Beindersheim RHEINPFALZ Plus Artikel 175 Jahre Liederkranz: Konzentration aufs Kerngeschäft

 In den 1990er-Jahren hat sich der Liederkranz auch für Frauen und Kinder geöffnet. Der Popchor mit Chorleiter Erik Meßmer zieht
In den 1990er-Jahren hat sich der Liederkranz auch für Frauen und Kinder geöffnet. Der Popchor mit Chorleiter Erik Meßmer zieht von den Chören des Vereins derzeit die meisten Sängerinnen und Sänger an.

175 Jahre alt und immer noch da: Der Gesangverein Liederkranz Beindersheim feiert ein besonderes Jubiläum. Der Blick zurück ist dorfgeschichtlich interessant und wirft Fragen für die Zukunft auf.

Als im 19. Jahrhundert in Deutschland die Gesangvereine wie Pilze aus dem Boden schossen, hatten die Menschen nicht etwa einfach nur ein neues Hobby entdeckt. Vielmehr war das Land politisch am Brodeln und auf dem Weg, eine Demokratie zu werden. Ängste und Widerstände waren zu überwinden, und man schloss sich in verschiedenen Gruppen zusammen, um der bürgerlichen Freiheit zu ihrem Recht zu verhelfen. Das Hambacher Fest 1832 zeugt davon und eben auch die Gründung von Chören, die zu Sängerfesten zusammenkamen. Liederkranz-Mitglied Klaus Zipp, mittlerweile verstorben, hat das in seiner Vereinschronik zum 150. Jubiläum 1997 schön und ausführlich dargestellt.

Zwei Jahre vor der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche taten sich in Beindersheim 91 Männer ab 16 Jahren zusammen, offiziell gilt aber 1847 als Vereinsgründungsdatum. Auf den Wiesen hinterm Dorf sei die Liederkranzfahne geweiht worden, und am nächsten Tag hätten die Männer am ersten pfälzischen Sängerfest in Frankenthal teilgenommen, schreibt Zipp.

Fahne mit Symbolkraft

Der Autor zitiert Paul Habermehls Ortschronik, wenn er von drei „stummen Zwischenzeiten“ spricht. Zeiten, in denen es unfreiwillig still im Liederkranz war: kurz nach der Revolution 1848/49 bis zum Jahr 1888, dann nach dem Ersten Weltkrieg von 1918 bis 1920 sowie in der Zeit des Nationalsozialismus bis 1948. Im Jahr 1966 feierte man erneut Fahnenweihe, und zwar höchst zeremoniell mit Festzug durchs Dorf und einem Bankett.

Heute ruht die Liederkranzfahne laut Vereinschef Hans-Georg Mecke relativ unbeachtet in einer Vitrine, doch in früheren Zeiten hatte sie große Symbolkraft, weshalb ihre Segnung groß gefeiert wurde. Denn der Segen, so hat Liederkranz-Pressewart Robert Sarga recherchiert, galt auch für die hinter der Fahne stehende Gemeinschaft. Die traditionelle Vereinsfahne ist militärischen Fahnen nachempfunden, die in Kriegen Identifikations- und Orientierungspunkt für die Soldaten waren. Ihre Zerstörung konnte erhebliche Auswirkungen auf den Ausgang einer Schlacht haben.

Vom Krieg hatte man in den 60er-Jahren und danach in Beindersheim die Nase gründlich voll. Stattdessen hatte man Lust auf Geselligkeit und darauf, etwas aufzubauen. Und so strebte der Liederkranz, der sich bislang in Gaststätten getroffen hatte, nach einem eigenen Heim, dem Sängerheim. Laut Klaus Zipp war es guten Kontakten zur BASF zu verdanken, dass eine dem Abriss geweihte Gerätehalle 1970 kostengünstig auf ein Gemeindegrundstück im Brunnenweg versetzt wurde. Zwei Jahre lang teilten sich die Sänger die Halle mit den Schulkindern, denn die Beindersheimer Schule war noch nicht gebaut.

Der Autor der Festschrift von 1997 zählt mannigfaltige Gelegenheiten auf, zu denen sich die Beindersheimer im Sängerheim einfanden, und heute noch ist die Halle im Prinzip das Dorfgemeinschaftshaus. Der Liederkranz selbst veranstaltete dort Bälle und war in der närrischen Zeit schwer aktiv. Geblieben sind eine Fasnachtsveranstaltung und das Maibaumfest, die Ortsgemeinde richtet im Sängerheim den Neujahrsempfang aus. Ansonsten finden dort außer Chorproben noch private Familienfeiern statt; seit zehn Jahren ist die Gaststätte an Wirtsleute verpachtet, die griechische Küche anbieten.

Beginn mit 91 Sängern

Noch mal kurz zurück zur Vereinsgründung: 91 Sänger, das war damals ein Bevölkerungsanteil von 15 Prozent. Angenommen, das Interesse an dem Verein wäre in Beindersheim über die 175 Jahre konstant geblieben, würden heute 500 Menschen dort singen. Es sind aber sehr viel weniger, obwohl sich der Gesangverein ab den 90er-Jahren auch für Frauen und Kinder öffnete. Der Gemischte Chor kommt heute laut Robert Sarga auf 30 Sängerinnen und Sänger, der Popchor Cantar auf 45 Personen, beide werden von Erik Messmer dirigiert. Unter der Leitung von Constanze Rohrbach singen zehn Kinder im Chor Bentritinis. Einen reinen Männerchor kann der Liederkranz Beindersheim nicht mehr aufbieten, die wenigen Herren haben sich mit Heßheimer und Dirmsteiner Sängern zur Männerchorgemeinschaft Vorderpfalz unter der Leitung von Alwin Dinges zusammengetan.

Mittlerweile konzentriert man sich aufs Kerngeschäft, das Singen. So wie in vielen Pfälzer Vereinen fehlt es den Mitgliedern an Zeit, Kraft oder Engagement, um das zu stemmen, was frühere Sängergenerationen im Jahresverlauf zum Wohle der Dorfgemeinschaft fertigbrachten. „Bei der Kerwe haben wir dieses Jahr nicht mitgemacht, und das wird wohl auch so bleiben“, sagt Pressewart Sarga. Auch stehe die Teilnahme am Weihnachtsmarkt infrage. Er blickt auf das Positive: „Viele Chöre haben längst ganz aufgegeben.“ Und auch wenn beim Vereinszweck Singen die Herrenabteilung die Schwachstelle sei, so brauchten sich die Männerstimmen innerhalb der neuen Chorgemeinschaft nicht zu verstecken.

Termin

Liederkranz-Konzert am Samstag, 17. September, 18 Uhr, im Bürgerhaus Heßheim. Beteiligt sind der Gemischte Chor, der Popchor Cantar, der Kinderchor Bentritinis und die Männerchorgemeinschaft Vorderpfalz. Karten gibt es in der Vereinsgaststätte Zum Sängerheim, Brunnenweg 6a.

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