Beindersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Beindersheim: Kleines Bauerndorf mit stattlichen Bauten

In dieser farbigen Lithografie-Grußkarte, postalisch datiert am 1. September 1901, präsentiert sich Beindersheim nicht als Bauer
In dieser farbigen Lithografie-Grußkarte, postalisch datiert am 1. September 1901, präsentiert sich Beindersheim nicht als Bauerndorf. Zu sehen sind die repräsentativen Gebäude im Ort.

Wie fast alle Gemeinden im Umland ist auch Beindersheim eine fränkische Gründung. Lange Zeit ein typisches Bauerndorf, zeigen alte Postkarten dessen repräsentative Seite.

Der Ort liegt auf der Niederterrasse des Oberrheingrabens, die sich in einem nach Westen schwingenden Bogen von Speyer nach Worms erstreckt und in der geologischen Fachliteratur als „Frankenthaler Terrasse“ Eingang gefunden hat. Aus dem ursprünglichen Namen „Bentritesheim“ (Heim des Bandarit) wurde ab dem 13. Jahrhundert „Bentersheim“, bis sich im späten 18. Jahrhundert der heutige Ortsname „Beindersheim“ herauskristallisierte.

Das milde Klima und der fruchtbare Boden trugen dazu bei, dass der lange recht kleine Ort bis in die Neuzeit ein typisches Bauerndorf blieb. Trotz der Nähe zu Frankenthal war in Beindersheim lange Zeit von dem wirtschaftlichen Umbruch, den die Industrialisierung mit sich brachte, nichts zu spüren. Der Zuzug war gering; Neubürger schlossen meist lediglich Baulücken im Ortskern, sodass die Gemeindegrenzen auch im 19. Jahrhundert kaum ausgeweitet wurden.

Blickfang Kirche, Schule, Gaststätte

In einer farbigen Lithografie-Grußkarte aus der Wende zum 20. Jahrhundert präsentiert sich Beindersheim natürlich nicht als Bauerndorf. Die drei gezeichneten Ansichten weisen auf die Kirche, das Rathaus, die Schule sowie die Dorfgaststätte hin, sämtlich in der Ortsmitte im Bereich der Hauptstraße und der abzweigenden Straße nach Frankenthal gelegen.

Das Eckhaus (heutige Schenkelstraße/Frankenthaler Straße) auf dem rechten Bild, ausgewiesen als „Gemeinde- und Schulhaus“, zeigt einen repräsentativen Bau, der sich schon allein hinsichtlich der Gebäudehöhe von den Nachbarhäusern in der Hauptstraße abhebt. Schon 1616 hatte an dieser Stelle ein Gemeindehaus gestanden, das aber wegen des gewachsenen Raumbedarfs – auch die protestantische Schule war dort untergebracht – 1849 einem Neubau weichen musste. Das Haus ist bis heute fast unverändert erhalten; lediglich im Erdgeschoss ist das mittlere Fenster zur Frankenthaler Straße hin verschwunden.

Noch monumentaler – obwohl in Privatbesitz – wirkt das Gebäude gegenüber, zur Kirchenstraße hin, das auf dem Bild links unten zu sehen ist: das „Gasthaus zum weißen Ross“. Die Dorfwirtschaft wurde schon um 1840 von Abraham Storzum gegründet. Hier wurde 1847 der Männergesangverein Liederkranz ins Leben gerufen. Bis 1927 blieb das Wirtshaus in Besitz der Familie Storzum.

Nachfolgend hatten Konrad Wippel und dann ab 1930 dessen Schwiegersohn Alois Buser (nach seinem Tod 1972 seine Gattin Johanna Buser) die Lokalität in Besitz. Der gelernte Metzgermeister Buser richtete hier auch eine Metzgerei ein. Die Gaststätte – Vereinslokal unter anderen vom Turnverein und Radfahrerverein, bis 1966 auch vom Liederkranz – war früher der gesellige Mittelpunkt des Ortes. Sie war bis Ende der 1970er-Jahre präsent.

 Diese Fotokarte aus den 1930er-Jahren zeigt die beiden benachbarten Kirchen so, wie sie noch heute das Ortsbild prägen.
Diese Fotokarte aus den 1930er-Jahren zeigt die beiden benachbarten Kirchen so, wie sie noch heute das Ortsbild prägen.

Auf den alten Grußkarten ist meist die Dorfkirche abgebildet; so auch hier in der linken oberen Ansicht. Auf der von West nach Ost den alten Dorfkern durchziehenden Hauptstraße (heute Schenkelstraße und Kirchenstraße) sieht man die protestantische Kirche, die an der Stelle steht, wo schon seit dem neunten Jahrhundert verschiedene Kirchenbauten nachweisbar sind. Nach den Friedensbedingungen infolge des Pfälzischen Erbfolgekrieges Ende des 17. Jahrhunderts hatte sie als einziges Beindersheimer Gotteshaus Simultanstatus. Die heutige Saalkirche wurde 1748 errichtet, quer zur Straße stehend und etwas nach hinten abgerückt. An der Straße ist rechts davon ein Gebäude als Schulhaus ausgewiesen. Dort, im ehemaligen katholischen Pfarrhaus, wurden die katholischen Schüler unterrichtet, bis 1913/14 der Bau und Einzug in ein neues Schulhaus im Brunnenweg die Situation veränderte.

Kirche muss geschlossen werden

Als der Dachstuhl der Kirche zunehmend baufälliger wurde, verfügte das Bezirksamt Frankenthal im Juni 1927 die sofortige polizeiliche Schließung des Gotteshauses. Im Eilverfahren gelang es, die schon seit 1908 in der Schublade ruhenden Baupläne des Frankenthaler Architekten Fritz Larouette zu aktivieren. Dach und Kirchendecke wurden erneuert, der ursprünglich gotische Turm vor der Westfassade wurde durch einen Turm mit hohem, verschiefertem Spitzhelm ersetzt.

Ortskundige Betrachter werden unschwer erkennen, dass sich die heutige kirchliche Situation verändert hat: Beindersheim kann mittlerweile zwei Kirchen vorweisen. Nach Aufhebung des Simultaneums wurde an der Stelle, wo sich das Pfarr- beziehungsweise Schulhaus befand, 1914 bis 1916 eine katholische Kirche errichtet (wegen des Krieges nur mit einer Sondergenehmigung der bayerischen Behörden möglich). Der neubarocke Bau – auch im Inneren mit spät- und neubarocken Elementen ausgestattet – lehnt sich bewusst an oberbayerische Vorbilder an. Zur Straße hin führt eine imposante Freitreppe. Westlich neben die Fassade wurde der Glockenturm gesetzt, der im Erdgeschoss als Marienkapelle genutzt wird. Symmetrisch dazu befindet sich auf der östlichen Seite ein kleinerer, halbrunder Treppenturm.

Die Einweihung der Kirche erfolgte am 19. Juni 1916 durch Bischof Michael Faulhaber, den späteren Münchner Kardinal. Eine zeitgenössische Foto-Ansichtskarte (undatiert, wohl etwa 1930er-Jahre) zeigt das Ensemble der beiden benachbarten Kirchen, wie es noch heute das Ortsbild prägt.

Die Serie

Der Blick in die Vergangenheit lässt Erinnerungen wach werden, wirft zuweilen Fragen auf und weckt das Bedürfnis nach mehr Information. Bebilderte Postkarten, sogenannte Ansichtskarten, übermitteln da reizvolle Eindrücke, sind historische oder kunsthistorische Quelle – oder einfach nur nostalgische Erinnerungsobjekte.

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