michael Baumann, Betriebsleiter Alexander Möller und der künftige Flugplatzchef Reinhard Ritter von der Firma The Pilot Factory (TPF) haben am Donnerstag den Gang nach Canossa angetreten und die Mitglieder des Bobenheim-Roxheimer Gemeinderats darum gebeten, ihre Entscheidung von Ende September zu überdenken. Denn wenn der Mietvertrag für Teile des Flugplatzgeländes tatsächlich auslaufe, müsse man am 1. Januar den Betrieb stilllegen.

„Vielleicht hat es diesen Schuss gebraucht“, räumte Baumann ein, als er von Ratsmitglied Hans-Georg Löcher (FWG) gefragt wurde, warum die drei Herren erst jetzt, nach der Kündigung, auf die massiven Bürgerproteste wegen der vielen Flüge über den Ort und des damit verbundenen Lärms reagierten. Von ihrem Standpunkt, für solche Beschwerden nicht zuständig zu sein, rückten Baumann, Möller und Ritter aber nicht ab.

Verstöße von Piloten, die beispielsweise von der vorgeschriebenen An- und Abflugroute oder Flughöhe abweichen, könnten nur von der Landesluftfahrtbehörde geahndet werden. An diese sollten die Einwohner ihre Beschwerden schicken. Bürgermeister Michael Müller (SPD) stellte eine Frage, die unbeantwortet blieb: Warum die Geschäftsführung oder die Stadt Worms denn nicht ein bisschen kreativ werden könne und – etwa mit einem Formular auf ihrer Internetseite – den Bürgern helfe, den richtigen Adressaten anzusprechen.

Was geht und was nicht geht

Die vor mehr als 50 Jahren festgelegte Flugplatzrunde, die längst über bewohntes Gebiet führt, weil in Bobenheim-Roxheim seitdem etliche Siedlungen entstanden sind, kann laut Baumann keinesfalls mit der Runde für Segelflieger getauscht werden, weil es bei Starts und Landungen gefährlichen Kreuzungsverkehr geben und weil der motorisierte Verkehr die Wormser Innenstadt schneiden würde, was nicht genehmigungsfähig sei. Auch dürfe der Verkehrslandeplatz Worms als öffentliche Einrichtung nicht einzelnen Piloten oder ganzen Luftfahrzeugklassen die Nutzung verbieten. Im Gegensatz zu Sonderlandeplätzen haben Verkehrslandeplätze eine Betriebspflicht und müssen während ihrer Öffnungszeiten der allgemeinen Luftfahrt zur Verfügung stehen.

Ein paar Zugeständnisse konnten die Flugplatzvertreter dann aber doch anbieten. So könnten sie beantragen, dass die Platzrunde nach Süden unterhalb des Silbersees verlegt und für Hubschrauber verkleinert wird. Dieses Genehmigungsverfahren benötige allerdings Zeit. An Bürgermeister und Gemeinderat richten sie deshalb die Bitte, „uns diese Zeit zu gewähren und einen Mietvertrag wenigstens für die Dauer eines Jahres abzuschließen“.

Mit einer Erhöhung der Landegebühren könnte TPF als künftiger Pächter des Wormser Flugplatzes diesen unattraktiver für Flugschüler machen, sodass er vielleicht nicht mehr so oft angeflogen würde. Auch das bedürfe einer Genehmigung, ebenso die Einschränkung der Platzrundennutzung für Schulungsflüge. Und schließlich könnte noch die Transponderpflicht etwas bewirken. Sie könnte per Antrag auf den Wormser Platz ausgeweitet werden. Die Hoffnung dabei: Wenn alle Maschinen mittels Transponder automatisch Daten an die Deutsche Flugsicherung senden, kann das Fehlverhalten von Piloten nachträglich erkannt und sanktioniert werden.

Gemeinde will mit harten Bandagen kämpfen

Was halten nun die „Entscheider“, die Ratsmitglieder, von diesen Vorschlägen? Das bleibt geheim, denn der wichtigste Teil der Beratung fand aus Datenschutzgründen hinter der verschlossenen Jahnhallentür statt. Zuvor hatten die Politiker Fragen stellen oder Bitten äußern dürfen, zum Beispiel, dass eine neue Platzrunde die Naturschutzgebiete nicht beeinträchtigt, so Matthias Vettermann (Grüne). Aus dem nicht öffentlichen Teil der Sitzung berichtet Bürgermeister Müller nur so viel: „Es wurde lange diskutiert und am Ende einstimmig beschlossen, dass weiterverhandelt wird und wir mit harten Bandagen weiterkämpfen.“ Am Montag soll das nächste Gespräch mit den Flugplatzbetreibern geführt werden.

Bevor sich das Gremium zurückzog, hatte einzig die SPD-Fraktion öffentlich ihre Haltung in der Fluglärmfrage verkündet. In der von Rainer Schiffmann vorgelesenen Stellungnahme heißt es unter anderem, man wolle an der Pachtvertragskündigung festhalten und den Betrieb allenfalls noch dulden, „bis die zurzeit noch offenen Fragen geklärt sind“. Auf jeden Fall aber fordern die Sozialdemokraten, dass es keine Platzrunden mehr über bewohntem Gebiet und an Wochenenden gibt.

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