Bobenheim-Roxheim
Sozialwohnungen nächste Woche bezugsfertig
Auch wenn es nur um Wohnraum für finanziell nicht gut betuchte Menschen geht, so könnte man das dreistöckige Gebäude am sogenannten Globus-Kreisel doch als ein Prestigeobjekt bezeichnen. Denn mit dem Willen, dass die Gemeinde selbst und nicht irgendein Investor dringend benötigte Wohnungen baut, hat der Bobenheim-Roxheimer Gemeinderat eine Art Vorbildrolle eingenommen.
Mit zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen fiel im Herbst 2017 der Beschluss allerdings nicht einhellig. Und auch im weiteren Verlauf gab es Kritik, vor allem aus den Reihen der CDU, weil die erste grobe Kostenschätzung der Realität nicht standhielt und die Investition den Gemeindehaushalt auf Jahre belasten wird.
Rund vier Millionen Euro – noch ist nicht alles abgerechnet – wird das Projekt mit allem drum und dran nun kosten. Davon werden knapp 2,3 Millionen Euro mit einem zinsgünstigen Kredit der Investitions- und Strukturbank finanziert, der laut Thomas Krauß nur zu 90 Prozent getilgt werden muss. Dafür verpflichtet sich die Gemeinde, 20 Wohnungen 25 Jahre lang nur Menschen mit geringem Einkommen zur Verfügung zu stellen. Die restlichen vier Wohnungen wurden an Mitarbeiter der Gemeinde vergeben. Sie zahlen pro Quadratmeter laut Krauß ungefähr einen Euro mehr als die Bewohner mit Wohnberechtigungsschein, für die eine Miete von 5,10 Euro pro Quadratmeter gilt.
Ausgewogenen Mieter-Mix angestrebt
Knapp 80 Bewerber hat es laut Krauß gegeben. Ihre Chancen bemaßen sich nach einem Punktesystem, das zweierlei zum Ziel hatte: diejenigen zu bedienen, die so eine Sozialwohnung dringend brauchen, und eine gute Mischung der Bewohner hinzubekommen. Demnach ziehen in die Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen mit Balkon oder Terrasse sowohl Alte wie Junge, Alleinstehende und Familien, Einheimische und Migranten, behinderte und nicht behinderte Menschen ein. Barrierefrei sind laut Architekt alle Wohnungen, zwei im Erdgeschoss sind darüber hinaus auch rollstuhlgerecht.
Die Mischung innerhalb der Hausgemeinschaft sei die große Herausforderung bei der Planung gewesen, sagt Christopher Diehl vom Hochdorf-Assenheimer Büro Diehl Architekten. Soll heißen: Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bewohnertypen machten unterschiedliche Wohnungsgrößen und Zuschnitte notwendig, aber gleichzeitig sollte das noch wirtschaftlich darstellbar sein. „Deshalb sind die Tragstrukturen des Hauses einheitlich“, sagt Diehl. Die Vielfalt sei nur durch geschickte Grundrissplanung entstanden.
Hört man drinnen den Verkehr?
Vor allem hell sollten die mit Vinylboden und Fußbodenheizung ausgestatteten Wohnungen sein, und das ist selbst im Dachgeschoss mit seinen Schrägen gut gelungen. Die meisten Bäder allerdings haben kein Tageslicht. Das in klassischer Bauweise errichtete Haus wird mittels Wärmepumpe und Gaskessel für Spitzenlasten geheizt, auf dem Dach liegt eine Fotovoltaikanlage. „Und durch die Gliederung der Fassade wirkt das Gebäude nicht wie ein Klotz“, sagt Diehl.
Was angesichts der Lage an einem viel befahrenen Knotenpunkt sicher viele interessiert: Wie laut hört man den Autoverkehr auf der Frankenthaler Straße, im Kreisel und auf der Zufahrt zum Globus-Markt? Die Antwort: Den hört man so gut wie gar nicht. Sofern man bei geschlossenem Fenster in einem „schutzbedürftigen Raum“ wie dem Schlafzimmer steht. Laut Christopher Diehl sind in dem Mehrfamilienhaus unterschiedliche Fensterverglasungen zum Einsatz gekommen.
Er und Bürgermeister Michael Müller (SPD) freuen sich, dass beim Bau seit Mai 2019 kein Unfall passiert sei und es keinen Ärger mit der Nachbarschaft gegeben habe. Traurig ist Müller jedoch, dass wegen Corona keine Einweihung stattfinden kann. „Vielleicht können wir hier im Sommer ein Fest feiern.“