Bobenheim-Roxheim
Bürgermeisterwahl: Amtsinhaber muss in die Stichwahl
Zug um Zug die Feststellung des Wahlergebnisses zu verfolgen, war eine spannende Angelegenheit, auch wenn die meisten das wohl daheim am Computer, ohne mitfiebernde Kandidatenunterstützer gemacht haben. Zwölf Stimmbezirke gab es, und im Laufe der Auszählung lag Müller mal deutlich unter, mal deutlich über 50 Prozent, bis es sich auf fifty-fifty einzupendeln schien. Um 21 Uhr stand schließlich fest: Müller hat im Durchschnitt 49,8 Prozent der Stimmen bekommen. 2855 Bobenheim-Roxheimer wollten, dass er weitere acht Jahre hauptamtlicher Bürgermeister bleibt. Das ist nicht die absolute Mehrheit, weshalb am Sonntag, 10. Oktober, eine Stichwahl zwischen Reber und Müller stattfinden muss.
Müller befürchtet, dass Wahlbeteiligung sinkt
Als „ärgerlich“ bezeichnet Müller dieses Ergebnis, weil es so knapp unter der magischen Linie liegt. Er habe zwar durchaus damit gerechnet, dass es zur Stichwahl kommen würde, „aber 49,8 Prozent ist halt etwas anderes als beispielsweise 48 Prozent“. Der 50 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt klingt enttäuscht, er tröstet sich aber damit, dass ihm immerhin fast jeder Zweite, der an der Brief- oder Urnenwahl teilgenommen hat, seine Stimme gegeben hat und dass der Vorsprung auf seinen Mitwerber 15 Prozent beträgt.
Um diesen Vorsprung in zwei Wochen für sich zu nutzen und die zweite Amtszeit klarzumachen, will er nach der Fraktionssitzung am Montag noch einmal richtig Gas geben. Er befürchtet, dass sich unter den Bobenheim-Roxheimern Wahlmüdigkeit breit machen könnte und sich weit weniger als die jetzt 5833 Bürger – das entspricht einer Wahlbeteiligung von 74 Prozent – für den zweiten Wahlgang interessieren werden.
Vor acht Jahren, als sich Müller am Ende gegen die amtierende Beigeordnete Rosalia Reinhardt (CDU) durchsetzte, war das nicht so. Da machten zunächst 56,9 Prozent und bei der Stichwahl am 22. September dann 60,1 Prozent aller Wahlberechtigten ein Kreuzchen auf dem Stimmzettel zur Bürgermeisterwahl. Aber das lag vermutlich daran, dass die Stichwahl mit der Bundestagswahl zusammenfiel. Nun ist es umgekehrt.
Müller, der die Übermittlung der zwölf Stimmbezirksergebnisse zusammen mit Familienmitgliedern und Freunden im Naturfreundehaus verfolgte, will deshalb stark dafür werben, dass „die Leute ein zweites Mal zur Wahl gehen“. Vor allem die eigene Klientel gelte es nun, bei der Stange zu halten und zu mobilisieren.
„Alles geben, was geht“, das will auch Christian Reber. Er klingt erleichtert und beschwingt, als ihn die RHEINPFALZ im Heim des Sportclubs, dessen Vorsitzender er ist, ans Telefon bekommt. Denn bei ihm und seinen Unterstützern war die Stimmung gar nicht gut, als die ersten Ergebnisse auf der Internetseite der Gemeinde zu sehen waren: 57,9 Prozent für Müller im Wahllokal Kurpfalztreff, 58,3 sogar in der Realschule. „Das war ein richtiger Krimi“, sagt der 55 Jahre alte Bankfachwirt und freut sich, dass er doch noch eine zweite Chance bekommt. „Am Montag werden wir in kleiner Runde besprechen, wie wir vorgehen wollen.“ Für den Endspurt hat er sich zwei Wochen Urlaub genommen.
Respektables Ergebnis für Nicole Born
Letztlich wird es für beide Männer auch darum gehen, diejenigen von sich zu überzeugen, die Nicole Born von Bündnis 90/Die Grünen gewählt haben. Reber ist überrascht über ihr Ergebnis von 15,1 Prozent (863 Stimmen). Vor acht Jahren erreichte der Kandidat der Grünen, Manfred Alban Pfeifer, im ersten Wahlgang nur 7,2 Prozent der Stimmen, allerdings gab es damals vier Bürgermeisterkandidaten. Simone Lobocki von der FWG war mit am Start.
Borns Abschneiden ist aber auch im Vergleich zum Bobenheim-Roxheimer Ergebnis der Bundestagswahl beachtlich, denn in dem Ort haben die Grünen „nur“ 11,3 Prozent der Zweitstimmen geholt, Direktkandidat Armin Grau muss sich mit 10,4 Prozent der Erststimmen zufrieden geben. Wie die 50-jährige Bankbetriebswirtin darüber denkt und ob der Ortsverband der Grünen seiner Klientel eine Empfehlung geben wird – Müller oder Reber – , konnte die RHEINPFALZ am späten Sonntagabend nicht in Erfahrung bringen. Born war trotz vorheriger Absprache nicht telefonisch zu erreichen.
Die Grünen-Kandidatin dürfte sich mehr noch als über ihr Bürgermeisterwahlergebnis über den Ausgang des Bürgerentscheids freuen. Denn das Streitthema um das potenzielle Neubaugebiet südlich des Globus-Markts war mit ein Grund, warum sie sich aufstellen ließ. Sowohl Christian Reber als auch Michael Müller – beide sind Befürworter des Vorhabens – erklären, dass sie die ablehnende Entscheidung der Bürger anerkennen. Im zweiwöchigen Wahlkampf bis zur Stichwahl soll das Thema nun keine Rolle mehr spielen.
Mehrheit will kein neues Baugebiet
Soll die Gemeindeverwaltung eine weitere städtebauliche Entwicklung südlich der Einkaufsmärkte am Südring von Bobenheim-Roxheim vorantreiben? So lautete die Frage beim ersten Bobenheim-Roxheimer Bürgerentscheid. Die Mehrheit der 5692 Wähler (54,2 Prozent) beantwortete diese Frage mit Nein.
Damit ist der Wunsch von CDU und SPD, im Südwesten der Gemeinde ein Neubaugebiet auszuweisen, abgelehnt und kann in den nächsten drei Jahren nicht weiter verfolgt werden. Die bisherige Idee war, dass innerhalb von 15 bis 20 Jahren auf einer Fläche von etwa 17 Hektar zwischen Landesstraße und Bahngleisen mindestens 450 Wohneinheiten entstehen und etwas Gewerbe als Puffer gegen Bahnlärm angesiedelt wird. Beide Fraktionen erhofften sich dadurch auch bessere Chancen auf eine vom Land zu bauende Ortsumgehung im größeren Stil als bisher geplant.
Die Grünen und eine Bürgerinitiative waren gegen das Vorhaben. Die Freien Wähler wirkten eher unentschlossen, argumentierten aber ebenfalls mit dem Verlust hochwertigen Ackerlands und mit schwer kalkulierbaren Infrastrukturkosten.