Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bekommt Lambsheim einen Cannabisclub?

Am 1. April ist das Cannabisgesetz in Kraft getreten, und seit 1. Juli dürfen bestimmte Vereinigungen die Pflanzen anbauen.
Am 1. April ist das Cannabisgesetz in Kraft getreten, und seit 1. Juli dürfen bestimmte Vereinigungen die Pflanzen anbauen.

Seit dem 1. Juli ist es in Deutschland den Cannabis Social Clubs (CSC) erlaubt, Cannabis anzubauen. Theoretisch. Denn in der Praxis hat bisher kaum ein Verein eine Lizenz. Unter denen, die auf eine positive Zusage warten, sind Bürger aus Lambsheim.

Ein Vorsitzender, eine Schatzmeisterin und sieben Mitglieder. In dieser Konstellation hat sich im Mai in Lambsheim ein neuer Verein gegründet. Und der könnte für reichlich Gesprächsstoff in dem über 7000 Einwohner großen Dorf sorgen. „Cannabis Club Green Love“ trägt die Liebe zum Grün bereits im Namen und könnte der erste CSC im nördlichen Rhein-Pfalz-Kreis werden. Aktuell ist es jedoch eine Liebe auf Stand-by, denn etwas Entscheidendes fehlt: die Lizenz zum Anbau, die vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV) vergeben wird.

Den Antrag auf Erlaubniserteilung einer Anbauvereinigung konnten Cannabisclubs erst ab 1. Juli einreichen, jetzt sitzen sie auf heißen Kohlen. „Ich rechne in wenigen Wochen mit einer Rückmeldung“, sagt Gürhan Sakalli Ende Juli. Der 35-jährige Lambsheimer ist Vorsitzender des Cannabisclub Green Love. Hinter ihm liegt ein langer Weg der Vorbereitung, bis er den Antrag für eine Lizenz beim LSJV eingereicht hat. „Wir arbeiten seit etwas mehr als einem Jahr daran“, so Sakalli. „Man braucht Ehrgeiz dafür, es war ein stetiges Auf und Ab“, kommentiert Nadine Sakalli den Werdegang des Vereins von der Idee bis zur Gründung sowie die politische Diskussion auf Bundesebene bis zur finalen Legalisierung. Die 31-Jährige ist die Schwägerin von Gürhan Sakalli und Schatzmeisterin im Lambsheimer Cannabisclub.

Hohe rechtliche Hürden

Wie viel die beiden in das Projekt bereits investiert haben, wird deutlich, als Gürhan Sakalli über eine Online-Akademie berichtet, bei der er sich weiterbildet und vorbereitet.

„Das ist ein Team aus Anwälten, die sich mit dem Cannabisgesetz auskennen und uns schulen“, erklärt er. Dabei gehe es um verschiedenste Aspekte, von der Gründung eines Clubs bis hin zur rechtlichen Sicherheit. Allein dafür habe er rund 11.000 Euro investiert.

Nadine Sakalli will zudem in den nächsten Wochen ein staatlich anerkanntes Zertifikat für eine Präventionsbeauftragte einer Anbauvereinigung erwerben – eine weitere Vorschrift des 44 Paragrafen umfassenden Konsumcannabisgesetzes. Der Vorstand muss einen derartigen Präventionsbeauftragten ernennen. „Ich will auch Ansprechpartnerin im Club für Betroffene sein“, sagt sie zum Thema Suchtgefahren. Dass die Anforderungen an den Betrieb eines solchen Clubs hoch seien, sei zwar anstrengend, aber der Vereinsvorstand sieht es positiv. „Es ist gut, dass die Anforderungen so hoch sind“, meint Nadine Sakalli. Und ihr Schwager pflichtet ihr bei: „In den Clubs wird das Cannabis von Laboren kontrolliert, die Produktion ist steril. Die Qualität ist im Gegensatz zu einem illegalen Straßenverkauf gesichert“, wirbt Gürhan Sakalli für das Konzept. Auch wenn Experten öffentlich Zweifel daran haben, dass die CSC den illegalen Cannabiskonsum beenden, glaubt der Vereinsvorsitzende an das Konzept: „Der Straßenverkauf wird dadurch aussterben.“

Nach Angaben des LSJV sind vier Mitarbeiter für die Bearbeitung der Anträge zuständig. Bis zum 13. August seien 17 Anträge auf Erlaubniserteilung für den Betrieb einer Cannabis-Anbauvereinigung, wie es offiziell heißt, eingegangen. Bislang habe es weder eine Erlaubniserteilung oder eine Ablehnung gegeben. Ziel sei es, die Bearbeitung drei Monate nach Eingang aller erforderlichen Unterlagen abzuschließen. Dies hänge auch von der Zusammenarbeit mit den Antragstellern ab. Schnell zu sein, ist für die Antragsteller womöglich ein Vorteil. Denn es gibt eine Deckelung: Es darf nur eine Anbauvereinigung je 6000 Einwohner in einem Landkreis geben. Für den Rhein-Pfalz-Kreis gibt es derzeit lediglich zwei Anträge beim LSJV.

Vereinigung braucht eine Adresse

Eine der vielen Anforderungen für die Lizenz sei, dass der Verein eine Adresse für das Clubhaus nennen könne. „Wir haben bereits eine Location in Aussicht“, sagt der Vereinsvorsitzende, ohne Details zu nennen. Das Risiko, etwas zu mieten oder zu kaufen, bevor die Zusage vom Land da ist, wollte er nicht eingehen. Ob der Verein deshalb tatsächlich in Lambsheim ein Clubhaus bekommen wird, ist deshalb nicht sicher. „Es ist angesichts der gesetzlichen Anforderungen nicht ganz leicht, etwas Geeignetes zu finden“, sagt Gürhan Sakalli. Er bezieht sich dabei unter anderem auf die Regel, dass ein 200-Meter-Abstand zu Jugend- und Kindereinrichtungen eingehalten werden muss.

„Es sind noch viele Fragen offen“, meint er. Der Lambsheimer wolle das Projekt aber „ohne Druck professionell aufbauen“. Schritt für Schritt. So plant er derzeit mit einer Vereinsgröße von bis zu 100 Mitgliedern – gesetzlich erlaubt wären 500. Rund 50 potentielle Mitglieder gibt es nach Angaben der Schatzmeisterin bereits für Green Love.

Erfahrung mit CBD-Shops

Eine weitere Frage lautet: Wo baut man die Pflanzen an? „Möchte man verschiedene Sorten anbieten für 50 bis 100 Mitglieder, dann braucht man eine Fläche von 300 bis 400 Quadratmetern“, erklärt der Vorsitzende. Eine geeignete Halle für den Anbau müsse ihm zufolge zwar in Deutschland, aber nicht zwingend in Lambsheim stehen.

Dass die Sakallis Ahnung von der Materie haben, kommt nicht von ungefähr. Bruder Muammer Sakalli betreibt in Frankenthal und Grünstadt CBD-Shops, also Geschäfte, in denen Produkte mit Cannabidiol verkauft werden – jenem Wirkstoff aus der Hanfpflanze, der im Gegensatz zu THC keine berauschende Wirkung hat und nicht als Betäubungsmittel gilt. Aufgrund der Expertise rund um CBD haben die Brüder Wissen und Kontakte in der Branche, die nun auch für die Führung des Vereins von Nutzen sein können. Die Verbindung haben sie im Namen kenntlich gemacht, denn auch die CBD-Shops heißen Green Love.

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