Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Anbieter von Glasfaser droht mit Rückzug

 Kabel in einem PoP-Verteiler von Glasfasern.
Kabel in einem PoP-Verteiler von Glasfasern.

Bobenheim-Roxheim steht vor einer Wende im Glasfaserausbau. Die Deutsche Giganetz droht damit, jegliche Aktivitäten einzustellen, sollte sich Mitbewerber Glasfaser plus nicht zurückziehen. Die Giganetz beruft sich auf die Kooperationsvereinbarung mit der Gemeinde. Doch wie viel ist die wert?

Dass sich die Deutsche Telekom bereits seit 2023 intensiv um Privatkunden für künftige Glasfaseranschlüsse bemüht, dürfte in Bobenheim-Roxheim kein Geheimnis mehr sein. In diesem Jahr traute sich das im Dax gelistete Unternehmen auch mit Außenwerbung in den öffentlichen Raum der rund 10.000 Einwohner großen Gemeinde im nördlichen Rhein-Pfalz-Kreis. Parallel dazu plant die Glasfaser plus GmbH, eine Tochter der Telekom, den Ausbau vor Ort voranzutreiben. So war kürzlich bekannt geworden, dass die Firma Mitte Juli beginnen will, Verteilerkästen im Gemeindegebiet aufzustellen.

Auch wenn eine derart hohe Geschwindigkeit beim Ausbau löblich ist, überrascht es doch. Denn im Dezember hatte die Deutsche Giganetz GmbH den Zuschlag für eine Kooperationsvereinbarung mit der Gemeinde erhalten. Teil der Vereinbarung ist unter anderem, dass bürokratische Hürden bei Genehmigungen für den Kooperationspartner abgebaut werden. „Im Anschluss an die Unterzeichnung und deren öffentliche Verlautbarung hat die Deutsche Giganetz gemeinsam mit der Gemeinde den Starttermin für die Vermarktung für Sommer 2024 geplant“, heißt es in einer Pressemitteilung der Giganetz GmbH. Der Termin für den Vermarktungsstart sei bewusst nach den Europa- und Kommunalwahlen gewählt worden, um die Sichtbar- und Aufmerksamkeit für das Projekt zu haben. Dass ein Konkurrent das Feld vorher bearbeitet, schmeckt der Deutschen Giganetz überhaupt nicht.

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Giganetz: Vorerst keine Aktivitäten

Auf Anfrage der RHEINPFALZ, wie die Deutsche Giganetz zu dem kürzlich angekündigtem Aufstellen der Verteilerkasten seitens Glasfaser plus steht, hat das Unternehmen eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin fordert sie den Stopp sämtlicher Aktivitäten der Konkurrenz. Giganetz wirft der Glasfaser plus vor, „zeitgleich und unabgestimmt“ mit der Vermarktung im Ausbaugebiet begonnen zu haben. „Die Deutsche Giganetz spricht sich klar gegen einen Doppelausbau aus – auch zum Wohle der Gemeinde, um Ressourcen zu schonen und eine optimale Nutzung der Infrastruktur sicherzustellen“, heißt es in der Pressemitteilung. Man werde eigene Vertriebsaktivitäten solange aussetzen, bis sich der Mitbewerber zurückgezogen habe.

Marina Wilde, Managerin Regionale Kooperationen bei Deutsche Giganetz, wird in der Mitteilung zwar mit den Worten zitiert: „Die Kooperationsvereinbarung, die wir mit der Gemeinde unterzeichnet haben, bleibt zunächst weiterhin in vollem Umfang bestehen.“ Jedoch fügt sie hinzu: „Sollten wir also tatsächlich wie angekündigt Bauaktivitäten seitens des Wettbewerbers wahrnehmen, werden wir eine neue Bewertung der Gesamtsituation vornehmen.“ Man sei sich bewusst, dass die Aktivitäten des Wettbewerbers zu Verunsicherung bei den Einwohnern führen könnten.

Bürgermeister Michael Müller (SPD) verweist auf RHEINPFALZ-Anfrage zu der Situation darauf, dass die Gemeinde marktneutral agieren müsse: „In Deutschland haben wir die Soziale Marktwirtschaft. Wir werden dem Mitbewerber der Deutschen Giganetz keine Steine in den Weg legen und uns gesetzeskonform verhalten.“ Der „Vertrag mit der Deutschen Giganetz besteht indessen bis auf weiteres fort“, ergänzt Müller. Die Frage ist: Wie lange noch?

Die Gemeinde hatte sich Ende vergangenen Jahres vor allem deshalb für die Deutsche Giganetz entschieden, weil diese versprochen hatte, auch Gebiete wie Bobenheim-West ausbauen zu wollen. Glasfaser plus hatte das zunächst abgelehnt, aber seine Meinung im Dezember geändert. Zu dem Zeitpunkt hatte die Gemeinde die Vereinbarung mit Giganetz aber bereits unterschrieben.

Macht Glasfaser plus ernst und beginnt Mitte Juli mit dem Ausbau, könnte es das Aus der Kooperationsvereinbarung zwischen Gemeinde und Deutsche Giganetz bedeuten.

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