Bobenheim-Roxheim
Glasfaserausbau: Kampf um Kunden
Hier ein großflächiges Plakat, da ein Anhänger mit einem magentafarbenen Kasten, dort ein unübersehbarer großer Aufkleber an einem Verteilerkasten. Die Deutsche Telekom wirbt in diesem Frühjahr in Bobenheim-Roxheim um Glasfaserkunden. Fast könnte man angesichts dieser Omnipräsenz denken, das große deutsche Telekommunikationsunternehmen hätte im Oktober 2023 vom Gemeinderat den Zuschlag für eine Kooperation zum Glasfaserausbau erhalten. Hat es aber nicht.
Der Gemeinderat hat sich seinerzeit für den Anbieter Deutsche Giganetz GmbH entschieden. Und das lag auch an der Telekom: „Die Telekom hatte ein Ausbaugebiet ohne Bobenheim-West, Aussiedlerhöfe und Nonnenhof vorgeschlagen“, sagte Jens Glaser, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung im Fachbereich Bauen und Umwelt, Ende Dezember gegenüber der RHEINPFALZ. Auch in einer Beschlussvorlage des Gemeinderats vom 28. Juni 2023, die einen Fragenkatalog an das Unternehmen Glasfaser Plus GmbH enthielt, hieß es vonseiten des Unternehmens: „Bobenheim-West und die Aussiedlerhöfe sind in unserem eigenwirtschaftlichen Ausbau tatsächlich nicht vorgesehen.“ Die Glasfaser Plus GmbH ist ein Zusammenschluss der Deutschen Telekom und des australischen IFM Global Infrastructure Funds – einem Fondsverwalter, der laut Glasfaser Plus weltweit Pensionsgelder in Infrastrukturunternehmen anlegt.
Weil die Gemeinde aber den Ausbau auch in Bobenheim-West haben wollte, konzentrierte sich der Gemeinderat auf Verhandlungen mit den Konkurrenten Deutsche Giganetz und Deutsche Glasfaser. Das Festhalten an einem Ausbau in West sei der Gemeinde besonders wichtig, weil sich die Bewohner dieser Siedlung nicht abgehängt fühlen sollten. Die Telekom beziehungsweise Glasfaser Plus war somit raus aus dem Rennen. Kurz nach der offiziellen Verkündung im Dezember, dass die Gemeinde eine Kooperation mit Deutsche Giganetz eingegangen ist, verschickt auch der bei der Vergabe leer ausgegangene Konkurrent Glasfaser Plus eine Pressemitteilung. Darin steht, Bürger in Bobenheim-Roxheim können sich ab sofort – über die Website der Deutschen Telekom – für einen Glasfaseranschluss anmelden, inklusive Bobenheim-West. „Wir waren überrascht davon“, sagt Jens Glaser. „Glasfaser Plus hatte ja die Chance, in der Vorstellungsrunde zu sagen, dass sie Bobenheim-West ausbauen.“ Selbst auf Nachfrage der Gemeinde sei das Unternehmen seinerzeit dabei geblieben, es nicht zu tun.
Telekom wirbt seit Monaten um Kunden
Die Kooperationsvereinbarung mit Deutsche Giganetz hat für die Gemeinde den Vorteil, dass darin auch Gebäude der Kommunalverwaltung, beispielsweise Kitas, für den Glasfaserausbau vorgesehen sind. Außerdem soll damit ein flächendeckender Ausbau in der Gemeinde gewährleistet werden. Die Konkurrenz kann unabhängig davon parallel überall im Ort um Glasfaserkunden werben.
Und das hat die Telekom offenbar schon Monate vor der Entscheidung der Gemeinde im Ort getan, wie Jens Glaser mehrfach aus der Bevölkerung erfahren haben will. Eine Unternehmenssprecherin bestätigt das frühe Werben um Kunden im Ort. So seien alle Eigentümer von Immobilien Ende November per Post angeschrieben worden. Fragen zum Thema Ausbau beantwortet die Telekom jedoch nicht, sie verweist darauf, dass Glasfaser Plus dafür zuständig sei.
