Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Was tut sich auf dem Helmitin-Gelände in Pirmasens?

Die vier Hallen direkt an der Zweibrücker Straße werden saniert und erhalten eine ebenerdige Zufahrt in die Halle.
Die vier Hallen direkt an der Zweibrücker Straße werden saniert und erhalten eine ebenerdige Zufahrt in die Halle.

In der Zweibrücker Straße steht im kommenden Jahr ein Umbau bevor. Auf dem früheren Helmitin-Gelände werden die letzten Werkhallen für neue Mieter hergerichtet.

Das Areal von Helmitin soll aufgefüllt und um eine zweite Einfahrt erweitert werden. Investor Salvatore Federico hat aber schon weitere Pläne. Federico, hauptberuflich Elektromeister in Baden-Württemberg, hatte das leerstehende Helmitin-Gelände vor sechs Jahren übernommen und mit der Sanierung begonnen. Die ersten Mieter zogen schnell ein. Das Verwaltungsgebäude ist inzwischen fertig und bis auf zwei Flächen nahezu vollständig vermietet.

Wo früher die Verwaltung der Fensterprofil- und Kunststoffproduktion sowie das Werkslabor untergebracht waren, arbeiten heute Steuerberater, Softwareentwickler, eine Physiotherapiepraxis und das Unternehmen Apoplex Medical Technologies. Im Keller werden Autos aufbereitet, ein Waffenhändler bedient seine Kundschaft, hinzu kommt ein Betrieb für Regalsysteme.

Vermarktung startete spät

Für das Verwaltungsgebäude hätte sich Federico eine schnellere Belegung gewünscht. In Pirmasens wollten Mieter die renovierten Flächen vor dem Einzug sehen, weshalb die Vermarktung erst nach der Sanierung vorankam. Die Hallen ließen sich hingegen deutlich einfacher vermitteln.

In den Werkhallen herrscht rege Betriebsamkeit: Kartonagen Preißer, das Außenlager von Profine sowie zahlreiche kleinere Betriebe – vom Dachdecker über Elektriker, Maler und Forstbetrieb bis zu Exoten wie einer Bulli-Werkstatt, einer Leihwerkstatt für Autoschrauber und einem Kampfsportstudio – sind vertreten.

Zwischenzeitlich wurde auch eine Halle für Musikveranstaltungen getestet, eine Art Disko. Das scheiterte jedoch an den Anforderungen der Absicherung, erläutert Federico; inzwischen ist dort ein anderes Unternehmen eingezogen.

Amazon verarbeitet Rückläufer

Je weiter man in das 6,5 Hektar große Gelände vordringt, desto vielfältiger werden die Ansiedlungen. In einer Halle bereitet die Firma Amazon diskret Rückläufer auf, außen weist nur wenig auf den Konzern hin.

Die Firma PS Resins, deren Verwaltung in der Lemberger Straße sitzt, entwickelt auf dem Gelände Inliner für Rohre im Lebensmittelbereich – ein Verfahren ähnlich der Kanalsanierung. Produktionsanlagen, etwa in Molkereien, werden mit selbsthärtenden Kunstharzen ausgekleidet, um sie widerstandsfähig zu machen. In dieser Halle erinnern Geruch und Atmosphäre an Helmitin-Zeiten.

Mehrere Hallen passte Federico an aktuelle Standards der Wärmedämmung an. Vollwärmeschutz erhielten etwa die Hallen des Lederwarenherstellers Lucrin, dessen Hauptsitz in Genf ist.

Genehmigung für Spielhalle steht aus

Für die frühere Kantine, die prominent im Eingangsbereich steht, arbeitet der Unternehmer an einer Lösung. Ein Secondhand-Händler nutzte die Fläche längere Zeit, ist inzwischen ausgezogen. Der Betreiber einer Spielhalle würde dort gern einen Betrieb einrichten. Alle Pirmasenser Spielhallen in der Innenstadt müssen bis 2028 in Außenbereiche umziehen; die Zweibrücker Straße zählt dazu. Derzeit läuft das Verfahren für die Baugenehmigung.

Bis zuletzt hielt Federico die vier Hallen direkt an der Zweibrücker Straße zurück. Zwischendurch zeigte ein Fitnessstudio Interesse an den von der Straße gut sichtbaren Gebäuden. Aktuell wird das undichte Dach saniert, Gerüste stehen bereits. Anschließend folgt der Vollwärmeschutz.

„Das soll ein sauberes Bild werden“, sagt Federico und erläutert den Umbau mit Aufschüttungen und einer neuen Einfahrt. Künftig sollen Kunden ebenerdig in die Hallen gelangen. „Hier will ich Produktion haben.“ In der künftigen Einfahrt stehen derzeit Saunafässer eines Verleihbetriebs sowie Anhänger einer Mietagentur; ein Zaunbauunternehmen nutzt einen Teil des Geländes als Lager.

Investor stammt aus Remchingen

Für die hohe Produktionshalle, in der früher Kunststoffprofile aus den Extrudern liefen, gibt es noch keine Nachnutzung. Dort betreibt Federico derzeit seine eigene Werkstatt.

Auf dem Gelände an der Zweibrücker Straße entwickelten und produzierten mehr als 50 Jahre lang Helmitin, Forbo und zuletzt Fuller Fensterprofile und Klebstoffe. Fuller beendete 2014 die Produktion, regelte die Altlasten und beauftragte einen professionellen Vermarkter für Industrieflächen mit dem Verkauf des Areals, das rund 31.000 Quadratmeter Hallenfläche bietet – teils mit 14 Meter hohen Hallen und einer Tragkraft von vier Tonnen. Salvatore Federico übernahm 2019.

Federico stammt aus der Elektrobranche. Sein Betrieb in Remchingen bei Karlsruhe arbeitet in vielen Bereichen der Elektrotechnik, installiert Aufzüge und Photovoltaikanlagen. Letztere würde er gern auf den großen Hallendächern in der Zweibrücker Straße sehen. Derzeit seien die bürokratischen Hürden für Photovoltaik noch zu hoch, sagt er. Daran arbeitet er.

Salvatore Federico vor einer energetisch sanierten Halle, in der inzwischen 20 Mitarbeiter tätig sind.
Salvatore Federico vor einer energetisch sanierten Halle, in der inzwischen 20 Mitarbeiter tätig sind.
Die Firma PS-Resins nutzt die früher für Klebstoffe gebauten Halle für ihre Kunstharze, die für Lebensmittel geeignet sein solle
Die Firma PS-Resins nutzt die früher für Klebstoffe gebauten Halle für ihre Kunstharze, die für Lebensmittel geeignet sein sollen.
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