Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Anno dazumal: Als einem Frankenthal im Mondschein begegnete

Mondscheinkarte mit Frankenthaler Marktplatzszene. Solche Ansichtskarten waren um das Jahr 1900 herum beliebt.
Mondscheinkarte mit Frankenthaler Marktplatzszene. Solche Ansichtskarten waren um das Jahr 1900 herum beliebt.

An der Wende zum 20. Jahrhundert, als Ansichtskarten in Mode kamen, ließ man sich allerhand einfallen, um den Markt zu bedienen. Zum Beispiel Mondscheinkarten.

Bei Mondscheinkarten handelt es sich um Ansichtskarten, die eine Örtlichkeit, etwa ein öffentliches Gebäude, oder eine Stadtszene im Mondlicht zeigen und auf denen folgerichtig fast immer ein Vollmond am Himmel steht. Oft wurden hierbei Lithografien verwendet, die schon als farbige oder schwarz-weiße Ansichtskarten existierten und mit ein paar gestalterischen Tricks in Nachtszenen verwandelt wurden. Beliebt waren Mondscheinkarten um 1900, die meisten stammen aus der Zeit von 1898 bis 1906. Eine ähnliche Art von Karten, die aber weniger häufig zu finden ist, sind die Aurora- oder Morgenrötekarten.

Vollmond drängt durch Wolkenlücke

Die Nachtansicht vom Frankenthaler Marktplatz, die dem Poststempel nach auf das Jahr 1902 zu datieren ist, wirkt fast surreal. Das gezeichnete Gebäudeensemble mit Kirchen, Rathaus und Kriegerdenkmal wird durch Bäume und Personengruppen aufgewertet. Der Vollmond, der sich durch die Wolkenlücken am Himmel drängt, wirft große Schlagschatten zum Betrachter hin. Die ganze Szene ist in einen oliven Farbton getaucht, wie auch die Grundfarbe der Ansichtskarte Olivgrün ist.

Der Frankenthaler Hafen und das Speyerer Tor zieren diese Postkarte. Und am Himmel steht der volle Mond.
Der Frankenthaler Hafen und das Speyerer Tor zieren diese Postkarte. Und am Himmel steht der volle Mond.

Gleiche Machart und ähnliches Farbklima weist eine Karte von 1899 auf, die eine Ansicht des Frankenthaler Hafens bietet. Von Osten her fällt der Blick auf das Hafenbecken, auf dessen ruhigem Wasser einsam ein leerer Kahn dümpelt. Im Hintergrund vor den über die Häuser ragenden Türmen der drei Kirchen erkennt man die ins Mondlicht getauchten Hafengebäude: an der westlichen Kaimauer das große Kanalzollhaus, daneben ein Bootsschuppen, nördlich (hier rechts) des Hafenbeckens diverse Gebäude und Lagerplätze für Stück- und Massengüter. Der ins Bild eingefügte Vollmond spiegelt sich rechts unten im Wasser des Kanals.

Karte aus Frankenthaler Druckerei

Zu der großen Panoramaansicht gesellt sich links unten noch ein Blick aufs und durchs Speyerer Tor. Auch hier ist der Mond ein unverzichtbares Objekt. Beide Karten sind übrigens in Frankenthal hergestellt worden (siehe Angabe am linken Kartenrand). Die Marktplatzkarte stammt von Adolf Meißner, dessen Druckerei in der Karl-Theodor-Straße im Familienbesitz noch bis in die 1970er-Jahre existierte. Die Kanalkarte wurde zumindest in Auftrag gegeben vom Musikalienhändler Philipp Bonin in der Bahnhofstraße.

Fünf Frankenthaler Ansichten als Mondscheinkarte ...
Fünf Frankenthaler Ansichten als Mondscheinkarte ...
... und hier die farbige Vorlage.
... und hier die farbige Vorlage.

Aus dem Bestand von knapp einem Dutzend Frankenthaler Mondscheinkarten zeigen wir hier noch ein Exemplar von 1898 mit fünf Bildchen und vergleichen sie mit der ein Jahr älteren Vorlage, einer farbigen Lithografie-Grußkarte. So erklärt sich auch die auffällige Menge von Passanten, die vermeintlich im Mondschein durch die nachtblauen Straßenzüge (Wormser Straße und Bahnhofstraße) flanieren oder sich vor den stattlichen Gebäuden des Karolineninstituts und der Taubstummenanstalt (heute Mehrgenerationenhaus in der Mahlastraße) aufhalten. Einzig im Hof des Reallehrinstituts (Westliche Ringstraße nahe Wormser Tor) lässt sich niemand blicken.

Die Serie

Der Blick in die Vergangenheit lässt Erinnerungen wach werden, wirft zuweilen Fragen auf und weckt das Bedürfnis nach mehr Information. Bebilderte Postkarten, sogenannte Ansichtskarten, übermitteln da reizvolle Eindrücke, sind historische oder kunsthistorische Quelle – oder einfach nur nostalgische Erinnerungsobjekte.

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