Grünstadt Zwei Cannabis-Geschäfte eröffnen in der Fußgängerzone
Zunächst wirkt es ungewohnt für Pfälzer Augen, das Erscheinungsbild des neuen Ladengeschäfts in der Grünstadter Fußgängerzone: Ein großes, grünes Hanfblatt ist im Logo von „Green Love“ zu sehen. Drinnen ist auch alles in Grün gehalten, in der Mitte der Verkaufsfläche steht ein großer, futuristischer Tresen. Darauf, in Schraubgläsern sortiert, finden sich Produkte, die auf den ersten Blick wie Marihuana und Haschisch aussehen – und auf den zweiten auch.
Bei Marihuana handelt es sich um die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze, lateinisch „Cannabis“, Haschisch ist das gepresste Harz. Und so viel anders sind die Produkte nicht, die da in den Schraubgläsern liegen. Nadine und Muammer Sakalli, die „Green Love“ betreiben, nennen die Produkte aber lieber „Aromablüten“.
Ohne berauschende Wirkung
Im Gegensatz zu herkömmlichem Marihuana und Haschisch fehlt den Aromablüten der Wirkstoff, der für die berauschende Wirkung zuständig ist: Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Stattdessen enthalten die Produkte, die man in Grünstadt kaufen kann, Cannabidiol, kurz CBD. Dem Wirkstoff sagt man entkrampfende, entzündungshemmende und angstlösende Eigenschaften nach.
Anders als THC fällt CBD nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, das in Deutschland den Umgang mit Drogen (außer Alkohol, Nikotin und Koffein) regelt. Ganz so klar ist die Situation aber nicht. Die saarländische Polizei hat im vergangenen Jahr mehrere CBD-Läden geräumt und ein mündliches Verkaufsverbot ausgesprochen. Der Bundesgerichtshof urteilte, ebenfalls im vergangenen Jahr, dass CBD verkauft werden könne, sofern sichergestellt sei, dass sich niemand daran berausche.
Auch die Sakallis haben schon gespürt, wie unklar die Rechtslage ist, berichten sie. Es seien teilweise schon Bestellungen nicht angekommen, die sie geordert haben. Die Vermutung: Der Zoll könnte sie beschlagnahmt haben.
Cannabis eventuell bald legal
Lange dürfte die Rechtslage nicht mehr unklar sein, wenn der Bundestag das umsetzt, was sich die Ampel-Regierung in den Koalitionsvertrag geschrieben hat. Dort heißt es: „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein. Dadurch wird die Qualität kontrolliert, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet.“
Über dieses Gesetzesvorhaben haben sich Nadine und Muammer Sakalli natürlich auch schon Gedanken gemacht. Ob sie, sobald auch Cannabis mit THC legal wird, dieses auch verkaufen, hänge davon ab, wie hoch die bürokratischen Hürden dann seien, sagt Nadine Sakalli.
Nicht nur für Menschen
Für den Moment haben sich die beiden aber erst einmal auf CBD spezialisiert. Und davon gibt es die unterschiedlichsten Produkte. Von Lollis, Energy-Drinks und Gummibärchen über Sprays und Salben gibt es so ziemlich alles mit CBD. Und nicht nur für Menschen: Auch für Pferde und Hunde gibt es Leckerlis aus der Cannabispflanze. Nur nicht für Katzen, so Nadine Sakalli, die würden nicht so gut darauf reagieren.
Die Geschäfte laufen nach eigenen Angaben bislang gut. Es ist auch nicht der erste CBD-Shop, den die Sakallis eröffnet haben. Ein Geschäft in Frankenthal gibt es bereits seit dem vergangenen Jahr. Und auch in Grünstadt scheint der Markt noch nicht gesättigt: Demnächst will mit dem „Koala CBD Store“ bereits der zweite Anbieter für Cannabis-Produkte ein Ladengeschäft in der Grünstadter Fußgängerzone eröffnen.