Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wahlanalyse für LU: CDU siegt, SPD wankt, AfD erstarkt

Wahlparty im Hack-Museum.
Wahlparty im Hack-Museum.

Erstmals gehen beide Direktmandate in Ludwigshafen an die CDU. Die SPD liegt bei den Zweitstimmen vorne, verliert aber massiv. Die AfD gewinnt überall stark hinzu.

Der Überblick

Ludwigshafen hat gewählt. Auf den ersten Blick hat die CDU bei der Landtagswahl triumphiert. Erstmals haben die Christdemokraten die beiden Direktmandate gewonnen. Die meisten Erststimmen bekommen Raymond Höptner (26) und Marion Schneid (62). Die Sozialdemokraten Beatrice Wiesner (31) und Gregory Scholz (44) haben in der einstigen SPD-Hochburg beide Wahlkreise verloren. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber das immer noch vorhandene Potenzial der Sozialdemokraten in der Industriestadt: Die SPD liegt bei den Zweitstimmen in beiden Ludwigshafener Wahlkreisen vorne und erzielt bessere Ergebnisse als auf der Landesebene. Die AfD hat im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren ihre Zustimmungswerte verdoppelt und liegt im Wahlkreis 37 bei den Landesstimmen auf Platz zwei. Die Rechtspopulisten sind weiter erstarkt.

Der Rechtsruck

Der Rechtsruck in der Wählerschaft zeigt sich deutlich beim Blick auf die Stadtteilergebnisse: Im Stadtteil West – einem sozialen Brennpunkt – liegt die rechte Partei auf Platz eins, sowohl bei den Landesstimmen als auch bei den Erstimmen für ihren Kandidaten Johannes Thiedig (49). Eine AfD-Hochburg ist auch die Gartenstadt: Hier liegt der 32-jährige Wahlkreiskandidat Christoph Schmitt (29,4 Prozent) vor dem SPD-Bewerber Gregory Scholz (28,8). Lediglich bei den Zweitstimmen hat die SPD einen hauchdünnen Vorsprung von acht Stimmen (0,1 Prozentpunkte). In Mitte landet die AfD knapp hinter der SPD, mit einem Abstand von 1,5 Prozentpunkten bei den Zweitstimmen. Ähnlich ist es in Nord-Hemshof: Hier beträgt der Abstand zur SPD lediglich 3,1 Prozent. Der Ludwigshafener Norden – Oppau. Edigheim, Pfingstweide – war jahrzehntelang eine SPD-Hochburg. Nur mit Mühe kann die SPD diesmal dort noch ihren Spitzenplatz halten. Die AfD sitzt ihr auch hier im Nacken. In Oppau beträgt der Abstand nur 1,2 Prozentpunkte, in der Pfingstweide sind es lediglich 0,6 Prozentpunkte, was 18 Stimmen entspricht. In Edigheim ist der Abstand etwas größer (7,7 Prozentpunkte), doch auch hier liegt die AfD auf Rang zwei in der Wählergunst. Dass sich der Erfolg der rechten Partei auf soziale Brennpunkte beschränken würde, kann nach dieser Wahl niemand mehr behaupten. Auch im dörflichen Maudach landet die AfD bei den Erst- und Zweitstimmen auf Rang zwei hinter der CDU. Die umstrittene Rechtsaußenpartei legt in allen 14 Stadtteilen kräftig zu – oft mit zweistelligen Zuwachsraten.

Der SPD-Absturz

Der Blick auf die rot eingefärbte Stadtkarte beim Zweistimmenergebnis trügt etwas: Die SPD hat stadtweit bei den Zweitstimmen an Zustimmung verloren. Die Verluste sind teils dramatisch: In West verlieren die Sozialdemokraten im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren 16,6 Prozentpunkte, in der Pfingstweide sind es 14, in der Gartenstadt 11,3, in Mundenheim 10,6 Prozentpunkte. Es gibt keinen einzigen Stadtteil ohne Verluste. Unterm Strich liegt die SPD zwar noch in elf Stadtteilen vorne, aber der Abstand zur AfD und der CDU hat sich deutlich verringert. Oft machen nur noch ein gutes Dutzend Stimmen einen Unterschied. Auffällig: Dort, wo die SPD sehr stark verliert, legt die AfD stark zu. Daher liegt der Schluss nahe, dass viele enttäuschte frühere SPD-Wähler diesmal den Rechtspopulisten ihre Stimme gegeben haben.

