Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Städtische Weinberge nur noch an Biowinzer verpachten?

Bald soll auch im Stadtrat über das Thema Verpachtung der Weinberge gesprochen werden.
Bald soll auch im Stadtrat über das Thema Verpachtung der Weinberge gesprochen werden.

Ein Grünen-Antrag im Haardter Ortsbeirat hat Ende Oktober für Aufsehen gesorgt: Demnach sollen städtische Weinberge nur noch an Biobetriebe verpachtet werden. In Haardt gab es dafür zwar keine Mehrheit. Aber wäre so ein Kurswechsel eine Option für ganz Neustadt?

„Schade, wieder eine Chance verpasst“ – so kommentiert Tina Herbring die Entscheidung im Ortsbeirat. Sie wohnt in Haardt und ist im Vorstand von Solawi (Solidarische Landwirtschaft) engagiert. Sie hätte sich gefreut, wenn der Grünen-Vorstoß zumindest geprüft worden wäre, „statt ihn gleich totzureden“.

Eva Bonnet bewertet das Thema hingegen anders und findet es „erschreckend, welche Unkenntnis bei vielen Verbrauchern und auch Bewohnern von Weindörfern in Bezug auf weinbauliche Bewirtschaftungsweisen herrscht“. Sie betreibe ihren Betrieb in Hambach (Weingut Georg Naegele) seit zehn Jahren mit „integriertem, kontrolliertem, umweltschonendem Weinbau“. Heißt: Sie verzichte auf Herbizide und Insektizide. Auch auf Kupfer verzichte sie, denn dieser könne sich anreichern und Organismen im Boden schädigen. Die Bundesregierung habe den Einsatz von Kupfer im Landbau bis 2021 zugelassen. Bonnet: „Sollte es nicht möglich sein, mittelfristig alternative Pflanzenschutzmittel zu finden, kann das auch das Ende des Bioweinbaus in Deutschland bedeuten.“ Daher warnt sie vor zu weitreichenden politischen Beschlüssen, denn: „Was wird dann mit den zu verpachtenden Flächen der Stadt passieren?“

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Bleibt also die Frage, was die Fraktionen im Stadtrat dazu sagen, und ob sie eine solche Grundsatzentscheidung überhaupt möchten. Die Grünen machen dabei klar, dass sie das Thema weiter vorantreiben wollen. Laut der Fraktionsvorsitzenden Elke Kimmle gehe es um eine „sinnvolle Weichenstellung“. Die Grünen werden ihr zufolge Anfang 2022 einen Antrag im Stadtrat einbringen. Ziel müsse es sein, „ein ausbalanciertes Ökosystem im Weinberg zu schaffen und zu erhalten“. Es sei wichtig, weniger synthetische Substanzen einzusetzen. Deren Folgen seien gravierender als beispielsweise die von Kupfer. Dessen Konzentration sei messbar, und sein Eintrag werde von Biobetrieben schon deutlich reduziert.

Klar ist: Die anderen Fraktionen werden einen solchen Grünen-Antrag nicht einfach durchwinken. Für die SPD spricht sich Fraktionsvorsitzender Pascal Bender zwar für Vorgaben „in puncto Nachhaltigkeit“ aus. Allerdings sollte man das Thema in Ruhe diskutieren und dabei auch die betroffenen Winzer sowie Experten vom Weincampus anhören. „Wir wollen keine Symbolpolitik, sondern echte Signalkraft“, sagt Bender.

„Keine Gräben aufmachen“

Für die FDP-Fraktion sieht deren Vorsitzender Matthais Frey keinen Regelungsbedarf. „Nahezu alle Winzerbetriebe, die ich kenne, arbeiten mittlerweile nach ökologischen Grundsätzen“, sagt Frey.

Die FWG „befürwortet bei städtischen Flächen in Naturschutzgebieten, wie zum Beispiel der Gemarkung Vogelsang oberhalb des Leopold-Reitz-Wegs, die Verpachtung an Öko-Betriebe“, sagen Fraktionsvorsitzender Christoph Bachtler und Werner Kerth. Dort seien Auflagen und Vorgaben sinnvoll.

Sie betonen aber auch: Ein genereller Ausschluss von Winzern, „die auf konventionelle Art ihre Flächen bewirtschaften, auf allen städtischen Flächen, ist jedoch in keiner Weise gerechtfertigt und auch rechtlich nicht haltbar“. Denn auch in diesen Betrieben seien umweltverträgliche Bewirtschaftung und naturschonende Maßnahmen gängiger Standard, sagen Kerth und Bachtler.

Auch die CDU ist „gegen eine ausschließliche Verpachtung von städtischen Weinbergen an Biowinzer“, so Hans-Christoph Stolleis (selbst Winzer). Er warnt davor, „Gräben zwischen Berufskollegen“ aufzumachen. Denn es gebe viele Betriebe, die „sehr bionah“ arbeiteten, aber auf eine Zertifizierung verzichten.

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