Böhl-Iggelheim
Böhl-Iggelheims Bürgermeister blickt in die Zukunft: Wärme, Windkraft und Bildung
Wer Peter Christs Büro im Böhl-Iggelheimer Rathaus betritt, kommt nicht umhin, ihn zu loben. Den Ausblick aus dem Fenster auf den Schwarzweiher, auf Bäume und Schilf. Einfach schön. Des Bürgermeisters Antwort darauf ist immer die gleiche: „Echt? Ist das so? Ich habe gar keine Zeit, aus dem Fenster zu gucken.“ Dann grinst er. Schließlich ist sein Büro einer seiner Lieblingsorte. Hat er mal im RHEINPFALZ-Interview verraten. Dort, auf dem sehr aufgeräumten Schreibtisch, liegt auch seine „Was-war-was-kommt-Liste“. Er kennt das Gespräch mit seiner Heimatzeitung schon. Aufs alte Jahr zurückblicken, aber vor allem einen Ausblick aufs neue werfen. „Also, womit fangen wir an?“, fragt er, um gleich darauf selbst ein Thema zu setzen. Ein Thema, das örtlich betrachtet ganz in der Nähe zum Rathaus liegt.
Kein Sportzentrum in der Mitte
Der Gemeinderat hat eine Beteiligung am Bau eines zentralen Sportgeländes zwischen den beiden Ortsteilen abgelehnt. Die SG Böhl-Iggelheim hatte zuvor um Unterstützung für das Millionenprojekt geworben, das nun in weite Ferne rückt. Am liebsten wäre es den Fußballern der 2022 gegründeten Spielgemeinschaft, die Gemeinde würde den auf 7,5 Millionen Euro geschätzten Bau von zwei Großspielfeldern, eines Kleinspielfelds sowie eines Funktionsgebäudes zwischen den Ortsteilen zu ihrem Anliegen machen. Und der Verein würde dann dazu das beisteuern, was er kann.
„Wir mussten das aus wirtschaftlichen Gründen ablehnen“, sagt Christ. Er hatte im Vorfeld der Sitzung die Kommunalaufsicht um Stellungnahme dazu gebeten, die Bedenken geäußert hatte, dass die Gemeinde ein so teures Projekt schultere. „Die wahrscheinlich größtmögliche Fördersumme für ein solches Neubauvorhaben sind nach dem goldenen Plan des Landes Rheinland-Pfalz 500.000 bis 600.000 Euro“, sagt er. Und jetzt? „Dafür bin ich nicht der richtige Ansprechpartner“, meint Christ. Es sei Sache des Vereins, nun eine Lösung zu finden. Möglich sei, den Platz in Böhl zu verkaufen und das Gelände beim ehemaligen VfB Iggelheim neu herzurichten.
Wo sich der Bürgermeister schon mal örtlich wie gedanklich zwischen den beiden Ortsteilen aufhält, drängt sich das Thema Berufsbildende Schule auf. Der Rhein-Pfalz-Kreis möchte in der Nähe von Schwarzweiher, Rathaus, Peter-Gärtner-Realschule plus und Wahagnieshalle eine neue Berufsbildende Schule (BBS) für Sozialwesen, Gesundheit und Hauswirtschaft bauen. Sie soll die Anna-Freud-BBS in Ludwigshafen ersetzen, die in einem sanierungsbedürftigen und zu kleinen Gebäude angesiedelt ist. Ein Vorhaben, das seine Anlaufzeit braucht.
