Redaktionsgespräch
Warum OB Zwick die Neuffervilla als „seine Mission“ sieht
Die Villa im Neufferpark soll bleiben, und sie soll den Pirmasensern offenstehen. Das sagt Oberbürgermeister Markus Zwick im RHEINPFALZ-Redaktionsgespräch sehr deutlich. „Ich habe es mir zur Mission gemacht, dieses Gebäude zu erhalten.“ Wie immer das Ziel am Ende umgesetzt wird, Zwick will verhindern, dass dabei allzu sehr in die Struktur des Parks eingegriffen wird. Auch der Denkmalschutz muss berücksichtigt werden.
Derzeit prüfe die Stadtverwaltung Ideen zur Gestaltung, die eingereicht wurden. Dass kein einziges Gebot im Bieterverfahren für die Neuffervilla eingegangen war, sei „für uns sogar ein Vorteil“, meint der OB. So könne die Stadt das Objekt freihändig vergeben, könne „freier denken“ und sei nicht gezwungen, die Höhe des finanziellen Angebots als einzige Ermessensgrundlage zu nehmen.
Welche neuen Ideen es gibt, will der OB nicht verraten – um ein erneutes Scheitern zu verhindern: Im Juni 2022 hatte der Pirmasenser Unternehmer Bernd Hummel mitgeteilt, seine Pläne für den Neufferpark ad acta zu legen. Nach Kritik von den Grünen und Teilen der SPD an dem Projekt hatte er beklagt, dass ihm Knüppel zwischen die Beine geworfen würden.
Park für Pirmasenser
OB Zwick teilt diese Einschätzung, wie im Redaktionsgespräch deutlich wird. Er spricht von „Minderheiten“, die „geschossen haben gegen das Projekt“. Die kritisierten Punkte hätten „nichts mit dem Projekt von Hummel zu tun“ gehabt. Zwick glaubt, dass die Umsetzung der Pläne – Renovierung der maroden Villa inmitten des Parks, Bau eines Parkhauses auf dem bereits bestehenden Parkplatzareal und der Bau einiger Wohnungen am Rande des Parks – „mit allen Facetten gut für Pirmasens“ gewesen wäre. Nun will Zwick erst mal Stillschweigen über die neuen Ideen bewahren. Nach der Verwaltung sollen die politischen Gremien informiert werden, dann erst die Öffentlichkeit.
Die öffentliche Nutzung sei allerdings Bedingung für die Zustimmung der Stadtspitze, betont Zwick. Er wolle keinem Verkauf zustimmen, der dazu führe, dass die Villa „völlig der Öffentlichkeit entzogen ist“. Investor Hummel werde keinen neuen Anlauf nehmen, um das Projekt doch noch zu stemmen, da ist sich Zwick sicher. Im Mai ist seine Amtszeit zur Hälfte vorbei. So manches große Projekt wird in dieser Legislatur nicht fertig werden. Für Zwick ein Anreiz weiterzumachen: „Ich bin nicht nur für eine einzige Amtszeit als OB angetreten“, sagt er offen.
Höchstens drei Windräder bei Winzeln
Bei den erneuerbaren Energien setzt der Oberbürgermeister auf Windräder und Solaranlagen auf den Hausdächern der Stadt. Freiflächen-Solarparks werde es zwar geben – derzeit wird auf der früheren Ohmbachdeponie gebaut –, sie sind Zwicks Einschätzung nach jedoch „nicht die große Lösung in so einem dicht besiedelten Gebiet“. Dennoch habe die Stadtverwaltung mögliche Flächen begutachtet und sei mit Investoren im Gespräch. Die Firma Profine, deren Dach schon weitflächig mit Solarmodulen bestückt ist, plant eine Anlage auf einer Erweiterungsfläche nahe der Autobahn Richtung Zweibrücken. Hier habe die Stadt schon Teilflächen zugesagt. Das Unternehmen habe aber bisher keine Bauanträge eingereicht.
In Winzeln entstehen Windräder nahe der Biogasanlage – windabgewandt vom Vorort und „unter größtmöglicher Rücksicht auf die Winzler“, versichert der OB. Wann gebaut wird, ist unklar. Die Landesregierung hat das Genehmigungsverfahren für Windräder vereinfacht, dennoch muss zum Beispiel die Umweltverträglichkeit geprüft werden. Und bisher habe die Stadt noch gar keine Unterlagen eingereicht. „Auch in Pirmasens wird kein Windrad in einem Jahr geplant und gebaut“, sagt Zwick. Es geht wohl um maximal drei Windräder, die in Winzeln gebaut werden. Trotz verringerter Minimalabstände sei die Fläche begrenzt. Die Stadtwerke entwickeln das Projekt zusammen mit privaten Gesellschaftern, die laut Zwick die nötige Fachkenntnis mitbringen.
Nicht mit dem Finger zeigen
Wenn es um das Projekt auf dem Boden der ehemaligen Kaufhalle geht, ist der Oberbürgermeister „genauso ungeduldig wie alle“. Schon vor drei Jahren gab es Verzögerungen beim Abriss. Mitte 2022 hieß es dann, bis zum neuen Jahr sollen die Bauarbeiten fertig sein. Und wieder wird die Frist gerissen. Wer deswegen die Stadtverwaltung kritisiert, den erinnert Zwick an eine einfache Tatsache: „Das ist kein städtisches Projekt.“ Die Stadt unterstütze den Investor, habe aber nur mittelbaren Einfluss. Doch der OB zeigt Verständnis für die Lage des privaten Entwicklers: Wirrwarr um Zuschüsse, Materialengpässe, volle Auftragsbücher bei den Handwerkern – diese Schwierigkeiten seien nachvollziehbar und verzögerten auch städtische Pläne. „Ich kann nicht mit dem Finger auf private Entwickler zeigen“, wenn es bei städtischen Projekten auch hakt, meint Zwick und spielt auf die Landgraf-Ludwig-Realschule plus an, deren Sanierung deutlich länger dauert und teurer wird.