Interview
Willkomm-Chef: Das Miteinander mit der Stadt ist besser geworden
Herr Walther, zu Beginn der Mitgliederversammlung war höchstens ein knappes Dutzend der 120 Willkomm-Mitglieder da. Können Sie damit zufrieden sein?
Ich gebe zu, dass die Resonanz zu Beginn etwas enttäuschend war, aber im Verlauf des Abends wurden es dann doch noch einige mehr. Das ist bei der Willkomm nicht anders als bei anderen Vereinen. Enttäuscht bin ich deshalb nicht, weil die Debatte gut war, also von der Quantität wirklich nicht auf die Qualität geschlossen werden kann.
Vorgestellt hat sich die neue Geschäftsführerin der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft, Karin Henneke. Was haben Sie als ihre zentrale Botschaft mitgenommen?
Sie ist ja erst ein paar Wochen im Amt. Daher hat sie sich einfach mal als Person vorgestellt. Die für mich als Willkomm-Vorsitzender wichtigste Botschaft war vermutlich, dass ihr das Gespräch und der Austausch wichtig sind. Dass es nur gemeinsam geht. Was übrigens auch Bürgermeister Stefan Ulrich gesagt hat und dabei auf die Bedeutung der Willkomm als Ansprechpartner für die Stadt abgehoben hat. Und was auch die Willkomm immer sagt.
Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube?
Ich spreche immer vom kommunikativen Miteinander. Und das ist in den vergangenen vier, fünf Jahren deutlich besser geworden.
Gemeinsam wird am verkaufsoffenen Sonntag 7. Mai das erste Elwetritscherennen auf dem Floßbach gestemmt. Wobei die Kombination aus Lions Club, Tourist-Gesellschaft, Verein Sozio-Kultur und Willkomm ungewöhnlich ist.
Aber ein Beispiel dafür, dass man gemeinsam etwas auf die Beine stellen kann, wenn man Ideen teilt. Denn die Idee stammt vom Lions Club, und alle anderen sind wichtig, damit es auch klappt.
Was kann die Willkomm denn da tun?
Wir sind der Multiplikator für die Innenstadt. Zum Beispiel , weil in unseren Geschäften Rennlizenzen für die Elwetritschen gekauft werden können. Und es geht natürlich um Preise für jene 111 Gummitiere, die als erste durchs Ziel gehen.
Gemeinsam ist immer gut, aber innerhalb der Gewerbetreibenden in der City scheint das manchmal nur ein frommer Wunsch zu sein. Zum Beispiel dann, wenn beim verkaufsoffenen Sonntag die eine oder andere Ladentür zu bleibt. Was unternimmt die Willkomm dagegen?
Da kann ich nur sagen: Steter Tropfen höhlt den Stein.
Womit Sie was sagen wollen?
Man muss immer wieder für die Teilnahme werben, klarmachen, dass nur gemeinsam eine Innenstadt-Belebung gelingen kann. Auch der Willkomm ist klar, dass die Vorstellungen sehr unterschiedlich sind, und das auch für die Personalsituation gilt. Aber wir müssen trotzdem dahin kommen, dass an gewissen Tagen die ganze Stadt geöffnet hat.
Auch die Gewerbegebiete?
Wenn es nach uns und nicht nach der Gesetzeslage ginge auf jeden Fall. Die Öffnungszeiten im Gewerbegebiet sind eigentlich kein Thema. Das Problem beim verkaufsoffenen Sonntag ist die Anlassveranstaltung, also zum Beispiel der Deutsch-Französische Bauernmarkt. Diese Veranstaltung sollte an solchen Tagen auch für das Gewerbegebiet gelten. Auch da muss nach einer Lösung gesucht werden.
Noch mal zurück zur Innenstadt: Einig ist man sich aktuell aber noch nicht mal bei den Öffnungszeiten ...
Auch das ist eine echte Herausforderung. Und auch da müssen wir uns irgendwann zumindest auf gleiche Kernöffnungszeiten einigen.
Wenn die Stadt die Bedeutung der Willkomm hervorhebt, ohne dass Sie das fordern, ist das nicht umgekehrt auch eine Verpflichtung, sich besonders zu engagieren? Was planen Sie denn an Sonderaktionen über ein Gläschen Sekt für Kunden hinaus?
Wir haben eine mindestens zwei Seiten lange Ideenliste für jene Institutionen, die das auch umsetzen können. Also Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft, Tourist-Gesellschaft und eben Stadtverwaltung. Wir können zwar kleine Akzente setzen, ansonsten aber nur Ideen liefern, weil unsere Ressourcen für mehr wirklich nicht ausreichen.
Haben Sie eine Lieblingsidee?
Ich bin noch immer begeistert von dem Innenstadt-Event „Neustadt bewegt“ im Juli 2021 als Antwort auf die Pandemie. Da haben ganz viele mitgemacht, es waren zwei lebendige Innenstadt-Tage. Und natürlich der Neustadt-Gutschein der Einzelhändler, den das Citymanagement initiiert hat und zusammen mit der Willkomm umsetzt. Verkaufsstart für den Gutschein ist ja am verkaufsoffenen Sonntag am 7. Mai.
„Wasser in die Stadt“ wurde von der Willkomm immer ideell unterstützt. Aktuell läuft der zweite Bauabschnitt. Wie zufrieden sind Sie damit?
Die Baustellen-Abstimmung war gut, Lauf- und Lieferwege sind ordentlich besprochen worden. Wir waren früh eingebunden und konnten unsere Mitglieder zusätzlich informieren. Genauso wünschen wir es uns auch beim Ausbau der Kellereistraße ab voraussichtlich Mitte 2024.
Der auf jeden Fall bis zur Landesgartenschau 2027 abgeschlossen sein soll. Hat die Willkomm dafür auch schon Ideen?
Wir haben natürlich schon darauf hingewiesen, dass die Innenstadt da unbedingt eingebunden werden muss, zumal die räumliche Entfernung wirklich nicht groß ist. Es muss eine gute Brücke sozusagen von draußen nach drinnen geben, bei den Besuchern ein Interesse an noch mehr Neustadt geweckt werden. Da bringen wir uns gerne ein.
Eventuell lassen sich Gäste von der Attraktivität Neustadts leichter überzeugen als Einheimische. Wie sehen Sie das?
Viele Besucher kommen sehr gerne, weil ihnen die Innenstadt gefällt, wegen der Architektur, der Plätze, und auch wegen der guten, teils hochwertigen Geschäfte. Mich würde freuen, wenn auch die Neustadter mehr erkennen würden, dass ihre Stadt schön ist. Natürlich gibt es auch Probleme. Aber nichts, was man nicht gemeinsam lösen kann.
Info
Bei den Neuwahlen wurde der bisherige Vorstand einstimmig bestätigt: Erster Vorsitzender bleibt Winfried Walther, Geschäftsführer der Mattern GmbH, zweite Vorsitzende Sabine Omlor, Inhaberin der Boutique Laufsteg, für die Finanzen ist Andreas Böhringer, Geschäftsführer der KH Kern Immobilienverwaltung GmbH, zuständig, Schriftführer ist Frank Noreiks, Geschäftsführer bei Filmtheaterbetriebe Spickert Entertainment GmbH. Für das ausgeschiedene Vorstandsmitglied Manfred Oesterle wurde kein Nachfolger gefunden.