Neustadt
„Wasser in die Stadt“: Was die Baustelle für die Stadt bedeutet
In der Laustergasse fließt seit fast zwei Jahren wieder Wasser, der Juliusplatz soll bald folgen. Der Startschuss für den großen Umbau ist Anfang vergangener Woche gefallen. Ziemlich geräuschlos. Denn die Bürger sehen bisher vor allem die Absperrung an der südlichen Ecke des Marktplatzes, gelbe Markierungen entlang der Restaurants und umzäunte Parkplätze am Juliusplatz. Alles nicht sonderlich spektakulär. Immerhin zeigt ein Blick durch den Bauzaun: Die Arbeiter haben mit dem Bagger schon einige Pflastersteine aufgebrochen und zur Seite geschoben. Es tut sich also was. Es sieht aber eben noch nicht bahnbrechend aus. Dabei soll „Wasser in die Stadt“ das Gesicht der Innenstadt verändern.
Das ist der große Wunsch der örtlichen Politik. Denn der Bauausschuss hat sich schon 2017 mit einem ersten Konzept von „Wasser in die Stadt“ befasst. Ziel ist, den in den 1970er-Jahren verrohrten Speyerbach zumindest wieder an einigen Stellen sicht- und erlebbar zu machen. „Inzwischen weiß man, dass Städte mit offenem Wasserlauf höchst attraktiv für Bürger und Gäste sind“, so die Verwaltung. Daher wurde gemeinsam mit der Bürgerstiftung die Idee zum Projekt „Wasser in die Stadt“ geboren und zum Teil schon umgesetzt. Als ein Kernbereich dafür wurde die Laustergasse auserkoren. Sie wurde aufwendig umgestaltet, und der dortige Bachlauf wurde im Juni 2021 eingeweiht. Vor allem an warmen Sommertagen lockt der „kleine Bach“ rund um den Klemmhof viele Besucher an – vor allem Familien mit kleinen Kindern nutzen ihn gewissermaßen als Strandersatz.
Und der Anlieferverkehr?
Ganz so groß soll die Anlage am Juliusplatz nicht werden. Aber auch hier geht es den Planern darum, die Fläche südlich des Rathauses attraktiver zu gestalten. Vorgesehen sind durch den Umbau ein Wasserlauf mit Spielbereich und Fontänenfeld. Der Marktplatz selbst bleibt unverändert, dafür bekommt die Gasse am Marktplatz (zwischen Adler-Apotheke und Gaststätte Barbarossa) ebenfalls neues Pflaster. Die Stadt sieht in dieser Gestaltung „eine symbolische Weiterentwicklung des Themas Wasser“.
Ein großes Vorhaben also, für das die Stadt alleine bei den Pflasterarbeiten gut 670.000 Euro investiert. Die Arbeiten haben pünktlich nach Ostern begonnen. Läuft alles nach Plan, kann das Vorhaben bis Ende August abgeschlossen werden. Beim Auftakt hat alles funktioniert, wie Dagmar Staab von der Pressestelle mitteilt: „Dienstag und Mittwoch wurde die Baustelle abgesperrt und eingerichtet. Das heißt, es wurden Absperrmaterial, Geräte, Maschinen und Aufenthaltscontainer angeliefert und aufgestellt. Am Donnerstag hat man mit dem Rückbau der alten Gummimatten und des Pflasters im Bereich des geplanten Bachlaufs begonnen.“
Alle Anlieger informiert
Der Verwaltung ist bewusst, dass sie in einem sensiblen Bereich arbeitet, denn wegen der Baustelle ist über den Juliusplatz kein Anlieferverkehr mehr möglich ist. Man habe mit allen Unternehmen, Läden und Gastronomen im Vorfeld gesprochen und sie umfassend informiert. „Bis dato gibt es in Bezug auf den Anlieferverkehr keine Probleme“, zeigt sich Staab zufrieden.
Bis Anfang Mai wird weiter an der Oberfläche des Juliusplatzes gearbeitet. Dort werden auch neue Leitungen verlegt, und die Baugrube für den unterirdischen Filter- und Technikbehälter, der zwischen Rathaus und Café Extrablatt geplant ist, wird vorbereitet. Aufgrund der höheren Anforderungen an die Wasserqualität für das Fontänenfeld wird – anders als in der Laustergasse, wo das Wasser aus dem Klemmhof gespeist wird und wegen Grünverfärbungen regelmäßige Reinigungen anstehen – im zweiten Abschnitt Wasser der Stadtwerke im Umlaufverfahren verwendet.
Warten auf die Steine
Bei den weiteren Arbeiten sind Stadt und ausführende Firmen darauf angewiesen, dass das bestellte Pflaster bald kommt. Sobald es eingetroffen ist, wird die Gasse zum Marktplatz aufgerissen und mit neuen Steinen versehen. Ziel ist, dass dort bis Mitte Juli alles fertig ist und in der Gasse auch wieder Anlieferverkehr möglich ist.
Wichtig für alle Geschäfte und Lokale in den kommenden Monaten: Die Stadt will die Zugänge „weitestgehend gewährleisten“. Bei Problemen oder Änderungen werde man direkt auf die Betroffenen zugehen, versichert die Verwaltung. Bis zum Abschluss der Arbeiten ist die Zufahrt über den Juliusplatz auf den Marktplatz gesperrt (als Ersatz dient die Rathausstraße), und die Gasse zum Marktplatz kann während der dortigen Arbeiten nicht befahren werden.
Markus Schmitt ist mit seinem Modehaus von dem Projekt unmittelbar betroffen. Für ihn sind zwei Dinge wichtig: „Dass es trotzdem immer mit dem Anlieferverkehr klappt und Kunden Zugang zum Geschäft haben.“ Aus den Vorgesprächen habe er ein gutes Gefühl: „Es stecken Konzepte dahinter. Die Stadt plant äußerst penibel, dass alles gut läuft.“ Als vor ein paar Wochen vor seinem Laden und in der Gasse schon Leitungen verlegt wurden, „hat die Firma super gearbeitet, da war ich erstaunt, wie zügig das ging“. Die einmonatige Baustelle habe sich aufgrund der guten Organisation nicht negativ auf den Umsatz ausgewirkt, lobt Schmitt. Er hoffe, dass dies auch jetzt gelingt: „Denn ich lebe wie die Gastronomen von der Frequenz auf dem Marktplatz.“
Die bisherigen Gespräche mit der Stadt stimmten ihn aber zuversichtlich, und auch die gelben Markierungen, die trotz Bestuhlung eine Spur freihalten sollen, zeigten: „Es wurde genau geplant.“ Ebenso positiv sei, dass die Gasse erst gemacht werde, wenn das Pflaster da ist – „man will ja keine Dauerbaustelle mit Frust und Ärger riskieren“. Daher gehe er die kommenden Monate zuversichtlich an und hoffe, „dass es dann schöner aussieht, dann hat sich alles gelohnt“, sagt Schmitt.