An dieser Stelle finden Sie Statistiken von 23degrees.

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Die „Dominanz“ der CDU

Die Christdemokraten haben mit dem jungen Politik-Neuling Raymond Höptner im Wahlkreis 36 auf den richtigen Mann gesetzt. Er liegt in vier von sieben Stadtteilen klar vorne: Süd, Friesenheim, Rheingönheim und in seinem Heimatstadtteil Mundenheim, wo er auch Ortsvorsteher ist. Die SPD hat auch auf ein neues Gesicht gesetzt: Beatrice Wiesner, die aber nur in Mitte sowie Nord-Hemshof punkten kann, sonst deutlich hinter Höptner liegt. CDU-Kollegin Marion Schneid ist eine altgediente Landtagsabgeordnete, die in drei von sieben Stadtteilen im Wahlkreis 37 vorne liegt – darunter in ihrem Heimatstadtteil Maudach, wo sie ihr bestes Ergebnis erzielt. Auch in Ruchheim, einer CDU-Hochburg, liegt sie mit deutlichem Abstand vor ihren Mitbewerbern. Dadurch, dass Schneid auch den größten Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim gewinnen konnte, liegt sie am Ende mit 35 Stimmen (plus 0,1 Prozentpunkte) vor ihrem schärfsten Konkurrenten Gregory Scholz (SPD), der in der drei Stadtteilen im Norden die meisten Stimmen holen kann. Doch der Oppauer ist nur knapp einem Desaster entgangen. AfD-Kandidat Schmitt hat dem Ludwigshafener SPD-Chef in dessen Kernland schwer zugesetzt. Bei den Erststimmen für die Direktkandidaten im Wahlkreis 37 liegen CDU (28,8 Prozent), SPD (28,7 Prozent) und AfD (27,3 Prozent) am Ende sehr eng beieinander. Daher ist auch der Blick auf die größtenteils schwarz eingefärbte Stadtkarte etwas trügerisch.

Das Abschneiden der Anderen

Blickt man auf die Stadtteile, haben sich die Grünen bei den Zweitstimmen trotz einiger Verluste einigermaßen stabil gehalten, liegen aber im Gesamtstadtergebnis (6,5 Prozent) unter dem Landesergebnis (7,9). Die höchste Zustimmung erfährt die Partei in LU-Süd mit 11,7 Prozentpunkten. Die Linke hat überall leicht zugelegt, aber es reicht nur in Mitte mit 10,4 Prozent für Rang drei. Die FDP spielt in keinem Stadtteil mehr eine politische Rolle. Der Absturz ist überall zu beobachten, auch in der einstigen Hochburg Rheingönheim, wo die Liberalen nur noch auf 2,4 Prozent kommen. Besonders bitter für den neuen FDP-Chef Anes Avdic: In seinem Wohnort Mundenheim liegt die Partei bei nur 1,4 Prozent der Zweitstimmen – und damit hinter der Tierschutzpartei, die auf 1,9 Prozent kommt. Auch die Freien Wähler, Volt und BSW sind bei dieser Wahl in Ludwigshafen keine ernstzunehmenden politischen Kräfte gewesen.

Die eifrigsten Wähler

Die höchste Wahlbeteiligung gab es einmal mehr in Ruchheim, wo 64,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. Danach folgen Rheingönheim (64,2) und Maudach (63,8). Die wenigsten Wähler gingen in West (31,9), Mitte (33,2) und Nord-Hemshof (35,4) an die Urne. Die Wahlbeteiligung in ganz Ludwigshafen lag bei 53 Prozent und damit unter dem Landeswert von 68,9 Prozent.

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