Bobenheim-Roxheim
Bürgermeisterwahl: Am Sonntag wird noch einmal abgestimmt
Wird Müller seinen großen Vorsprung vom 26. September (49,8 Prozent der Wählerstimmen) ausbauen und die 50-Prozent-Marke reißen? Das hängt zum einen davon ab, ob die 2855 Bobenheim-Roxheimer, die ihn weiter auf dem Chefsessel im Rathaus sehen wollten, erneut ihre Stimme für ihn abgeben und ob mindestens zwölf weitere hinzukommen – sei es aus den Reihen derer, die beim ersten Mal nicht wählen gingen, oder aus dem „gegnerischen Lager“.
35,1 Prozent stimmten vor knapp zwei Wochen für Christian Reber, 15,1 Prozent für Nicole Born, die Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen. Born ist damit aus dem Rennen, aber weil CDU und Grüne gemeinsam mit der FWG im Gemeinderat eine Koalition bilden, könnte es sein, dass Befürworter Borns für Reber stimmen werden. Allerdings waren beide in der Frage, ob südlich des Globus-Markts ein Neubaugebiet erschlossen werden soll, gegensätzlicher Meinung. Der Bürgerentscheid dazu ging am 26. September zugunsten der Grünen-Position aus, das heißt, die Mehrheit der Wähler lehnt die Erschließung ab.
Kein Streit über Inhalte
Für die Bürgermeisterstichwahl dürfte das Streitthema Baugebiet aber keine Rolle mehr spielen, denn zwischen Reber und Müller gab es diesbezüglich keinen Dissens. Überhaupt haben die beiden bislang im Wahlkampf nicht groß über Inhaltliches gestritten. Es galt vielmehr, sich als der richtige Mann für den Job als hauptamtlicher Chef der Gemeindeverwaltung zu präsentieren. Der 50 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt Müller hat dabei seine achtjährige Erfahrung im Bürgermeisteramt herausgestellt, und der Bankfachwirt Reber (55) warb auf Plakaten mit den Wörtern „sympathisch, menschlich, nah“.
CDU-Ortsverbandsvorsitzender Georg Zwilling schätzt an Reber, „dass er sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellt, sondern unseren Ort und seine Gremien“. Reber gehe es nicht um persönlichen Ruhm oder Ansehen, sondern vielmehr um ein „harmonisches Miteinander“. Der Kandidat selbst, der im zweiten Wahlgang um mindestens 15 Prozentpunkte aufholen müsste, um zu gewinnen, gibt sich zuversichtlich: „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt er auf Anfrage am Donnerstag. Er hält es für möglich, dass sich bei der zu erwartenden geringeren Wahlbeteiligung das bisherige Stimmenverhältnis zu seinen Gunsten ändert.
Reber hat in den zurückliegenden Tagen noch mal fleißig an Haustüren geklingelt und sich im Dorf an Infoständen gezeigt. Er will sich am Samstag auf einer Radtour bei zwei Vereinen blicken lassen. Wahlwerbung will die CDU laut Zwilling vornehmlich in Gebieten austragen, in denen Michael Müller weit vorn lag.
Genossen in Teams unterwegs
Die SPD dagegen versucht, ihre eigene Klientel zu mobilisieren. Müller hat beim Haustürwahlkampf in dieser und der vergangenen Woche das Gefühl, dass das klappt. Erstaunlich findet er, dass offenbar viele Bürger dachten, er habe die Wahl schon gewonnen, nur weil er von drei Kandidaten die meisten Stimmen bekommen hatte. Jetzt aber sei „die Stichwahl in den Köpfen angekommen“. Er ist zuversichtlich, dass es für ihn „ein deutliches Ergebnis mit breiter Wählerlegitimation geben wird“.
SPD-Ortsvereinsvorsitzender Jens Becker berichtet, dass Genossen teils auch ohne Müller in Teams unterwegs seien, um für ihn zu werben. „Unser Bürgermeister wird zum Abschluss am Samstag im Ortsgebiet unterwegs und ansprechbar sein“, so Becker. Er stellt die fast 30-jährige Verwaltungserfahrung Müllers heraus und verweist auf anstehende Aufgaben wie Schul- und Kita-Erweiterungen, Klimaschutzkonzept und die Suche nach einer Alternative zum gescheiterten Neubaugebiet. Becker: „Müller hat in seiner ersten Amtszeit bewiesen, dass er Projekte jeder Größenordnung entschlossen anpackt und zu einem erfolgreichen Ende führt.“
Mehr als 2400 haben schon per Brief gewählt
An der Urne gewählt wird am Sonntag von 8 bis 18 Uhr in den bekannten Wahllokalen. Nach Angaben von Büroleiter Markus Pfeffer hat die Verwaltung bis jetzt an 3639 der 7881 Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen herausgegeben. Davon seien aktuell (Stand Donnerstag, 15 Uhr) 2428 zurückgekommen. Das heißt: Rund 30 Prozent der Wahlberechtigten hat bereits mittels Wahlbrief abgestimmt. Beim ersten Wahlgang Ende September gab es laut Pfeffer 3409 Briefwähler, was gemessen an den 5833 abgegebenen Stimmen einer Quote von über 58 Prozent entspricht. Die Wahlbeteiligung lag bei 74 Prozent.