Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Landgraf-Ludwig-Realschule: Baustelle dauert länger und wird teurer

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Der Turnhallenboden aus Russland fällt aus. Fliesen kommen nur in kleinen Stückzahlen, Handwerker werden nervös, wollen abspringen: Die Landgraf-Ludwig-Realschule hätte vor einem Jahr schon fertig sein können. Schulleiterin Liane Fremgen will im kommenden Frühjahr auf jeden Fall einziehen.

Baustellen zu managen erfordert in diesen Zeiten ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl. Das merkt momentan Tina Müller-Einfalt, die für die Sanierung der Landgraf-Ludwig-Realschule verantwortlich ist. Die Projektleiterin steht im Rohbau der früheren Turnhalle und zeigt auf den Boden. Hier sollte eine hölzerne Spezialkonstruktion aus Russland eingebaut werden, die aus den bekannten Gründen natürlich nicht mehr zu haben ist. Umplanen ist mal wieder angesagt, wie so oft auf der inzwischen über 15 Millionen Euro teuren Baustelle in der Alleestraße. „Das hat uns ein halbes Jahr zurückgeworfen“, sagt Müller-Einfalt. Aktuell sind die Brandschutztüren nicht aufzutreiben. Deshalb müssen schon fertige Gebäudeteile mit Spanplatten abgesperrt werden, dort wo später die Türen reinkommen.

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Elektriker wollen die Kabel verlegen. Es fehlen aber noch besondere Metallteile, die gerade mal nicht lieferbar sind, nennt Müller-Einfalt ein weiteres Beispiel, von denen sie zig erzählen könnte. Die Folge: Handwerker werden sauer aufeinander. Die Projektleiterin muss als Moderatorin die Wogen glätten, improvisieren. „Die springen momentan auch gerne mal ab, weil woanders ein lukrativerer Auftrag winkt“, schildert sie die Situation und OB Markus Zwick witzelt, dass die Stadt bald einen Baupsychologen braucht.

Besondere Beschläge unter dem Lack versteckt

Im Juni 2018 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Eine Arbeit, die viele Überraschungen mit sich bringt, auch angenehme. Die präsentiert Müller-Einfalt im Neubau, der an die Fassade des früheren Wohnhauses in der Alleestraße angebaut wurde. Der Denkmalschutz wollte die alten Fenster unbedingt erhalten. Eine Spezialfirma in Baden-Württemberg konnte die über 100 Jahre alten Fenster überarbeiten und war begeistert vom guten Zustand der Eichenfenster, die sogar mit Isolierglas ausgestattet werden konnten. Unter einer dicken Lackschicht fanden die Fensterexperten aufwändig gearbeitete Beschläge, was Müller-Einfalt ganz besonders gefreut hat.

Die Turnhalle
Die Turnhalle

Improvisieren darf die Projektleiterin mit ihrem Team auch bei den Treppen. Die historischen Geländer müssen höher sein und die Querstreben enger, damit kein Kinderkopf drin hängenbleibt. Das ist aber noch das geringste. In einem der drei Treppenhäuser bestehen die Stufen aus massiven Granitsteinen, die im Mauerwerk verankert sind. Die Konstruktion hat schon über 100 Jahre lang gehalten und zwei Weltkriege überlebt. Die Statiker würden jedoch sagen, dass nicht nachweisbar sei, dass es den modernen Sicherheitsstandards standhält. Deshalb bekommen die Stufen jetzt ein Rohr als Stütze. Woanders seien solche historischen Treppen kurzerhand rausgerissen worden, erzählt die Projektleiterin.

Der Kunstraum
Der Kunstraum

Alter Sandstein, moderne Brandschutztür

Die modernen Anforderungen mit dem Brandschutz unter einen Hut zu bringen, sei mitunter nicht so einfach. Da wären beispielsweise die sehr alten und schönen Sandsteingewände in den Fluren des Altbaus. Die durften nicht eliminiert werden, brauchen aber stellenweise auch eine Brandschutztür. Mit einer dezent eingefrästen Nut soll hier die hochmoderne Brandschutztür in den alten Sandstein eingefügt werden.

Topmodern wird die Landgraf-Ludwig-Realschule mit einem so genannten Amoksystem. In jedes Klassenzimmer kommt in einer Ecke ein kleiner Bildschirm, über den das Lehrpersonal im Fall der Fälle die Polizei rufen kann. An der Berufsschule soll ein ähnliches System installiert werden. Keine weitere Schule in der Stadt habe so ein System, erklärt Bürgermeister Michael Maas. Die Bildschirme könnten auch zur Kommunikation mit dem Sekretariat dienen.

Michael Maas rechnet mit mehr Kosten

Zu den Baukosten wollte sich Bürgermeister Maas nicht festlegen lassen. Gestartet war das Projekt 2018 mit geschätzten Kosten von rund 13 Millionen Euro. Jetzt geht die Stadtverwaltung schon von 15,6 Millionen Euro aus. Maas hält aber deutlich mehr für möglich. Bei der Förderung jedoch gibt es nur Festbeträge, die sich den Preissteigerungen nicht anpassen. 1,85 Millionen Euro werden für Energiesparen zugeschossen und rund vier Millionen Euro kommen von der Schulbauförderung. An der Stadtkasse werden zehn Millionen Euro hängen bleiben.

Die hintere Realschule
Die hintere Realschule
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