Danach gefragt, warum gegenüber der Gemeinde mehrfach gesagt wurde, nicht Bobenheim-West ausbauen zu wollen, und dies nun doch beabsichtigt ist, antwortet ein Sprecher von Glasfaser Plus, dass die Ausbaugebiete kontinuierlich bewertet würden. „Erfreulicherweise hat eine erneute Analyse für Bobenheim-Roxheim ergeben, dass wir unser Ausbaugebiet im Vergleich zu den Plänen aus dem Sommer noch einmal erweitern können und Bobenheim-West und Nonnenhof nun doch erschließen werden“, teilt das Unternehmen auf RHEINPFALZ-Anfrage mit.
Telekom und Glasfaser Plus bewerben ihr Ausbauangebot damit, dass keine Vermarktungsquote erreicht werden müsse, um den Ausbau zu starten. Im Widerspruch dazu steht, dass Monate vor der Pressemitteilung vom Dezember Haushalte bereits gezielt angesprochen wurden, eine Vorvermarktung also bereits stattgefunden hat. Wie viele Anwohner bereits Verträge mit der Telekom abgeschlossen haben, möchte das Unternehmen nicht sagen.
Von der Deutsche Giganetz GmbH, deren Hauptinvestoren ein Vermögensverwalter im Besitz der Deutschen Bank AG und der britische Infrastruktur-Investmentmanager Infrared Capital Partners sind, ist hingegen in der Gemeinde noch nichts zu sehen. Für sie hat die mit der Gemeindeverwaltung geschlossene Vereinbarung laut Jens Glaser unter anderem den Vorteil, dass dadurch Bürokratiehürden abgebaut werden, etwa wenn es um die Genehmigung für das Aufreißen von Straßen geht, die für Konkurrenzunternehmen bestehen bleiben. Die Gemeinde werde darüber hinaus aber „marktneutral“ agieren, etwa bei der Frage nach Plakatierungsgenehmigungen.
„Für die Bürger ist es immer sinnvoll, dass es keine Monopolstellung gibt“, kommentiert Glaser die Situation um Mitbewerber im Ort. Dies berge aber die Gefahr, „dass es zu schwierigen Konstellationen führt“. So könne es theoretisch passieren, dass dieselbe Straße doppelt aufgerissen wird, wenn zwei Unternehmen ihre Kabel dort verlegen wollen. Das hänge vor allem davon ab, welches Unternehmen in welchem Gebiet wie viele Verträge abschließen kann.
Könnte ein Konkurrenzkampf auch dazu führen, dass sich einer der Anbieter komplett zurückzieht? „Uns ist bewusst, dass Aktivitäten von Wettbewerbern im Ausbaugebiet bei Anwohnerinnen und Anwohnern generell zu Verunsicherung führen und langfristig auch Einfluss auf den unmittelbaren Projekterfolg nehmen können“, sagt eine Sprecherin der Deutsche Giganetz GmbH auf RHEINPFALZ-Anfrage. Derzeit sei jedoch kein Konkurrenzanbieter in Bobenheim-Roxheim aktiv, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens von Anfang März. „Sollten wir jedoch in der Gemeinde Bauaktivitäten seitens eines Wettbewerbers wahrnehmen, werden wir eine neue Bewertung der Gesamtsituation vornehmen“, heißt es weiter.
Derzeit halte das Unternehmen an den Plänen für Bobenheim-Roxheim fest. Man befinde sich „weiterhin im engen Austausch mit der Gemeinde“. Präsenz vor Ort in Form von Vermarktungsaktivitäten peile das Unternehmen für die Jahresmitte an. Derzeit sei der „frühestmögliche Baustart“ für das Jahr 2025 vorgesehen.
Netzbündnis
Seit Ende März ist die Deutsche Giganetz GmbH Teil des rheinland-pfälzischen Netzbündnisses, das bis 2030 alle Haushalte in dem Bundesland an Glasfaserleitungen anschließen will. Die Giganetz will bis dahin 215.000 dieser Haushalte versorgen. Die Telekom und Glasfaser plus sind bereits Teil des Netzbündnisses.