Während der Rhein-Pfalz-Kreis gerade in der Abstimmung mit den Fachbehörden ist, welche räumlichen Erfordernisse es braucht, um das pädagogische Konzept umzusetzen, kann die Gemeinde Böhl-Iggelheim, die das Grundstück zur Verfügung stellt, nur warten. „Der Kreis braucht einen Plan, wie groß das Ding wird und wie es aussieht. Wenn das feststeht, müssen wir gucken, ob wir noch Flächen dazu kaufen müssen“, sagt Christ. Was vom Tisch ist: Auf den Sportplatz der Peter-Gärtner-Realschule kann die BBS nicht gebaut werden. Denn: Die neue Schule wird der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion zufolge keine eigene Sportstätte bewilligt bekommen. „Heißt, wir brauchen den Sportplatz.“
Wie man künftig in der Gemeinde heizt
Apropos Schulen: Die Grundschule Iggelheim soll ab 2025 erweitert werden und wie ihr Böhler Pendant zu einer Ganztagsschule in Angebotsform werden. Heißt: Kinder können das Ganztagsangebot nutzen, müssen aber nicht. Die Schule könnte künftig über ein kaltes Nahwärmenetz geheizt werden. Auch da hat der Gemeinderat gerade eine Entscheidung getroffen: Ein Experte soll eine Wärmeplanung für beide Ortsteile erstellen. „Die Grundschule in Böhl könnte genauso geheizt werden, aber da will ich dem Planer nicht vorgreifen“, meint der Bürgermeister. Nach dem im Januar 2024 verabschiedeten Gesetz zur kommunalen Wärmeplanung sollen bis spätestens Mitte 2028 alle rund 11.000 Kommunen Deutschlands eine solche haben.
Den Weg in eine klimaneutralere Zukunft sollen auch die neuen Windräder ebnen, die an der Gemarkungsgrenze zu Dannstadt entstehen sollen. Die beiden Windräder, die dort am östlichen Gemeinderand stehen, sollen rückgebaut und fünf neue Anlagen errichtet werden. Fünf weitere Windräder für den Windpark werden Christ zufolge auf Dannstadter Gemarkung aufgestellt.
So, Blick auf die Liste. Was war, und was kommt noch? Christ macht mit einer guten Nachricht weiter. Die Kita Römerstraße in Iggelheim wird um 75 Ganztagsplätze erweitert. Der Anbau bei laufendem Betrieb soll rund drei Millionen Euro kosten. Und dann muss es doch sein: über die geplante Westumgehung zu reden, die zu diesem Gespräch dazugehört, wie die Bewunderung über Christs Aussicht aus seinem Büro und seine Antwort, dass er keine Zeit habe, diese zu genießen. „Och nee“, meint er denn auch. Und berichtet dann aber, dass 2024 weitere Untersuchungen gemacht wurden hinsichtlich Naturschutz und Bodenbeschaffenheit.
Und immer wieder die Haubenlerche
„Vermutlich muss die Haubenlerche umgesiedelt werden“, sagt er. Alle Untersuchungen sind jedenfalls nach Koblenz an die Planungsstelle des Landesbetriebs Mobilität geschickt worden. „2025 wird der Erörterungstermin stattfinden, bei dem Bürger und Träger öffentlicher Belange ihre Einwendungen machen können.“ Und dann? „Ich rechne mit gar nichts mehr und mache keine Prognosen.“ Christ grinst schief. Möglicherweise mäandere der Rehbach längst in seinem neuen Bett, bis Autos auf der Westumgehung führen.
Die Rehbachverlegung ist auch so ein „Alle-Jahre-wieder-Thema“. Es hatte Widerstand vor allem bei Naturschützern in der Nachbargemeinde hervorgerufen. „Auf Haßlocher Gemarkung ist das Projekt abgeschlossen, und kein Hahn kräht mehr danach“, sagt Christ. „Bei uns könnte 2026 Baubeginn sein.“ Und dann muss der Bürgermeister doch noch eine Westumgehung-Prophezeiung abgeben. „Alla gut. Ich hoffe, dass noch in meiner Amtszeit der Spatenstich ist.“ Sechs Jahre ist Christ noch im Amt. Mal sehen, was kommt.
Termin
Neujahrsempfang der Gemeinde ist am Sonntag, 12. Januar, 15 Uhr, in der Wahagnieshalle
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Die Serie
Was wurde 2024 alles erledigt, was steht 2025 an? Wir haben mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Rhein-Pfalz-Kreis gesprochen, ziehen mit ihnen Bilanz und blicken voraus.