Bobenheim-Roxheim
Bürgermeisterwahl: SPD-Mann Michael Müller verteidigt sein Amt
„Es ist doch naheliegend, dass das in die Waagschale kommt“, sagt Michael Müller und meint damit die recht lange Liste von Projekten, die seit seinem Amtsantritt Anfang 2014 in Bobenheim-Roxheim verwirklicht wurden. Nicht alles davon haben er oder die SPD-Fraktion initiiert. Aber Müller als Chef der Gemeindeverwaltung war immerhin – sofern sie nicht ins Dezernat seiner Beigeordneten fielen – dafür zuständig, dass die Vorhaben umgesetzt wurden.
Zu nennen wären da als millionenschwere Bauprojekte der Soziale Wohnungsbau im Südring, die Rathaussanierung, der Bau beziehungsweise die Vergrößerung von Kindergärten und die noch laufende Erweiterung der Rheinschule. Etliche Straßen wurden ausgebaut. Freizeitanlagen der Gemeinde haben sich positiv verändert, und Familien dürfen sich über den Neugeborenenempfang und den Windelsack freuen.
Am Anfang und Ende der bisherigen Amtszeit stehen zwei bedeutsame Bebauungspläne: Der erste hat den Verbleib des Großhändlers Lekkerland ermöglicht, der letzte die geplante Nutzung des Silberseegebiets Scharrau/Badestrand nach dem Ende des Kiesabbaus verhindert. Dass laut Gerichtsurteil aus Naturschutzgründen weder Hotel noch Rundweg noch Wassersportanlagen gebaut werden dürfen, ist ein großer Misserfolg, der für den Bürgermeister umso schwerer wiegt, als er nur zu vollenden glaubte, was seine Vorgänger mit langem Atem angefangen hatten.
Gemeindehaushalt muss konsolidiert werden
Gefragt nach den aktuell anstehenden Problemen und Vorhaben in Bobenheim-Roxheim sagt der 50 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt mit Mandat im Rhein-Pfalz-Kreistag: „Der Fluglärm wegen der Platzrunde des Wormser Flugplatzes ist ein Aufregerthema. Ein Starkregenkonzept muss angegangen werden, und beim Verkehrsproblem im Gewerbegebiet Bobenheim-West zeichnet sich eine Lösung ab.“ Die Konsolidierung des Gemeindehaushalts werde eine knifflige Angelegenheit werden. Es scheint, als könnte Müller stundenlang über vergangenes und künftiges Verwaltungshandeln reden, aber das kann in einem RHEINPFALZ-Kandidatenporträt nicht alles sein. Wo ist Michael Müller als Mensch zu verorten?
Aufgewachsen ist er in Bobenheim-Roxheim, doch Beruf und Privatleben führten ihn auch nach Mayen, Waldsee und Worms. Er hat zwei erwachsene Kinder und ist zum zweiten Mal verheiratet. An seinem Freizeitverhalten habe sich in den vergangenen acht Jahren nichts geändert, sagt er. Soll heißen: Holzmachen, mit Ehefrau Britta wandern und mit Labrador Hoss zwischendurch in Wald und Flur herumstreifen, sind seine bevorzugten Aktivitäten, um abzuschalten.
In Gesellschaft sei er „nicht so der Smalltalker und Sektglashalter, der eine ganze Runde unterhält“, sagt Müller, den Freunde „Mike“ nennen. Im Bürgermeisterwahlkampf betont er deshalb lieber seine „Verwaltungstyp“-Seite. „Die Wähler müssen selbst wissen, was sie lieber haben wollen“, meint er.
„Will Leuten nichts vormachen“
Auch wenn er viel im Grünen unterwegs ist: Initiativen für die Einführung von Baumpatenschaften und Ähnliches überlässt der Sozialdemokrat mit einer Vorliebe für die Wirtschaftsförderung nach eigener Aussage lieber anderen. Denn: „Ich will den Leuten nichts vormachen, das glaubt mir ja doch keiner.“ Dann denkt er kurz nach und bringt die zehn Ster Holz, die er pro Jahr für den Hausgebrauch fertig macht, zur Sprache. „In unserem Haus wird nur mit Holz geheizt. Auch im Sommer – für die Dusche“, sagt er. „Da könnte man sagen: Das ist die grüne Seite vom Müller.“
Hat er Angst, dass der ebenfalls am 26. September stattfindende Bürgerentscheid gegen das umstrittene 14-Hektar-Baugebiet südlich des Globus ausfällt und dass das seine Wiederwahl gefährdet? Schließlich sprechen er und seine Kollegen von der SPD sich (auf Plakaten überdeutlich) für die Erschließung dieser Wohnfläche aus. Michael Müller glaubt, dass das Projekt eine Mehrheit findet. Er ärgert sich über sich selbst, weil er vor Monaten den nur beim Bau von Wohnblöcken denkbaren Maximalwert von 4000 neuen Einwohnern ins Spiel gebracht hat. Doch weil ja auch viele Einfamilienhäuser gebaut würden, vergleicht er das mögliche neue Quartier lieber mit dem, in dem er selbst wohnt: „Das kann man sich dann, was Struktur und Einwohnerzahl betrifft, in etwa so vorstellen wie das Bahnhofsviertel.“